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Teil der Gesamtanlage:
Kirchberg und Lindenküppel
Der barocke Kirchenbau, 1721/25 durch den Hanauer Baumeister Joh. Christian Starck errichtet, erhebt sich mit dem gedrungenen spätgotischen Chorturm der Vorgängeranlage exponiert am südlichen Ende des Dorfs. Der Standort, dazu möglicherweise die Andeutung eines Grabens nördlich und die Bezeichnung Haingraben südlich des Kirchengeländes erinnern wohl an eine frühere Wehrfunktion des Kirchhofs, der heute eine fast quadratische Fläche einnimmt und ummauert ist. Zum Dorf hin öffnet sich die Mauer, das Portal wird eingefasst von schlanken genuteten Pfeilern, denen über profiliert auskragenden Abschlussplatten Kugeln aufsitzen. Teilweise ist die Mauerkrone mit Hohlziegeln eingedeckt. Der verputzte Chorturm der Kirche stammt im Erdgeschoss mit dem Chorraum noch aus der Mitte oder der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts; er wird durch Gesimse dreigeschossig gegliedert und hat eine unregelmäßige Eckquaderung. Das erste Obergeschoss enthält eine Holzkonstruktion von 1452 (d), die einst der Unterstützung der durch den Glockenstuhl belasteten Balkendecke über diesem Geschoss diente. Sehr wahrscheinlich sind damals überhaupt erst die beiden Obergeschosse entstanden, deren Mauerwerk deutlich von dem des Erdgeschosses abweicht, etwas später gefolgt von der Anschaffung der im heutigen Geläut erhaltenen Glocke aus dem Jahr 1463. Das niedrige untere Geschoss zeigt nach Süden eine zugesetzte Pforte, sonst sind von außen keine originalen Öffnungen zu erkennen. Eine verschieferte zweigeschossige und achtseitige geschweifte Haube von 1721 (d) schließt den Turm ab. Das Kirchenschiff ist breiter als der Turm und längsrechteckig, es hat ebenfalls Eckquaderungen und wird durch hohe Rechteckfenster gegliedert. Jeweils ein Portal befindet sich in der Mitte der Nord- und der Westseite. Die Gewände der Portale sind aufwendiger profiliert als die der Fenster, und sie sind geohrt. An der Nordseite des Turms führt eine Freitreppe aus Sandsteinquadern zum hochgelegenen Emporeneingang in der Ostwand des Langhauses. Das Innere der Kirche besteht aus zwei Räumen: dem weiten und lichten Saal und dem anschließenden Chor. Der Saal schließt mit einem Spiegelgewölbe, das wie die Unterseiten der Empore geometrisch stuckiert ist. Die Empore an Nord-, West- und westlicher Südseite des Raums ruht auf wirkungsvoll schweren Rundstützen, die aus Holz und Stein bestehen und marmoriert sind. Die Emporenbrüstungen sind nicht wie sonst in der Region üblich kassettiert, sondern mit einem breiten, durchlaufenden Profil versehen. Auf dem Westabschnitt der Empore steht die Orgel aus dem Jahr 1729 von Orgelbauer Sterzing, Eisenach; das Werk wurde 1895 von der Firma Eifert, Stadtilm, neu eingebaut. An der Ostwand ist rechts neben dem Chorbogen die Kanzel angebracht. Sie ist verhältnismäßig schlicht; aufwendig tritt der mit ihr durch einen schmalen Profilrahmen verbundene baldachinartige Schalldeckel in Erscheinung. An zentraler Stelle oberhalb des Chorbogens prangt ein großes Wappen der Freiherren Riedesel, es ist dies der einzige figürliche Schmuck des Kirchensaals. Der schwere, spitze Chorbogen ist in die mächtige Wand wie eingeschnitten und hat an der Laibung geometrische Malereien wohl aus der Zeit um 1600. Den quadratischen Chor schließt ein Kreuzrippengewölbe; die schlicht gekehlten Rippen wachsen ohne Ansatz aus den Ecken des Raums und führen zu einem runden, mit einer Rose verzierten Schlussstein. Im Chor wurden seit 1927 Wand- und Deckenmalereien aus der Bauzeit des Turms freigelegt; sichtbar ist an der fensterlosen Nordwand eine große Marienkrönung, darunter Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers und darunter eine Draperie. Aus der Barockzeit stammt in einem Gewölbefeld ein gemalter Verkündigungsengel. An Ausstattungsteilen befinden sich im Chor ein eindrucksvolles lebensgroßes Kruzifix aus der Bauzeit des Kirchenschiffs (1726 von Emanuel Ritter gearbeitet) und ein älterer Taufstein in flacher Kelchform, datiert 1594. Weitere Ausstattungsstücke, darunter ein Taufengel, befinden sich heute in Lauterbach (Hohhaus-Museum).
Auf dem Friedhof ist eine Anzahl barocker, klassizistischer und historisierender Grabmäler von auffallend guter Qualität erhalten geblieben. Sie haben orts- und regionalgeschichtliche, aber auch kultur- und kunstgeschichtliche Bedeutung. Die verhältnismäßig großen Stelen sind meist an Vorder- und Rückseite mit Ornamentik und Inschriften versehen. "WANDERER / SAÜME DICH ALLHIER, / UND BETRACHTE WIE IM LEBEN ALSO AUCH IM TODE UNGETRENNET SIND / DIE 43 JAHRE IN DER EHE VERGNÜGT GELEBT HABEN / DANN ES LIEGT ALLHIER VOR DIESEM STEIN, / HERR IOHANN CASPAR GEBHARD", so beginnt die ausführliche, im unteren Bereich leider verwitterte Inschrift für den "gewesenen Pfarrherrn" und seine Frau. Die hochovale Inschriftfläche ist an zwei gewundenen, von Weinranken umwachsenen Halbsäulen mit korinthischen Kapitellen aufgehängt. Die Säulen tragen ein Gebälk mit der Aufschrift "MEMENTO MORI", darüber zeigt ein Aufsatz das fein gearbeitete Relief zweier Genien (denen leider die Köpfe abgeschlagen wurden). Sie halten eine gekrönte Wappenkartusche mit Darstellung des seine Jungen fütternden Pelikans. Die Stele wird von einer schmalen Draperie gerahmt, die oben zu drei Knäufen gebunden ist. Auf der Rückseite befindet sich oberhalb eines stark abgeschieferten, langen und empfindsamen Gedichts ein Relief des Hermes (Merkur), Begleiter der Seelen in die Unterwelt, mit Stundenglas, Sense und Schriftband: "NEMINI PARCO" – Keiner bleibt verschont. Auch hier fehlt der Kopf. Das Gedicht beginnt denn auch: "WIE SEYD IHR MENSCHEN DOCH MEIST GAR ZU UNBESONNEN / BEY EURER OHNE DEM SO KURTZEN LEBENS FRIST ..." Die Stele für den 1735 verstorbenen Johann Balthasar Köhler, Organist, Schuldiener und Gerichtsschreiber, und seine Frau Anna Sibylla ist im Grunde hochrechteckig, schließt aber mit flachem Dreieck, dem zwei eine Krone haltende Engel aufliegen. Im Dreieck ein Schriftband: "HIER RUHEN ZWEY HERTZEN / DIE DOCH IM LEBEN NVR EINS WAREN / VOM TOD ZWAR GETRENNET ABER / AVCH WIEDER ZUSAMEN GEBRACHT". Die sehr ausführlichen Inschriften für Mann und Frau nehmen den wesentlichen Teil der Stelenfläche ein. Sie sind in der Mitte durch einen senkrechten Stab getrennt, werden aber durch eine schmale Draperie zusammengefasst, die an den Stelenecken über kleinen Totenschädeln verknotet ist. Einige der Details der Stele sind abgeschlagen. Nicolaus Spahn, gest. 1737, Pächter des riedeselischen Guts. Stele aus rotem Sandstein mit bogigem Abschluss, zu dessen Seiten akroterartige Erweiterungen mit Blütenreliefs versehen sind. Die ausführliche Frakturinschrift auf hochovaler Fläche ist aufwendig mit gerolltem Blattwerk eingefasst, darüber füllt eine Krone das Bogenfeld. Die gegen 1750 für Johann Conrad Horst errichtete Stele wird an den Seiten rocailleartig gerahmt und schließt über Akanthusvoluten mit einem eingezogenen geschweiften Bogen ab. Im Bogenfeld ist das Auge Gottes in Strahlen- und Wolkenkranz dargestellt, darunter folgt die Frakturinschrift. Auf der Rückseite steht der Leichentext in einer Rahmung aus Rankenwerk mit Blüten. Die für Jungfer Maria Christina Kohlerin errichtete Stele wurde etwa 1750 geschaffen. Ihre hochovale Inschriftfläche ist großenteils verwittert. Sie wird von korinthisierenden Halbsäulen mit Weinranken flankiert, die ein verkröpftes Gebälk tragen, darin die Inschrift "ALLES VERGEHET DIE TUGEND BESTEHET". Zu Seiten der Säulen Drapierungen, als Abschluss ein geschweifter Bogen mit dem Relief zweier Engel, die eine Krone und eine Kartusche mit den Initialen der Verstorbenen tragen. Elisabetha Catharina Gebhard, Pfarrersfrau, gest. 1755. Die Stele hat eine von Pilastern gerahmte Inschriftfläche, seitlich der Pilaster erscheinen Engelsköpfe mit ausladenden Flügeln. Die Stele schließt über waagerechtem Gesims kleeblattförmig, auf der Vorderseite des Aufsatzes halten zwei Engel Stundenuhren und ein Wappen mit Helmzier und Krone. Der 1755 verstorbene Lehrer Nicolas Köhler erhielt eine aufwendig ausgestaltete Stele aus rotem Sandstein. Sie wird durch zwei waagerechte Gesimse gegliedert und hat einen geschweiften Abschluss mit bekrönendem Pinienzapfen. Die Gestaltung der Ansichtsfläche nimmt darauf keine Rücksicht: Die hochformatige, durch Rocailles gerahmte Inschriftfläche überlagert die Gesimse, darüber halten zwei Engel zu Seiten eines Kelchs eine Drapierung auseinander. Auf der Rückseite rahmt Rankenwerk den Leichentext unter der Überschrift "PIETAS PULCHERRIMUM EPITAPHIUM!". Die Stele für Heinrich Theophil Sartorius hat einen bewegten Umriss, der von Voluten und einem eingezogenen, bogenförmigen Abschluss gebildet wird. Die Vorderseite ist durch dorische Pilas-ter gegliedert, über deren Kapitellen Rocailles zu einer abschließenden Agraffe hinaufleiten. Die Frakturinschrift erklärt: "Heinrich Theophil / Sartorius / gewesener Amtsschultheis / der beyden Gericht Mos und Freyensteinau / ist es / deßen am 7ten September 1770 [oder 1776?] eingefallene Leibeshütte /neben disem Stein / zur Ruhe niedergeleget ist." Es folgt ein ausführlicher Lebenslauf, der von besonderem historischem Interesse für die Region ist. Die Rückseite der Stele gibt den Leichentext ebenfalls in aufwendiger Rocaillerahmung. Die wohl 1779 entstandene Stele hat eine unleserlich gewordene Frakturinschrift. Ihr geschweifter, im unteren Bereich eingezogener Umriss ist der barocker ländlicher Grabsteine, die etwas unbeholfen platzierten und ausgearbeiteten Darstellungen (Auge Gottes, Drapierung, Wirbel, Voluten) wirken imitiert. Volkskundlich bemerkenswert aber sind die halbplastischen Darstellungen eines einzelnen Manns und einer Familie mit drei Kindern am unteren Rand unterhalb der Inschriften.(10) Kubisch gearbeiteter Grabstein auf profiliertem Sockel. Den erhabenen Inschriftflächen sind an den Unterkanten Guttae angehängt. Die Frakturinschriften des zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstandenen Grabmals sind unleserlich.(11) Vor der Nordseite der Kirche steht das Grabmal für den 1801 verstorbenen Christian Georg Arnold. Das Postament hat gerahmte Inschriftflächen, in die Blumengebinde "eingehängt" sind. Das abschließende Gesims zeigt ein Blütenfries. Auf dem Postament aufgestellt ist eine große, aus einem Kubus entwickelte Zopfstil-Vase mit Maske, Blattgirlanden und Blütenkranz(12) Grabmal für "Amtsschultheiß / Johann [Eitel] Ebel / gebohren den 8ten Dezbr. 1721 / zu Landenhausen / gestorben den 18ten April 1808 / zu Freiensteinau / im Amt 51 Jahre / 18 Jahre zu Lauterbach als Amtssecretair und / 33 Jahre hier." Das Postament zeigt fein gearbeitete Frakturinschriften und das Relief von Schwert, Waage und Lorbeerzweig als Hinweise auf Amt und Würde. Auf dem Postament steht eine Urne.(13) Das Grabmal für Christoph Leipold aus Freiensteinau, gest. 1846, besteht aus einem Postament mit Inschriftflächen, wobei die Vorderseite von Draperien gerahmt wird. Auf dem Postament steht ein kugeliges, knospenartiges Element über eingezogenem Sockel.(14) Auf Postament stehender Sandsteinpfeiler für den 1862 verstorbenen Johann Heinrich Henkel, "Freih. Riedeselischer Pachter". Die Ausgestaltung der Vorder- und Rückseite, beide mit Inschriften und maßwerkartigen Reliefs versehenen, erinnert an Arbeiten des großherzoglichen Hofbildhauers Johann Baptist Scholl, speziell dessen in Darmstadt (Veteranendenkmal) und Aschaffenburg (Altstadtfriedhof) umgesetzten "Versuch, sich von neugotischen Details zugunsten kristalliner Formen zu lösen" (Dehio).(15) Das jüngste der auf dem eigentlichen Kirchhof erhaltenen Grabdenkmäler entstand 1942/44 für die Familie Leipold in Form einer dreiteiligen Stele, deren abschließendes Profil mit einem Akanthusfries geschmückt ist. Der vorgezogene Mittelteil zeigt ein erhabenes Kreuz, die Seiten haben schöne Frakturinschriften.(16) Vier gusseiserne Grabkreuze; darunter zeichnet sich das der Anna Elisabeth Fehl, gestorben in den 1860er (oder 1830er?) Jahren gestalterisch aus: Die Arme des neugotischen Kreuzes schließen mit filigranen Maßwerkdreipässen ab, der Kreuzschaft zeigt das Relief gekreuzter, gesenkter Fackeln. Die anderen, in schlichterer Ausführung, sind Mitgliedern der Pfarrfamilie Bindewald gewidmet und stammen aus den 1860er und 70er Jahren. (17) Drei Granitstelen mit lateinischen und "Eisernen" Kreuzen erinnern an Gefallene des Ersten Weltkriegs.(18) Auf dem seit 1884 östlich anschließenden Erweiterungsteil des Friedhofs befindet sich auf großer Fläche eine nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals belegte Gruft der Riedesel Freiherrn zu Eisenbach. Als Grabzeichen wurde eine große Stele aus dem späten 18. Jahrhundert wiederverwendet. Die Vorderseite zeigt von Rocailles gerahmte Inschriftflächen und darüber zwei Engel, die Kartusche und Krone tragen. Auf der Rückseite sind aus der Entstehungszeit der Stele ausführliche Texte in dichter Frakturschrift unleserlich geworden. Ergänzt wird die Stele durch zwei Sandsteinkreuze für im Zweiten Weltkrieg gefallene Söhne der Familie.Das nicht in seiner ursprünglichen Form (vgl. Bermuthshain) erhaltene Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, zunächst 1922 an der Hauptstraße (Steinauer Straße) aufgestellt, besteht aus einem blockhaften Granitpodest, das mit Lorbeergirlanden verziert ist und auf dem ein Helm mit Eichen- und Lorbeer-laub ruht. An den Seiten sind Tafeln mit Namen und Daten der Gefallenen angebracht. Weitere hochrechteckige Tafeln für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs sind an eine das Denkmal im rechten Winkel einfassende Basaltmauer appliziert.
Als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.
| Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Grünfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG |
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Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein |
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Kleindenkmal, Bildstock |
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