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Bergstraße
Heppenheim
  • Amtsgasse, Bensheimer Weg, Bogengasse, Bosengasse...
Gesamtanlage Altstadtkern mit Unterer und Oberer Vorstadt und Schlossberg

Amtsgasse

Bensheimer Weg 1

Bogengasse

Bosengasse

Friedrichstraße 2 - 12 (Südseite), 5 - 11 (Nordseite)

Graben 1 - 13, 17 (Westseite), 2 - 20 (Ostseite)

Gräffstraße 1 - 7 (Nordseite)

Großer Markt

Hinterer Graben

Johannisgasse

Kellereigasse

Kirchengasse

Kirchgang

Kleine Bach

Kleiner Markt

Laudenbacher Tor 1 - 5 (Westseite), 2 - 4 (Ostseite)

Lehrstraße 1 - 9 (Nordseite)

Liesengasse

Lindenfelser Weg 1

Marktstraße

Rodensteiner Gasse

Schulgasse

Schunkengasse

Siegfriedstraße 1 - 155 (Südseite), 2 - 172 (Nordseite)

Starkenburgweg 1 - 15A (Ostseite), 2 - 16 (Westseite)

Werlestraße 1, 2

Wormser Tor

Würzburger Tor

Die Gesamtanlage umschließt einen großräumigen innerstädtischen Bereich Heppenheims, der sich aus drei Teilen mit unterschiedlicher historischer Entwicklung zusammensetzt: der ursprünglich von einer Mauer aus der Zeit um 1400 vollständig umringte Altstadtkern sowie die westlich und nördlich sich angliedernde Untere Vorstadt und die östlich daran anschließende Obere Vorstadt.

Der Altstadtkern entwickelte sich wahrscheinlich aus einer fränkischen Fliehburganlage, die in erhöhter Lage auf einem vorgelagerten Hügel des Odenwaldes zwischen Wohnbauten und Basilika einen schmalen Schutzraum im Bereich des heutigen Großen Marktes bot. Durch Ansiedlung von Bauern und Handwerkern vor allem am Nordhang des Hügels kam es wohl im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen mit Adalbert von Bremen um 1066 zum Bau einer erweiterten Befestigungsmauer und möglicherweise sogar zu einem dritten Mauerzug, der ebenfalls nördlich nach 1300 erbaut worden sein könnte. Nach dem verheerenden Stadtbrand von 1369 wurde die letzte Stadtmauer errichtet, deren Verlauf aufgrund von Parzellenstrukturen und erhaltenen Resten bis heute weitgehend nachvollziehbar ist.

Den Kern dieser ehemals vollständig ummauerten Stadt bildet bis heute der Große Markt mit seiner barocken Brunnenanlage. Die Wände dieses öffentlichen Platzes werden fast ausschließlich von Fachwerkgebäuden gebildet, die bedeutendsten sind das südöstlich gelegene Rathaus sowie die diametral gegenüber positionierte ehemalige Liebig-Apotheke. In letzterer befand sich einst der Gasthof "Goldene Rose", noch heute vorhanden sind die Gasthöfe "Goldener Engel" und "Schwan". Der "Darmstädter Hof", der sich im Haus Großer Markt 4 befand, wird nicht mehr bewirtschaftet. Auch durch die Ansammlung dieser historischen Gasthöfe wird die Bedeutung des Marktplatzes deutlich. Einzige Störung in diesem für Südhessen einmaligen Fachwerkensemble bildet das so genannte "Haus Nack" (Großer Markt 9), das als Ersatz für zwei abgebrannte Fachwerkhäuser in den Jahren 1892/93 errichtet wurde. Es war die Forderung des damaligen Kreisdirektors Grancy, einen Massivbau und keinen Fachwerkbau an diese Stelle zu setzen, ein städtebaulicher Fehlgriff, wie man wenige Jahrzehnte später befand. Heute ist der historistische Ziegelbau integraler Bestandteil des überlieferten Platzbildes und selbst architektonisches Zeugnis einer untergegangenen Epoche.

Vom Großen Markt gehen strahlenförmig acht Gassen aus: Die Schunkengasse, benannt nach dem geachteten Heppenheimer Bürger und Mitbegründer der örtlichen Sparkasse Leonhard Schunk, führt fast geradlinig zum östlichen Stadtausgang, wo sich einst das Odenwälder bzw. Würzburger Tor befand. Entlang dieser Gasse reihen sich bedeutende, teilweise bis ins frühe 17. Jh. zurückreichende Fachwerkbauten, hier befindet sich auch das ehemalige Pfarrhaus (Nr. 9), das so hoch gebaut wurde, dass der Geistliche vom rückwärtigen Obergeschoss unmittelbar auf den Kirchenvorplatz treten konnte. Wegen des 1894 errichteten Benefiziatenhauses wurde das alte Pfarrhaus an seinem südlichen Ende gekürzt. Von der Schunkengasse führt gegenüber der Einmündung der Liesengasse ein langer Treppenaufgang zur Pfarrkirche St. Peter, an seinem oberen Ende mündet der alte, heute nicht mehr benutzte Kirchweg der ehemaligen Filialdörfer Kirschhausen, Sonderbach und Wald-Erlenbach, der unmittelbar beim Würzburger Tor hinter der Kreuzung Hinterer Graben/ Schunkengasse begann. Ein älteres Würzburger Tor soll sich am Fuße der langen Kirchentreppe befunden haben.

Annähernd parallel zur Schunkengasse führt weiter südlich die Kirchengasse vom Großen Markt zur neugotischen Peterskirche. Auch hier reihen sich wertvolle Fachwerkbauten, hingewiesen sei auf das Haus Kirchengasse 6/8, das als ältestes Schulhaus der Stadt gilt. Auch die nördlich der Kirche stehenden Häuser haben zeitweilig als Schulen gedient. Vom einstigen Kirchhof um die alte Pfarrkirche ist bis auf das an die hier begrabenen Geistlichen erinnernde Mackardkreuz keine Spur mehr vorhanden. Auch wurde beim Bau des "Bergsträßer Domes" die vor dem Hinteren Graben verlaufende Stadtmauer niedergelegt und teilweise überbaut, die heutige Einfriedungsmauer ist jünger. Den Verlauf der Stadtmauer an dieser Stelle kann man jedoch an einem Teilstück zwischen Rathaus und Laudenbacher Tor 3/ 5 bzw. in der Südwand des Marienhauses ausmachen. Dieses Mauerstück wird von der Straße Laudenbacher Tor durchbrochen, die alte, nach Süden durch das gleichnamige Tor führende Ausfallstraße der Stadt. Ein noch älteres Laudenbacher Tor wird an der nicht mehr bestehenden Gasse zwischen Rathaus und "Goldener Engel" vermutet, wobei ein Pfeiler im hinteren Keller des Gasthauses als Teil eines Torturmes interpretiert wird.

Vorbei an dem stattlichen Fachwerkanwesen Nr. 2 führt die Kellereigasse nach Westen zum herrschaftlichen Wohnsitz des Amtskellers, der heute in das alte Landratsamtsgebäude eingebunden ist. Die Gasse endete stumpf an der Stadtmauer, der Durchbruch zum aufgeschütteten Graben erfolgte erst im 19. Jh. Im oberen Teil, an der Südseite der Kellereigasse, befand sich im so genannten "Siebenbürger Hof", der aus drei Wohnhäusern bestand, bis 1940 eines der ältesten Heppenheimer Fachwerkhäuser. Es handelte sich um das so genannte "Tanzhaus", das noch in alter Geschossbauweise konstruiert war, d. h. die senkrechten Hölzer der Giebelwände und auch eine Mittelsäule liefen bis in den First durch. An Stelle dieses einzigartigen, nur noch im Modell erhaltenen Hauses sowie der benachbarten Gebäude wurde 1955 der von Kreisoberbaurat Georg Schäfer konzipierte Erweiterungsbau des Landratsamtes errichtet. Die recht große Baumasse ist nicht ungeschickt in das historische Altstadtensemble eingefügt. Die Nordseite der Kellereigasse zeigt eine geschlossene Reihung traufständiger Häuser, wobei Fachwerbauten mit modernisierten, verputzten Häusern vermischt stehen.

Vom Großen Markt nach Westen führt auch die Schulgasse, die ihren Namen von der erst 1825 im Palais des Freiherrn von und zu der Hees eingerichteten Stadtschule bekommen hat. Dieser mehrfach erweiterte, leicht erhöht stehende Komplex befindet sich an der Stelle, wo die fränkische Wohnburg vermutet wird und wo nach 773 die Lorscher Klostervogtei (später Heppenheimer Kollektur) eingerichtet wurde. Der Bereich um die heutige Schlossschule wird deshalb von Ortskundigen auch "Faut''sches bzw. Faules Viertel" (von "Faut" = Vogt) genannt. Unter der Schule befinden sich große Gewölbekeller und Gänge, die noch Hinweise auf die alten Vorgängerbauten geben können. Die Schulgasse verzweigt sich in ihrem hinteren Abschnitt beidseitig und endet westlich in einem kleinen, fast völlig geschlossenen Platz. Das nach Süden leicht abfallende Gassenteilstück mit dem alten Kopfsteinpflaster ist von bescheidenen, meist traufständigen Ackerbürgerhäusern gesäumt, eine städtebaulich hervorragende Position nimmt das hohe Fachwerkeckgebäude Schulgasse 14 ein. Im Keller des Hauses Schulgasse 8 befindet sich in einem Sandstein des Kelleraufganges eine rätselhafte Ritzzeichnung, die Hinweis darauf gibt, dass der Keller älter als das darüber stehende Wohnhaus ist. Noch mittelalterliche Bausubstanz fand sich in dem stark umgebauten, 1992 abgebrochenen Fachwerkwohnhaus Schulgasse 22, das sich im Zuge einer Bauforschung als zweigeschossiger Ständerbau des frühen 15. Jhs. entpuppte. Das daneben stehende Haus Nr. 24 ist ein interessanter historisierender Fachwerkbau von 1937, daran anschließend folgte das so genannte "Vorhallenhaus", dessen Hauptbaukörper ein Vorbau auf Ständern vorgelagert war. Die dadurch entstandene "Vorhalle" diente einem Schmied als überdachter Arbeitsplatz. Das aus dem späten 17. Jh. stammende Haus wurde 1992 abgebrochen und durch einen Massivbau ersetzt, die charakteristische Vorhalle mit den Andreaskreuzen in den Brüstungsgefachen und dem Satteldachgiebel wurde jedoch wieder aufgebaut. Für den kleinen Platz der westlichen Schulgasse bestimmend ist auch das dreigeschossige Fachwerkwohnhaus Schulgasse 3 sowie das ihm gegenüberliegende, aus der Restsubstanz einer Massivscheune entstandene Wohnhaus Nr. 28. Unter diesem Gebäude befindet sich ebenfalls ein alter Gewölbekeller. Zur Bogengasse führt ein schmaler Durchlass in dem das nördliche Ende des Platzes beherrschenden Haus Nr. 30. Vor allem die westlichen und südlichen Abschnitte der Schulgasse vermitteln durch ihre Kleinteiligkeit noch einen Eindruck von den beengten Wohnverhältnissen der mittelalterlichen Stadt. In der Bausubstanz dieses inneren Kernbereichs von Heppenheim wird damit Geschichtlichkeit besonders intensiv erlebbar.

Die Marktstraße ist wohl die bedeutendste Altstadtgasse Heppenheims. Sie verbindet heute, in einem leichten Bogen abwärts führend, den Großen Markt mit der Geschäftsstraße der Unteren Vorstadt, früher führte sie zum etwas nördlicher gelegenen Kleinen Markt. Gesäumt ist diese die Bogengasse kreuzende Straße von bedeutenden Fachwerkwohnhäusern, die, teilweise errichtet über mittelalterlichen Kellergewölben, vor allem aus der Renaissance stammen. Das besterhaltene Beispiel dafür ist das Haus Marktstraße 12, das im Innern schöne Wandmalereireste birgt. Ein bemerkenswertes Brüstungsbrett mit drei kreisrunden Gesichtern (Mond, Sonne, Wind?) von 1596, das zu einer Dreifenstergruppe des Hauses Nr. 16 gehörte, hat sich im Städtischen Museum erhalten. Hochrangige Kulturdenkmäler sind auch die Häuser Marktstraße 2 sowie 8-10, aber auch weniger bedeutende Gebäude wie das Fachwerkhaus Nr. 4 aus dem späten 19. Jh. oder das stark erneuerte Haus Nr. 9 mit der interessanten Eckquaderung des Sockels sind unverzichtbare Bestandteile des historischen Straßenensembles. Das platzartig erweiterte westliche Ende der Marktstraße mit dem erst in den Zwanziger Jahren entstandenen Durchbruch des Wormser Tores geht auf einen Stauweiher zurück, der zwischen einem äußeren und inneren Tor lag und zur Befüllung des äußeren Stadtgrabens diente. An dieser Stelle konnte auch ungefährdet eine Mühle, die 1970 abgebrochene Stadtmühle, betrieben werden. Die kreuzende Bogengasse, die noch heute stumpf auf die Reste der Stadtmauer stößt und dann rechtwinklig zur Marktstraße zurückführt, weist vor allem in ihrem westlichen Teilstück wertvolle historische Bausubstanz auf, wobei hier an erster Stelle der zur Marktstraße hin sichtbare so genannte "Mönchturm" zu nennen ist, aber auch die am Straßenwinkel sich gruppierenden Häuser und Scheunen bilden ein stadtgeschichtlich interessantes, malerisches Ensemble.

Vom Großen Markt hangabwärts zum ehemaligen Kurmainzer Amtshof führt die Amtsgasse. Sie wird in ihrem oberen Abschnitt von bescheidenen, meist giebelständigen Wohnhäusern gesäumt, eine gravierende Störung bildet der Flachdachbau vor dem Haus Nr. 2. Am nördlichen Ende gruppieren sich östlich die Monumentalbauten des Amtshofes, ihm gegenüber das bedeutende Gebäudeensemble Amtsgasse 8-10. Das Fachwerkwohnhaus Nr. 8 hatte zwei Schauseiten, der Südgiebel zeigte zu einer heute verschwundenen Gasse. An Stelle des benachbarten Parkplatzes befand sich einst der Burggrafengarten, zuletzt der städtische Faselhof.

Die enge Mühlgasse verläuft in einem flachen Bogen ebenfalls nach Norden zur Kleinen Bach. In ihrem oberen Bereich ist sie dicht bestanden mit wertvollen Fachwerkhäusern und - scheunen Heppenheimer Ackerbürger, hier befand sich auch eine Mühle, die jedoch nicht vom Erbach - wie oft behauptet -, sondern wahrscheinlich von einem Esel über ein Tretrad angetrieben wurde. Jenseits der Kreuzung mit der Bosengasse führt die Mühlgasse zwischen Amtshof und dem heute weitestgehend neu bebauten Gelände des Bosenhofes hindurch. Der Bosenhof, dessen Name sich von dem Adelsgeschlecht der Boos von Waldeck ableiten soll, war ein adliger Burgmannensitz mit Wirtschaftsgebäuden, der im Dreißigjährigen Krieg erheblichen Schaden genommen hatte und in der folgenden Zeit völlig verändert und umgenutzt worden war (Zehntscheune, Forstamt). Die Bosengasse ist eine Parallelgasse zur Schunkengasse und zur Kleinen Bach und führt von der Amtsgasse zum Hinteren Graben.

Die Kleine Bach ist die tiefstgelegene Altstadtgasse, in ihrem Verlauf floss ursprünglich der alte Stadtbach bevor die letzte Stadtmauer errichtet wurde. Mit dem Bau der Mauer wurde der Bach nach Norden, an die heutige Siegfriedstraße verlegt, das alte Bachbett wurde bis auf ein kleines Rinnsaal, das den Stauweiher am Ende der Marktstraße speiste, zur Gasse. Entlang dieser Gasse entstanden spätestens ab dem 15. Jh. Wohnhäuser. Reste dieser mittelalterlichen Bebauung haben sich bis in unsere Zeit erhalten, vor allem auf der Südseite, nördlich wurden Teile davon nach Ab- und Wiederaufbau in den Neubaukomplex eines Hotels integriert. Neben den Einzeldenkmälern Kleine Bach 12 und 14 gehört auch das Haus Nr. 16 dazu, ein schlichter, weitgehend rekonstruierter Fachwerkbau von 1526. Er weist einen starken Geschossüberstand nach Osten auf. Kurze, parallel geführte Verbindungsgassen zwischen Marktstraße und Kleine Bach bilden die Johannes- und die Rodensteiner Gasse (früher Pariser oder Alte Gasse). Die schlichten, im Erdgeschoss oft massiv erneuerten Fachwerkhäuser sind meist traufständig angeordnet, bauhistorisch von besonderer Bedeutung ist das Haus Rodensteiner Gasse 11, das um 1480 entstanden ist.

Ein bedeutender Verkehrsknoten und Angelpunkt der Stadt war einst der Kleine Markt. Noch heute in großen Teilen von Fachwerkbauten umstanden, kreuzte sich hier die alte "strata montana", die bedeutende Nord-Süd-Route, mit der alten West-Ost-Strecke vom Rhein in den Odenwald (Siegfriedstraße). Hier war der wichtigste Ausgang aus der ummauerten Stadt, hier versammelte man sich bis vor wenigen Jahrzehnten regelmäßig zu den überregional bedeutenden Wallfahrten nach Walldürn. Ein heute an dem neu entstandenen Platz der alten Stadtmühle positionierter Bildstock mit dem Walldürner Blutbild, geschaffen 1729, erinnert an diese Tradition. Auf dem Kleinen Markt, dessen Funktion als Platz heute wegen des durchflutenden Straßenverkehrs kaum noch erkennbar ist, stand - ähnlich wie auf dem Großen Markt - ein Marienbrunnen. Vermutlich stammt die Marienfigur des Bildstockes von jenem Brunnen.

Der Kleine Markt vermittelte auch zu der sich entwickelnde Unteren Vorstadt. Die nach Westen führende, noch heute an ihrer Nordseite mit Fachwerkhäusern vor allem des 18. Jhs. bestandene Lehrstraße war die Straße der Lohgerber, die ebenfalls nach Westen bis zum 1966 abgerissenen Thurn- und Taxis''schen Posthof führende Friedrichstraße, wegen des bis in die Mitte des 19. Jhs. offenen Bachlaufes auch Bachgasse genannt, wurde zur wichtigsten Geschäftsstraße, nachdem sich zunächst Ackerbürger, dann aber auch Gewerbetreibende und Händler angesiedelt hatten. Vom früheren Erscheinungsbild der Straße zeugen in ihrem oberen Abschnitt noch heute die alten Rodensteiner Höfe sowie zwei erhaltene Fachwerkfassaden, die historische westliche Bebauung ging leider durch ein Großfeuer im Jahr 1887 und durch Abrisse in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts bis auf geringe Reste verloren.

Eine Bebauung mit landwirtschaftlichen Gehöften erfolgte zu Beginn des 19. Jhs. auch am aufgeschütteten Stadtgraben, der - heute eine breite, mit Platanen bepflanzte Schneise bildend - das Altstadtensemble im Westen begrenzt. Während an der Ostzeile des Grabens noch Fachwerk des 19. Jhs. dominiert, ist die Westzeile durch eine aufgelockerte, gemischte Bebauung der Jahrhundertwende, mit massiv errichteten Wohnhäusern und schlichten Gebäuden von Kleinbetrieben, geprägt. Der Graben stößt im Süden an die Gräffstraße, welche mit Merianstraße bzw. Hinterer Graben die Südgrenze der Gesamtanlage bildet. An der Einmündung der Straße Laudenbacher Tor zeigt auch sie noch die charakteristische Bebauung mit zwei ehemaligen Fachwerkhofanlagen des frühen 19. Jhs.

Ein bedeutendes Fachwerkensemble begrenzt die Gesamtanlage auch im Norden, wo der Starkenburgweg bogenförmig in den Kleinen Markt einmündet. Entlang des gepflasterten Starkenburgweges, der im Verlauf der alten strata montana sowohl in Richtung Bensheim aus der Stadt herausführt als auch die Möglichkeit bietet, zur Höhenburg zu gelangen, reihen sich stattliche Gebäude, wovon die Hofanlage Nr. 2 mit dem schönen Torbogen die repräsentativste ist. Die unregelmäßige Bebauung nordöstlich des Kleinen Marktes schmiegt sich malerisch an den Fuß des Schlossberges und leitet elegant in die Bebauung der engen Talstraße über. Bis ungefähr in Höhe der Liesengasse reicht diese in großen Zügen noch geschlossene Häuserzeile der Unteren Vorstadt, deren Parzellen zwischen Siegfriedstraße und Eisenpfad eingespannt sind. Die bescheidenen ein- bzw. zweigeschossigen Häuser gegenüber dem modernen Altstadthotel bzw. den Resten der Stadtmauer ("Sickinger Tor") sind meist giebelständig und wurden in Fachwerk errichtet. Für das Erscheinungsbild der Vorstadtstraße und als Zeugnisse einer weitgehend einheitlichen Vorstadtbebauung sind diese Wohnbauten von siedlungsgeschichtlichem Wert. Dies gilt ebenso für die Gebäude der übergangslos sich anschließenden Oberen Vorstadt, die in viel stärkerem Maße von der engen Tallage zwischen dem Schlossberg mit der dominanten Starkenburg und dem Maiberg bestimmt wird. Hier bildet der heute ausgetrocknete Mühlgraben mit seinen alten, in die Weinberge führenden Stegen, weiter östlich der Steilhang des Drosselberges die nördliche Begrenzung, auf der Südseite ist es der Steilhang des Maiberges. Die historisch interessante Bebauung zieht sich beidseitig der Siegfriedstraße eine lange Strecke bis in den Bereich der ehemaligen Schleifmühle hin, bestehend vor allem aus bescheidenen ein- oder zweigeschossigen Wohnhäusern, aber auch durchmischt von repräsentativen Fachwerkbauten wie den Häusern Nr. 72/74 (heute verputzt), 86 oder der sogenannten "Schindersburg", ein Mühlengebäude von 1577. Der ehemals fast rein landwirtschaftliche Charakter der Vorstadtsiedlung ist am Gebäudebestand noch deutlich ablesbar, wenn auch durch die Ansiedlung von Kleinindustrie im Bereich Siegfriedstraße 124 bereits im 19. Jh. dramatische Einbrüche erfolgten. Auch wurden zur Beseitigung eines Straßenengpasses in den Fünfziger Jahren einige bauhistorisch wertvolle Fachwerkhäuser abgebrochen, darunter ein Firstständerbau des 15. Jhs. Einen Eindruck von der ackerbürgerlichen Lebenswelt erhält man noch heute im Bereich der Häuser Siegfriedstraße 86-92, die seitlich der Durchgangsstraße einen intimen, geschlossenen Hof aus Wohnhäuser und Scheunen bzw. kleinen Stallbauten bilden. Welche Bedeutung der einst offen die Straße begleitende Stadtbach hatte, wird an den erhaltenen Tränken deutlich. Der Eintritt des Baches in den teilweise unter den Häusern hindurchführenden Kanal ist durch eine alte Bogenbrücke mit Sandsteineinfassung zwischen den Häusern 149 und 153 markiert, hier endet auch die als Gesamtanlage ausgewiesene Vorstadt.

Die Heppenheimer Kernaltstadt und die beiden Siedlungsbereiche Untere und Obere Vorstadt bilden trotz diverser Störungen noch ein städtebaulich und historisch miteinander verwachsenes Gesamtensemble von überregionaler Bedeutung, dessen Erhaltung trotz geradezu dramatischer Verkehrsbelastung gewährleistet werden muss.


Kulturdenkmal aus geschichtlichen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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