Blick von der Oberstadt auf den Marktplatz
Südwestecke des Marktplatzes
Obergasse 11, 16, 18
Am kleinen Berg nach Nordwesten
Am großen Berg, Stützmauer
Am großen Berg nach Südosten
Obergasse 16
Obertor und Obergasse nach Norden
Obertor/Hohl, Brunnentrog
Obertor 4
Marktplatz nach Nordosten
Neugasse nach Osten, hist. Fotografie
Südwestecke des Marktplatzes, hist. Fotografie
Löwenplatz 3
südseite des Marktplatzes
Am kleinen Berg nach Norden
Am kleinen Berg nach Südosten
Altenstadtensemble von der Oberstadt
Obergasse 19
Obergasse nach Norden
Untergasse nach Norden
Auf dem Berg 5 und Kirchentreppe
Untergasse nach Süden
Obergasse/Am großen Berg
Obertor nach Norden
Obertor nach Nordosten
Obergasse nach Südosten
Obergasse/Untergasse
Auf dem Berg nach Norden
Fassadenabwicklungen im Bereich des Marktplatzes
Blick von der Wiesenpromenade zur Bergkriche
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Bergstraße, Landkreis
Zwingenberg
  • Am kleinen Berg, Arresthausgasse, Auf dem Berg, Darmstädter Straße...
Gesamtanlage Altstadt Zwingenberg

Am kleinen Berg

Arresthausgasse

Auf dem Berg (Bereich innerhalb der ehem. Stadtmauer)

Darmstädter Straße 1-5 (Ostseite), 2-8 (Westseite)

Heidelberger Straße 2

Löwenplatz

Marktplatz

Mittelgasse

Neugasse

Obertor

Obergasse

Pass 3-5 (Westseite)

Untergasse

Wetzbach 1-19 (Südseite), 2-12 (Nordseite)

Die Gesamtanlage umfasst im Wesentlichen den alten Kernbereich Zwingenbergs, der sich aus der erhöht liegenden Oberstadt und der am Fuß des Berges, möglicherweise etwas später erbauten Unterstadt mit ihren ab 1610/11 angegliederten Vorstadtbereichen Wetzbach, Löwenplatz und Am Obertor zusammensetzt. Diese Kernstadt ist heute noch von Resten der mittelalterlichen Stadtmauer umgeben, teilweise lässt sich der Stadtmauerverlauf nur noch an den Parzellenzuschnitten der Grundstücke ablesen. Der in großen Teilen regelmäßige Verlauf der Straßen sowie die noch bestehende Bebauung sind im wesentlichen auf den Wiederaufbau nach den verheerenden Zerstörungen durch französische Truppen im Jahr 1693 zurückzuführen. Nach den 1695 auf Geheiß des Landgrafen erfolgten Vorschlägen des Werkmeisters Schäfer sollte die Stadt "regulär und zierlich wieder aufgebaut werden". Dabei nutzte man so weit wie möglich die noch vorhandenen Kellergewölbe, errichtete die Wohnhäuser giebelständig und verbreiterte die parallel geführten Hauptstraßen Ober- und Untergasse ein wenig. Wie bereits im 15. Jh. achtete man auch jetzt strengstens darauf, dass in der Stadt wegen der Brandgefahr keine Scheunen errichtet wurden. Dafür gab es die so genannte "Scheuergasse" nordwestlich der Stadt, entlang der diese Wirtschaftsgebäude aufgereiht standen. Heute sind die noch erhaltenen Scheunen, die erst nach einer Brandkatastrophe im Jahr 1832 entstanden, durch Um- und Ausbauten gravierend verändert.

Das historische Stadtbild, das vor allem nach 1818 irreversible Eingriffe durch die teilweise Schleifung der Befestigung und den Abbau der beiden großen Stadttore erleiden musste, ist noch heute von einer weitgehend regelmäßigen, zweigeschossigen Wohnhausbebauung geprägt, in der einige wenige Großbauten Akzente setzen. Für die Oberstadt ist dies vor allem der weit in die Ebene wirkende Bau der alten Pfarrkirche (Bergkirche), der ab 1259 entstand. Sein heutiges Erscheinungsbild geht im wesentlichen auf eine Renovierung zwischen 1701 und 1706 zurück. In der noch heute weitgehend unbebauten Südostecke der Stadt erhebt sich die Jugendherberge über den Grundmauern einer ehemaligen Zehntscheune und bildet einen wichtigen Eckpunkt. Ob sich hier in mittelalterlicher Zeit wirklich eine Burganlage befunden hat, wie oft behauptet wird, ist allerdings fraglich, da sich bisher keine eindeutigen Zeugnisse baulicher oder schriftlicher Art gefunden haben. Stadtmauerreste führen allerdings direkt zur Südwestecke der alten Stadtanlage, wo sich Reste einer alten, von den Grafen von Katzenelnbogen erbauten Wasserburg erhalten haben. Diese untere Burg war idealer Kontrollpunkt des hier befindlichen natürlichen Engpasses ("Getwinc") zwischen vorgeschobenem Bergsporn und damals noch sumpfiger Ebene, durch den der historische Transportweg entlang des Odenwaldhanges verlief. Zunächst führte er durch die Obergasse, später am Westrand der Stadt vorbei über den noch heute so genannten Pass, der gleichzeitig einen von der Stadt her einsehbaren Freibereich vor der Stadtmauer, eine Art Glacis bildete. Nach dem Verfall der alten Wasserburg überließ Landgraf Ludwig V. 1603 große Teile der nordöstlichen Grabenanlage den Zwingenbergern, die auf dem hinzugewonnenen Gelände den neuen Marktplatz mit einer regelmäßigen Randbebauung anlegten. Der neue Marktplatz ersetzte den alten, kleineren Markt, der sich - noch heute im Stadtgrundriss ablesbar - zwischen Obergasse und dem Anfang des ansteigenden Weges Am großen Berg befand. Als Ersatz für das ruinöse Wasserschloss der Katzenelnbogen hatte Landgraf Philipp 1561-63 vor dem Obertor ein Jagdschloss bauen lassen, das später als Amtsgericht Verwendung fand. Nach der Zerstörung von 1693 und dem Wiederaufbau zu Beginn des 18. Jhs. markiert es noch heute den südlichen Eingangsbereich in die Kernaltstadt.

Die Nordwestecke der Stadt wird von zwei Großbauten akzentuiert. Zum einen vom sogenannten Schlösschen, das möglicherweise zunächst ein Burgmannensitz war, dann - vielleicht nach einer Zerstörung - als Sitz des Amtmannes der Obergrafschaft Katzenelnbogen neu errichtet wurde. Dahinter erhebt sich der langgestreckte Riegel des Gasthauses "Zum Löwen", das - bereits um 1590 von der Stadt erbaut - sich im frühen 19. Jh. zu einem der bekanntesten Traditionshotels an der Bergstraße entwickelte.

Die kleinteilige Wohnbebauung Zwingenbergs ist noch heute in starkem Maße von Fachwerk geprägt, wobei dies vor allem die beiden Marktplatzbereiche und den Straßenzug der Obergasse betrifft. In der als Haufensiedlung entstandenen Oberstadt trifft dies, abgesehen von den als Einzeldenkmäler ausgewiesenen Häusern Auf dem Berg 4/6, 7 und 9/11, weniger zu, hier wurde wahrscheinlich nach der Zerstörung von 1693 bescheidener gebaut und diese Häuser sind inzwischen weitgehend erneuert bzw. ersetzt. Es handelt sich meist um schlichte ein- oder zweigeschossige, verputzte Bauten wie das Haus Nr. 33, das mit seinem Vorbau und dem hölzernen Gesprenge wichtiger Bestandteil der Gesamtanlage ist. Gleiches gilt für die beiden Häuser Nr. 2 und 5, die neben ihrer siedlungsgeschichtlichen Bedeutung auch besonderen städtebaulichen Wert besitzen. Hinzuweisen ist auch auf den platzartigen Bereich nordwestlich, der von teilweise noch in Fachwerk stehenden Häusern nach Südosten gerahmt wird. Hier befindet sich auch noch ein Sandsteintrog mit einem gusseisernen Brunnenstock des 19. Jhs. Einen wichtigen Abschluß bildet für die Oberstadt die "Aul", eine ehemalige von einem Turm gesicherte Pforte, die 1818 zu einem Tor geöffnet wurde.

Von der Oberstadt führt eine schmale, stützmauergesicherte Straße südwestlich zur Unterstadt, nordwestlich eine in die Gasse Am kleinen Berg überführende Treppenanlage. Als Nr. 10 steht hier ein interessantes Fachwerkwohnhaus, das - stark umgebaut - in die frühe Aufbauphase nach 1693 gerechnet werden dürfte. Die Straße Am großen Berg macht zwischen den stattlichen Anwesen Walbrunner Hof und sog. Kaserne eine Kehre und führt als sogenannte "scheele Gasse" (nur die Ostseite ist mit teilweise alten Fachwerkwohnhäusern bebaut) über den alten Markt direkt zur Obergasse. Hier stößt sie unmittelbar auf das stattliche, jedoch im Erdgeschoss gravierend veränderte Haus Obergasse 16, in dem der berühmte Zwingenberger Orgelbauer Philipp Gottlieb Dietz seine Werkstatt hatte. Das breit gelagerte Haus mit dem auffallenden Mansardwalmdach trägt in seinem Torbogen die Jahreszahl 1583. Hier befand sich zeitweilig auch die Gaststätte "Schwarzer Adler".

Entlang der Obergasse reihen sich die Häuser regelmäßig in geschlossener Straßenfront, wobei es sich hier um meist zweigeschossige Giebelbauten handelt. Stattliche Fachwerkhäuser des 18. Jhs. haben sich v.a. auf der Ostseite erhalten, hier sind auch mehrere Wohnhäuser als Einzeldenkmäler ausgewiesen. Bemerkenswert sind hier aber auch das stark modernisierte, als Gasthaus genutzte Haus Obergasse 1 mit seinem Fachwerkobergeschoss, das Haus Nr. 11, das an der Ecke des alten Marktplatzes mit seinem auffallenden Mansardwalmdach mit dem Dietz''schen Haus korrespondiert und der vierachsige Putzbau Obergasse 19 mit seinen Stichbogenfenstern aus der Zeit um 1800. Das Zusammentreffen der beiden parallelen Straßenzüge Ober- und Untergasse wird beim "Schlösschen" von dem platzbildbestimmenden, von einem Walmdach überspannten Wohn- und Geschäftshaus Nr. 32 markiert, hinter dem ein quergelagerter, stark erneuerter Bau des 18. Jhs. liegt. Dieser Bau weist mit seinen abgewalmten Giebelfronten jeweils zur Ober- und Untergasse. Letztgenannte Gasse führt zum Marktplatz zurück und ist ebenfalls von regelmäßigen Giebelhäusern bestanden, die jedoch weitgehend durch Renovierungen überformt wurden.

Der annähernd quadratische Marktplatz mit seinem charakteristischen Brunnen aus der ersten Hälfte des 19. Jhs. weist vor allem auf der Ost- und Westseite noch Originalbestand aus der Wiederaufbauphase nach 1693 auf. Die Südfront mit dem "Freihof" des landgräflichen Kellers Peter Krug wurde in den letzten Jahren weitgehend saniert, wobei nur Reste alter Bausubstanz übrig blieben. Die Nordseite ist vom Alten Rathaus und vom Krüppelwalmgiebel der heutigen Altstadtschänke (Marktplatz 2) bestimmt. Deren Traufseite mit dem Fachwerkobergeschoss bietet einen optisch einstimmenden Bezugspunkt von der von Westen heranführenden Neugasse, die erst 1829 mit einem Durchbruch durch die westliche Stadtmauer entstand. Vor diesem Stadtmauerstück liegt der ehemalige Burg- oder Schießgraben, der, wie der Schießgarten im Osten der Stadt, Bestandteil der alten Befestigungsanlage ist.

Der südliche Vorstadtbereich mit den Straßen Obertor, Arresthausgasse und dem Beginn der Hohl bietet ein uneinheitlicheres Bild. Als Kulturdenkmal bedeutend die dem ehemaligen Amtsgericht gegenüberliegende Hofreite Obertor 6, an die nördlich ein interessantes Wohnhaus des 19. Jhs. angebaut ist. Der historistische Bau mit dem zentralen Balkon ist wichtiger Teil der Gesamtanlage. Dies gilt auch für die südliche, in die Hohl überführende Häuserzeile am Obertor mit ihren ortstypischen Hofreiten, bestehend aus giebelständigem Wohnhaus, verdachter, zum Nebengebäude vermittelnder Hofeinfahrt und rückwärtigen Scheunen, die heute jedoch meist gravierend umgebaut sind. Teil der Gesamtanlage ist auch der gründlich modernisierte Adlersaal von 1904, der jedoch zumindest seine äußere Kubatur noch behalten hat. Südlicher Endpunkt der Gesamtanlage ist der stattliche Fachwerkbau Heidelberger Straße 2, östlicher das Haus Hohl 5. An der Ecke zur Hohl, unter einer Linde, steht noch ein rechteckiger Brunnentrog aus Kalkstein, der - möglicherweise durch Heinrich Metzendorf - für den Garten der ehemaligen Fissan-Werke geschaffen worden war. In ihm waren ursprünglich das Swastika-Zeichen (Hakenkreuz) auf strahlender Sonne sowie zwölf Hagal-Runen eingemeißelt. 1935 wurde der Trog dem Zwingenberger Verkehrs- und Verschönerungsverein geschenkt, der ihn an seinem heutigen Standort aufstellen ließ. Das Hakenkreuz wurde vermutlich 1945 entfernt.

Der nördliche Vorstadtbereich ist durch den Löwenplatz vor dem ehemaligen Untertor und dem nach Osten führenden Verlauf der Straße Wetzbach bestimmt. Die Häuser entlang der Wetzbach sind weitgehend überformt, am Löwenplatz sind neben den ausgewiesenen Kulturdenkmälern zwei Gebäude erhalten, die trotz Veränderungen in Resten alten Baubestand aufweisen. Dies gilt für das Haus Nr. 3, das im Obergeschoss ein Fachwerk des 18. Jhs. mit kräftigen Profilierungen zeigt. Ein weiterer interessanter Bau ist das teilweise massiv errichtete Haus Nr. 5, das im Krüppelwalmgiebel konstruktives Fachwerk aufweist. Ein dreigeschossiger, turmartiger Anbau steht nordwestlich, mit Kantenquaderung im Erdgeschoss und Fachwerk im Obergeschoss. Hier soll sich die sogenannte Unterwachstube vor dem Untertor befunden haben.

Die Zwingenberger Altstadt, mit ihrer von der Oberstadt überschaubaren, charakteristischen Dachlandschaft, hebt sich unter den Städten des Kreises Bergstraße neben Hirschhorn wegen ihres noch weitgehend geschlossenen historischen Ortsbildes als Besonderheit hervor. Es gilt, dieses gewachsene Erscheinungsbild mit seinen malerischen Gassen und steilen Treppenwegen, das von regional- und städtebaugeschichtlicher, teilweise auch baukünstlerischer Bedeutung ist, zu wahren.


Als Gesamtanlage nach § 2 Absatz 3 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.

Legende:

Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG
Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG
Kulturdenkmal (Grünfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG
Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG
Weitere Symbole für Kulturdenkmäler nach § 2 Abs. 1 HDSchG:
Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein
Jüdischer Friedhof
Kleindenkmal, Bildstock
Grenzstein
Keller bzw. unterirdisches Objekt
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