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Lahn-Dill-Kreis
Wetzlar
Blasbach
  • Zum Scheid 1
Evangelische Pfarrkirche
Flur: 2
Flurstück: 62/5

Das ursprüngliche Patronzinium der Kirche ist unbekannt. Im sogenannten Lorscher Codex zum 5.1.787 sind erstmals Ort und Kirche genannt: Eberhard von Blasbach schenkt „im Dorf Blasbach eine Hofreite, eine Kirche, welche ebendort errichtet ist, eine Hube, alles was zu derselben gehört, vier Leibeigene und eine andere Hofreite, welche herrschaftlich ist" an das Kloster Lorsch. Die frühe Eigenkirche der Herren von Blasbach ging im 13. Jahrhundert an die Grafen von Solms, nach Aufteilung der Solmser Grafschaft 1432 an die Grafen von Solms-Hohensolms über; sie gehörte zum Archidiakonat Dietkirchen. 1307 erfolgte die Nennung eines Pfarrers Werner. Landgraf Philipp von Hessen führte die Reformation gegen die kaisertreuen katholischen Solmser Grafen ein; erster evangelischer Prediger wurde 1558 Anton Thönges Schuler. Eine Kirchweihe erfolgte am 11.11.1712, die Vollendung geschah 1717 mit finanzieller Unterstützung des Patrons, Friedrich Wilhelm Graf zu Solms-Hohensolms-Lich. 1962 wurde das Innere, 1982 der Außenbau renoviert, damals wurde auch der Windfang vor dem Haupteingang angelegt. Die Kirche liegt oberhalb einer Hangsubstruktion an der Ortsdurchfahrtsstraße von Hermannstein nach Hohenahr. Die Blasbacher Kirche besteht aus einem kleinen Rechtecksaal aus geputztem Bruchstein ohne Turm und ohne baulich abgesetzten Chor. Nach Osten und Westen ist ein halb abgewalmtes Satteldach mit liegendem Stuhl aufgesetzt, eine Balkenunterfütterung stützt den achteckigen und gedoppelten Reiter etwa in der Dachmitte; die Giebel sind verschiefert. Die Anbauten an den Traufseiten sind mit Zugängen versehen: Im Norden ein Treppenhaus mit Außenzugang zur Empore, im Süden vor dem einfachen Spitzbogenportal mit altem Türblatt, dem alten Haupteingang der Kirche, ein sakristeiartiger Vorraum von 1982. Einfache, hoch sitzende Rechteckfenster belichten den Raum. Noch 1925 war ein bis an die Dachnase geführter, verbretterter Anbau von geringer Tiefe an der Westwand erhalten, vielleicht ein Aufgang zum Dachraum. Der Innenraum ist von volkstümlich barocker Wirkung. Die Balkendecke mit Längsunterzug wird von einem Mittelständer mit großen Kopfbändern getragen, dessen Inschrift „DEN 25 T . AVGV 1712" das Datum vermerkt, an dem Zimmermeister Johann Conrad Paar aus Lich mit vier Söhnen und zwei Gesellen den Dachstuhl errichtete. Die optische Trennung von Ost- und Westteil erfolgt durch einen Deckenbalkenunterzug, der an der Südseite auf einem Wandständer aufliegt. Die von gemalten Säulen perspektivisch getragene Decke (vgl. Hospitalkirche Wetzlar) zieren zwei stuckierte Plafonds, gemalte ovale Spiegel (u.a. mit einem Engel und einer Darstellung des Sündenfalls) sowie runde Spiegel mit plastischem Weinlaub und abgehängten Rebendolden. Die stark aus dem Lot gewichene Südwand mit dem spitzbogigen Eingang sowie ein Wandabsatz in der Westwand etwa in Emporenbrüstungshöhe deuten darauf hin, dass im größeren Westteil der Kirche Reste eines mittelalterlichen Vorgängerbaus, vermutlich im Umbau von 1712, erhalten sind. Da die Glocke aus dieser Kirche 1712 für den heute noch vorhandenen Dachreiter zu groß war, könnte zuvor ein separater Turm angebaut gewesen sein. Eine Wandvorlage an der Nordwand (Wandstärke im unteren Bereich um 100 cm, im oberen um 72 cm) und die Deckenkonstruktion weisen auf die nachträgliche Erweiterung des 1712 umgebauten Raumes um den kleineren Ostteil (Wandstärke um 60 cm) hin. Eine gemalte Deesis mit Inschrift an der Ostwand über dem Fenster hinter der Orgel datiert diese Erweiterung vermutlich: „DOMVS RENOVATA / ANNO CHRISTI DIE 16. / SEPTEMBER 1775 / SVB PASTORATV... / CHRISTIANI PAVLI COLERI / G . W . D [r ?]". Mittelalterliche Ausstattung hat sich nicht erhalten; 1909 bat Pfarrer Schüßler als Abschiedsgabe um 12 bemalte Figuren (wohl Holzplastiken) auf dem Kirchendachboden, vielleicht Apostel aus einem mittelalterlichen Altarschrein (vgl. Naunheim). Auf die nachträgliche Erweiterung der Kirche deuten auch die den Raum stark dominierenden Emporen an der West- und Nordseite: Die Nordempore bricht im Bereich der Wandvorlage mit einem Ständer ab, der die Bezeichnung „GEABE PFARR 1712" trägt (Georg Eberhard Abeckern war zwischen 1704 und 1741 Pfarrer in Blasbach). Über einen weiteren, daran anschließenden Ständer ist die Empore nach Osten zur Orgel hin erweitert. Das am Gehäuse auf „1851" datierte Instrument wurde auf Initiative von Pfarrer Karl Philipp Friedrich Molly gebraucht angekauft und von Friedrich Ziese in die nach Osten erweiterte Empore integriert. 1962 wurde ein neues, seitenspieliges Werk von Förster & Nicolaus in Lich in das alte Gehäuse eingebaut. Unter der 1962 etwas in den Raum vorgezogenen Orgel befinden sich auf der Südseite eine kleine Sakristei und der Altartisch. Die schlanke, schlichte Kanzel mit Fuß und Schalldeckel stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bzw. aus der Bauzeit der Orgel; der Aufgang von Osten wurde mit einer Holzvergitterung zu einer Prieche erweitert. Der zierliche, als achteckige Säule gebildete Tauftisch ist bezeichnet „1611 den 27 julius"; in einer Mulde des Tisches steht ein Taufgeschirr aus Feinzinn von C.G.Gerlach aus der Zeit wohl nach der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die einheitlich barocke Farbfassung von 1962 der in den Proportionen durchaus harmonischen Ausstattung lässt den kleinen Raum als geschlossenes Ensemble wirken, verdeckt aber die unterschiedliche Zeitstellung der einzelnen Ausstattungsstücke. 1717 war die erhaltene alte, zu große Glocke durch die Gießerei Rinker in eine kleinere für den neuen Dachreiter umgegossen worden; 1730 waren zwei Glocken vorhanden, die später fehlten. 1767 wurde eine der beiden heutigen Glocken angekauft; sie trägt die Inschrift: „In Gottes Namen floß ich / Jakob Hunschel goß mich". Die zweite Glocke gelangte 1805 nach Blasbach: „Ich nehme Deil an Freud und Leid / und rufe Euch zur Seligkeit. / Rinker von Leun goß mich 1803". Die Glocke wurde im Ersten Weltkrieg abgeliefert und 1922 ersetzt: „Den fürs Vaterland Gefallenen: / Ich gab mein Erz. Sie gaben ihr Herz. / Geh'' himmelwärts. / W.Rinker goß mich AD 1922"; 1940 wurde auch e abgegeben und 1949 mit gleicher Inschrift erneuert.


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