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Bergstraße
Bensheim
Schönberg
  • Alter Schloßweg 15
  • Am Schloßpark 3
  • Am Schloßpark 15
  • Lustgarten
  • Nibelungenstraße 170
Schloss Schönberg
Flur: 2
Flurstück: 60/1, 61/136, 61/152, 61/163, 61/164

Auf einem an drei Seiten abfallenden Bergsporn über dem Tal der Lauter platzierte Burg- bzw. Schlossanlage. Als "Schloß Schonenberg" erstmalig erwähnt in einer Urkunde von 1303, jedoch sicherlich seit der ersten Hälfte des 13. Jhs. bestehend und als pfälzisches Lehen im Besitz der Schenken von Erbach. Die ersten Gebäude müssen sich schon an Stelle der heutigen Bauten befunden haben, sie hatten wehrhafteren Charakter und waren zur nördlichen Hauptangriffsseite durch eine Schildmauer mit Türmen (einer noch vorhanden) und, bis ins frühe 17. Jh., durch einen Halsgraben geschützt. 1504 wurde das Schloss im Verlauf der bayerischen Fehde durch den Landgrafen Wilhelm von Hessen schwer in Mitleidenschaft gezogen, nach Erhebung der Erbacher in den Stand der Grafenwürde im Jahr 1532 kam es in den folgenden Jahrzehnten jedoch zu einer regen Neubautätigkeit. Das vorhandene Palasgebäude dürfte jetzt ausgebaut und erweitert worden sein, außerdem entstanden diverse Baulichkeiten südlich sowie nördlich ein Pforten- und ein Kelterhaus, die 1613 zum heute noch vorhandenen Nordflügel ("Alter Bau") erweitert wurden. Ein erneuter Ausbau des Herrenhauses zur heutigen Größe erfolgte bis 1616. Für die Jahre 1670-77 ist weitere Bautätigkeit dokumentiert, in dieser Zeit wurde auch mit der Anlage des Gartens nördlich des Schlosses begonnen. 1717 kam es zur Teilung des Erbacher Grafenhauses und Schloss Schönberg wurde Sitz der nach ihm benannten Linie. Unter Graf Georg August von Erbach-Schönberg wurde um 1728/29 erneut aufwändig gebaut, wobei im südwestlichen Bereich der Anlage die Bauten des Marstalls und der Kaplanei nach Plänen des Zimmermeisters Nikolaus Stauder (Windecken) entstanden. Im Herrenhaus wurden aufwändige Stuck- und Freskoarbeiten durch Eberhard Hoffmann aus Bensheim ausgeführt. Im 19. Jh., vor allem um 1840/50, erfolgten gravierende Umgestaltungen an Herrenhaus und Nordflügel sowie im Schlosshof, wo die östliche Terrasse hergerichtet wurde. Auch wurde nun der im 18. Jh. erweiterte Barockgarten zum Landschaftspark umgestaltet. 1902 entstand als letzte größere bauliche Zutat noch der Pavillon an der Terrasse, dessen Schöpfer der Bensheimer Architekt Heinrich Metzendorf war.

1956 wurde das altehrwürdige Schloss der 1903 in den Fürstenstand erhobenen Schönberger Linie an die Ruhrknappschaft in Bochum verkauft und zu einem Erholungsheim ausgebaut. Das Herrenhaus erhielt an seiner Westseite ein zusätzliches Treppenhaus, außerdem wurde das Satteldach des südwestlichen Marstalls durch eine Terrasse ersetzt. 1962 erhielt die Außenfassade des Nordflügels eine Pseudo-Renaissancemalerei. Von 1992 bis 1995 erfolgten eine grundlegende Sanierung und der Umbau in ein Schulungszentum, wobei v. a. der Marstalltrakt aufgestockt wurde.

Das Ensemble des Schönberger Schlosses besteht aus überwiegend verputzten Bauten aus Bruchsteinmauerwerk, zurückhaltend gegliedert durch Werkstücke aus rotem und gelbem Sandstein. Die Dächer sind mit Biberschwanzziegel gedeckt, nur die spitzen Turmhelme sind verschiefert. Zentrum der Anlage ist das langgestreckte Herrenhaus, das sich zweigeschossig über egalisierendem Kellergeschoss erhebt. Der wohl in drei Phasen entstandene Bau zeigt im Grundriss einen leichten Winkel, in dem hofseitig der runde Erschließungsturm eingepasst ist. Der Bau weist zehn Fensterachsen auf, im von Treppengiebeln gerahmten Satteldach befinden sich östlich sechs große Zwerchhäuser, westlich fünf kleine Satteldachgaupen. Dem rundbogigen, im 19. Jh. neu gestalteten Portal im Turm ist eine Freitreppe vorgelagert, der polygonal gebrochene Turmaufsatz mit seiner gotisierenden Gliederung und dem Spitzhelm ist eine Ergänzung des 19. Jhs.

Das Innere zeigt einen tonnengewölbten, von zwei älteren Mauern unterteilten Keller, die oberen Geschosse werden über die steinerne Wendeltreppe des Turmes erschlossen. Im Erdgeschoss nördlich der große Saal ("Weißer Saal") mit Längsunterzug und den flachen Stukkaturen des E. Hoffmann, außerdem in den Ecken die Wappen Erbach-Schönberg und Stolberg-Gedern. Wie im gesamten Schloss an den Wänden Ahnenporträts, zur Beleuchtung Kristalllüster (wohl 18. Jh.) sowie ein heute weiß gekalkter Terrakottaofen (17. Jh.). Ein ebenfalls aufwändig stuckierter Raum schließt sich noch nordöstlich an den Saal an, die übrigen Räume des Herrenhauses sind durch die Umnutzung der letzten Jahrzehnte verändert.

Ein jüngerer Brückenbau verbindet das Herrenhaus mit dem Alten Bau, der niedriger ist, aber ebenfalls zwei Geschosse sowie ein Satteldach mit Treppengiebel aufweist. Im Dach befinden sich beidseitig jeweils drei Zwerchhäuser, im östlichen, wohl bereits um 1540 entstandenen älteren Teil liegt die bogig geschlossene Tordurchfahrt. Das Portal wird außen im Erdgeschoss von kielbogig geschlossenen Fenstern gerahmt, über dem Portal Wappenkartusche mit der Jahreszahl 1624, ein zeitlicher Hinweis auf eine Aufstockung und Erweiterung des Gebäudes. Dieses sonst regelmäßig durch gekuppelte Fenster mit gekehlten Sandsteingewänden gegliedert, hofseitig zwei schöne Renaissanceportale mit Oberlichtern. Das östliche bezeichnet 1613, das westliche vermauert, jedoch mit Allianzwappen Erbach-Stolberg-Gedern von 1729.

Das Innere des Alten Baues mehrfach umgebaut. Massive, einmal gewendete Treppe, die Zimmer nördlich des Erschließungsflures. Bemerkenswert das sogenannte Luisenzimmer mit einer Einrichtung aus der Empirezeit und einer aufwendig bemalten pompejanischen Tapete aus der Zeit um 1780.

Westlich an den Alten Bau schließt ein alter, nach Norden vortretender, ebenfalls mit polygonalem Aufsatz und Spitzhelm des 19. Jhs. versehener viergeschossiger Wehrturm ("Silberturm") an sowie der über unregelmäßigem Grundriss sich zweigeschossig erhebende Küchenbau. Dessen Erdgeschoss nimmt ein großer Raum mit Kreuzgratgewölben auf zwei Rundpfeilern ein. Diesem Baukörper ist nach Norden ein eingeschossiger Remisenbau des 19. Jhs. sowie ein modernes Wirtschaftsgebäude vorgelagert. Im stumpfen Winkel nach Süden schließt ein weiterer Trakt an den Küchenbau an. Er leitet zu dem ehemaligen, die Südwestecke bildenden Marstall über, der nach außen durch liegende Ovalöffnungen kenntlich ist und heute, nach der Erhöhung, wieder mit einem Dach versehen ist. Im Innern Kreuzgratgewölbe auf gefasten Stützen. Der Marstall wurde zeitweilig für Gottesdienste genutzt.

Die Südostecke wird vom barocken Kaplaneigebäude beherrscht, ein zweigeschossiger Winkelbau mit hohem Mansarddach, der in seinem heutigen Erscheinungsbild aus den Jahren 1728/29 stammt. Er hat einen sechs Meter tiefen Keller, in den ein rundbogiges Portal mit der Datierung 1545 führt. Zu beiden Seiten des Kellerportals zwei Portale der Barockzeit, das östliche mit dem Allianzwappen Erbach-Schönberg und Stolberg-Gedern. Das Obergeschoss des Kaplaneibaues ist in Fachwerk ausgeführt, er ist durch regelmäßige Fensterachsen gegliedert. Im Mansardgeschoss tragen die Fenster Giebelverdachungen.

Zur Terrasse vermittelt der Metzendorfsche Pavillon, ein eingeschossiger, durch hölzerne Arkaden geöffneter Bau auf Sandsteinsockel. Als Abschluss ein kleines Mansarddach. Die Terrasse zieht sich über die ganze Ostseite des Plateaus. Sie wird von einem schlichten klassizistischen Eisengeländer zwischen Sandsteinpfosten (Mitte 19. Jh.) begrenzt.

Nördlich des Schlosses, jenseits des Vorhofes, gelangt man über eine Freitreppe und durch ein kunstvoll geschmiedetes, zweiflügeliges Tor in den Schlossgarten, der eine Kombination aus barockem Gartenparterre und englischem Landschaftspark darstellt. Der südliche sowie der nordöstliche Teil sind malerisch von gewundenen Wegen durchzogen und mit seltenen Bäumen bepflanzt, während das dazwischen liegende, künstlich geschaffene Parterre eine weitgehend viereckige Rasenfläche aufweist, die von gradlinigen Lindenalleen gesäumt wird.

Der zum Schloss hin gelegene Teil, in dem auch eine von der englischen Königin Viktoria gepflanzte Linde steht, ist mit diversen bildhauerischen Arbeiten ausgestattet. Dazu gehört ein klassizistisches Denkmal in Form einer kannelierten Säule mit Urnenaufsatz, die am Rande eines kleinen Teiches steht und die Inschrift "Den besten Eltern 1794" trägt. Im Teich selbst sitzt eine Wassernixe aus Sandstein von Walter Bareis (1942), nicht weit entfernt vom Teich die Marmorfigur eines Fischerknaben auf einem Delphin, den Graf Gustav 1868 in Florenz erworben haben soll. Er stammt von dem Bildhauer Pio Fedi. Bestandteil des Parks ist auch eine Bank aus Zement mit aus Greifen gebildeten Wangen sowie das nachgeschaffene Sandsteindenkmal des Verräters von 1942 (ebenfalls W. Bareis). Am Westrand dieses Parkteils steht noch das Gärtnerhaus (Am Schlosspark 3), ein eingeschossiges, schmuckloses Gebäude mit gaupenbesetztem Satteldach. Der 1907 entstandene Putzbau besitzt noch seine originale hölzerne Eingangstür.

Im hinteren, mit einem Wäldchen bestandenen Teil des Parks stand bis in die vierziger Jahre hinein auch noch eine Eremitage, ein Rindenhäuschen wie im Fürstenlager, das jedoch den Kriegsereignissen zum Opfer fiel.

Die Schönberger Schlossanlage ist markanter Bezugspunkt im Vorderen Odenwald bzw. im westlichen Lautertal. Als ehemaliger Sitz des Grafen und späteren Fürsten von Erbach- Schönberg ist es für die Region von großer historischer Bedeutung, die Gebäude und ihr Umfeld sind darüber hinaus als bau- und kunstgeschichtlich wertvolle Zeugnisse interessant für die wissenschaftliche Erforschung, zumal das als Quelle dienende Gesamtarchiv des Erbacher Hauses im letzten Krieg verloren gegangen ist.


Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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