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Main-Kinzig
Hanau
  • Französische Allee 12
Wallonisch-Niederländische Kirche
Flur: 33
Flurstück: 206, 207

Bauzeit: 1600-1608, Innenraumgestaltung Niederländische Kirche bis 1623; Stuckierung und Bemalung der Decken 1654.

Wiederaufbau: 1959-60 Wiederaufbau Niederländische Kirche.

Architekten: Wilhelm Lossow, Josef von Lamatsch.

An-/Umbauten: 1985-87 Ausbau zur Diakoniestation

Architekten: Wilhelm Zuschlag, Benita von Perbandt

1600 bis 1609 als eine aus einem Zwölf- und einem Achteck gefügte Doppelkirche erbaut. Einweihung der Wallonischen Kirche 1609, während die Innenräume und die Niederländische Kirche erst 1623 als vollendet galten. Vermutlich diente die annähernd zeitgleich errichtete Kirche im 1583 gegründeten Willemstadt (Nord-Brabant) als Vorbild, eine Gründung des verwandten Moritz von Oranien, die der Graf von Hanau bei einer Reise durch die Niederlande kennengelernt haben mag.

Bauausführung in einem zwischen Gotik und Renaissance vermittelnden Stil, der sich in schlanken Lanzettfenstern, schulterbogigen Stürzen der Zugänge und Maßwerk beziehungsweise rundbogigen Toren mit Eierstabdekor äußert.

Inhaltlich formuliert die Wahl zweier, durch einen gemeinsamen Glockenturm miteinander verbundener Vielecke die religiöse Nähe beider, dem Calvinismus verpflichteten, aber unterschiedliche Sprachen sprechenden Gemeinden. Im Innern Konzeption als Predigtkirche, die die Idee der Gleichstellung aller Gemeindeglieder, der Wertschätzung des Predigers als Primus inter Pares und die Bedeutung des gepredigten Wortes auch architektonisch formuliert.

Daher erfolgte die Wahl des Rundbaus als Form eines „Hörsaals", der die unhierarchische Anordnung der Sitze, eine freie sowie zentrale Stellung der Kanzel und eine gleichmäßige Belichtung des Raumes ermöglicht. Gliederung beider Räume durch eingestellte Stützenkränze, wobei derjenige der Wallonischen Kirche als Auflager der ursprünglich von einem bemerkenswerten Sprengwerk getragenen Deckenkonstruktion diente.

Die wallonisch-niederländische Doppelkirche wurde 1945 mitsamt des beeindruckenden, steilen Dachwerkes bis auf die Außenmauern und die eingestellten Stützenkränze ionischer und dorischer Säulen zerstört. Wiederaufbau der kleineren, niederländischen Kirche unter Einsatz moderner Konstruktionen (Faltdachkonstruktion aus Stahl), dabei Beibehaltung der Emporen. Das neu eingebrachte, farbige Deckenrelief der Kirche symbolisiert den Zusammenschluss beider Gemeinden 1960. 1985-87 Ausbau zur Diakoniestation, die sich heute in dem von den Stützen ausgeschiedenen Randbereich der wallonischen Kirche befindet. Auf den obergeschossigen Ausbau und die Auflage eines Daches wurde hingegen verzichtet, so dass sich die Wallonische Kirche auch nach der Umnutzung nach außen hin weiterhin als unüberdachte Ruine präsentiert. Das Innere wurde nach einem preisgekrönten Entwurf hofartig frei belassen und mitsamt der erhaltenen ionischen und dorischen Säulen als Mahnmal gestaltet.


Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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