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Vogelsbergkreis
Alsfeld
  • Kirchplatz 1
Walpurgiskirche
Flur: 1
Flurstück: 1

Die Walpurgiskirche in Alsfeld ist ein mächtiger Steinbau, dessen hoher Turm und der sich weit über das niedrige Langhaus emporstreckende Chor die Stadtsilhouette prägen. Ihr ungewöhnliches Aussehen zeugt von einer komplizierten Baugeschichte, die eng verknüpft ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Das zwischen Turm und Chor eingepferchte Langhaus erhebt sich als ältester Bauteil der Kirche über einem Vorgängerbau, vermutlich eine romanische Anlage mit einem Chorschluß aus drei Apsiden. Umbaumaßnahmen in der zweiten Hälfte des 13. Jh. überführten es in den heute ablesbaren Zustand, ein dreischiffiges, basilikales Langhaus über einem annähernd quadratischen Grundriß mit den erhaltenen Rundpfeilern und seinen abschließenden Kapitellen. Zu Ende des 14. Jh. beauftragte der Magistrat mehrere Umbauarbeiten. Es waren Planungen der wirtschaftlichen Blüte, die, wie in vielen anderen Städten dieser Zeit, aus Geldmangel nicht zu Ende geführt werden konnten. Es war ursprünglich beabsichtigt, den basilikalen Querschnitt des Langhauses mit seinem überhöhten Mittelschiff und den niedrigen Seitenschiffen in eine Halle mit gleichhohen Schiffen zu überführen. Nachdem diese Maßnahme begonnen worden war, fügte man im Jahr 1393 dem noch nicht fertiggestellten Langhaus einen der aktuellen Mode entsprechenden, von hohen Fenstern durchlichteten Chor an. Doch schon ein Jahr nach Baubeginn des Chores wurde die Baustelle von einer Katastrophe heimgesucht: der alte Kirchturm stürzte 1394 vermutlich aufgrund veränderter statischer Verhältnisse ein. Der Wiederaufbau wurde sogleich beschlossen. Geplant war ein stattliches Turmmassiv mit einer offenen, heute noch begehbaren Halle. Doch schon wenig später fehlte das nötige Geld, der Bau wurde eingestellt und lag lange Zeit still. Abgeschlossen wurde die Maßnahme rund einhundertdreißig Jahre später. 1543 wurde die Turmhaube mit bekrönender Laterne nach den Plänen des Hans von Frankfurt aufgesetzt. Der ursprüngliche Plan, die Basilika in eine Halle zu verwandeln, kam nicht mehr zur Ausführung.

Inschriften zur vorreformatorischen Baugeschichte: anno dm m ccc xciiii i nocte jns s pauli ruit atiq turris eod ano crast die s joh an porta latina n opus ichoat. Im Jahre des Herren 1394 in der Nacht Sankt Paulis Bekehrung (25. Januar) ist der alte Turm eingestürzt. Im selben Jahr ist das Werk am Tage nach S. Johannis ante portam latinam (7.Mai) begonnen worden. Im Gewände des südlichen Eingangs zur Turmhalle

Anno dm m ccc xc tercio hoc gloriosum opus inchoatum est in crastino ascensionis dm in pfare dei maire et walpurgis vg. Im Jahre des Herren 1393 ist dieses glorwürdige Werk angefangen worden den Tag nach Himmelfahrt (16.Mai) zu Ehren Gottes, der Maria und der Jungfrauen. Im südwestlichen Strebepfeiler des Chores.

Ausstattung des Innenraums:

Im Chor der Kirche befindet sich hinter dem Altar ein romanischer Taufstein mit kreisrundem Becken, dessen Außenwand von einer rundbogig geschlossene Arkatur in sechs Felder geteilt wird. In ihnen finden sich Reliefs mit Szenen aus dem Leben Christi wie die Verkündigung, Anbetung etc. Den Fuß des Taufsteines zieren fischähnliche Fabelwesen. An der südlichen Chorwand hat sich eine Chorgestühlreihe erhalten, die kurz nach dem Chorneubau 1395 entstanden sein mag. Besonders beeindruckend ist die westliche, abschließende Wange. Dargestellt ist in ihr ein Bischof in Ornat und Krümme, der aufrecht unter einem Maßwerk, hier wohl als Heilszeichen der Kirche deutbar, steht. Der Bischof wehrt einen Dämon ab, der sich in der Form einer Echse am Gestühlrand emporschlängelt. Die Malereien der Gestühlrückwand datieren von 1656/57. Erhalten ist auch eine Sakramentsnische mit Wimperg, die mit einer kleinformatigen Kreuzigung und den Marterwerkzeugen um 1400 als hessischer Typus entstanden, der mit Tyle von Frankenberg in Verbindung gebracht wird. An der Nordwand des Chores erhebt sich schließlich ein spätgotischer Schnitzaltar, der die Wappen des 1435 genannten Stifterpaares Balthasar zu Aren gen Fronhausen und seiner Gattin Gertrud Schaufuß trägt. Im Zentrum des Altares ist eine vielfigurige Kreuzigungsszene angesiedelt, links eine Darbringng im Tempel, darunter eine Anbetung des Kindes, rechts die Anbetung der Könige und eine Beschneidungsszene. Die Fassung der Szenen ist neu, die gemalten Tafeln der Seitenflügel mit Passions- und Marienszenen befinden sich im Stadtmuseum.

Auf einem Querbalken im Triumphbogen, der Übergang vom Chor zum Langhaus, befindet sich eine Triumphkreuzgruppe, die um 1500 in überdurchschnittlicher Qualität entstand. Die Kanzel mit schwerem Schalldeckel und säulengeschmücktem Fuß ist eine Kopie der Arbeit von Michael Finck aus dem Jahr 1618, der auch die Renaissancetür im Rathaus schuf. Das Original verbrannte in der Werkstatt des Restaurators.

In der Kirche finden sich mehrere stark abgetretene Grabsteine und Epitaphien: Werner von Gils, 1597, Joh. Georg Kornmann, † 1677, Joh. Georg Huth, † 1719.

Von besonderer Qualität ist das Epitaph des Bürgermeisterehepaars Stumpf aus dem Jahr 1632. Im Zentrum der Anlage befinden sich Jost Stumpf und seine Ehefrau Susanna Bücking als Halbfiguren in repräsentativer Tracht. Beide sind in eine Arkatur eingebettet, deren Mittelsäule ein Kruzifix trägt, dem sich beide andächtig zuwenden. Der Rahmen des Schreins trägt die Inschrift Mein Leben und Sterben ist mein Gewinn, darüber enthält ein schmales Band die Datierung des Epitaphs. Zu Seiten bekunden weibliche, nackte Pleurants die Trauer um die Verstorbenen. Unter diesem figürlich besetzten Feld erläutert eine Inschrift die Biographien der Eheleute Stumpf. Im abschließenden Feld sind die acht Kinder der Familie dargestellt, der obere Abschluß trägt das Familienwappen.

Eine andere qualitätvolle Arbeit ist das Epitaph für Conrad Schlanhof aus dem Jahr 1633. Der Mittelteil des Denkmals ist in eine barocke Architektur eingebettet, die am unteren Abschluß von einer Basis und oben von einem profilierten Gesims begrenzt wird. Seitlich rahmen reichverzierte Säulen den ausgeschiedenen Mittelteil. In dessen unterem Register befinden sich Mitglieder der Familie Schlanhof in knieender Andacht. Darüber fasst ein profilierter Rahmen mit Segmentbogenschluß eine Auferstehungsszene nach Matt. 28. Unterhalb der figürlichen Szene rahmt ein elliptische Feld eine Inschrift, die dem Verstorbenen huldigt. In einem oberen Abschluß erscheint ein Motto des Verstorbenen.

Der nachreformatorische Gottesdienst erforderte eine umfangreiche Emporenanlage für die gesamte Kirche. Erste Holzemporen sind für das späte 15. Jh. nachweisbar.

Die Chorempore ist in das Jahr 1638 datiert. An ihr finden sich mit den geschuppten Säulen mit Kandelabermotiven an den Basen, blattverzierten Knaggen und Kapitellen Schmuckmotive, wie sie auch profane Fachwerkgebäude in der Stadt als repräsentative Architektur auszeichnen. Die Emporenbrüstung zeichnet sich durch ihre malerischen Qualitäten aus. Die Felder zeigen unterschiedliche Szenen und Personen des Alten und Neuen Testaments sowie Tugenddarstellungen, die zwischen 1630 und 1655 entstanden sein mögen.

Die Emporenbrüstung im Südseitenschiff - es handelt sich um eine der reichsten in Mittelhessen aus dem ersten Drittel des 17. Jh. - zeigt einen Passionszyklus. Die Choremporen zeigen auf Christus hinweisende


Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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