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Teil der Gesamtanlage:
Barockviertel
Imposante barocke Bautengruppe nordöstlich des Altstadt-Bereiches, in der Hauptsache bestehend aus dem mehrflügeligen Residenzschloss der Fürstäbte bzw. Fürstbischöfe, dem weiträumigen Schlossgarten und der in der Nordwestecke des Parks gelegenen Orangerie mit angebautem Stadtsaal (Pauluspromenade 2). Dieser Anlage gliedern sich weitere Funktionsbauten an, nordöstlich die ehemalige fürstliche Winterreitbahn mit Ställen und Remisen (heute Schlosstheater) sowie der Baukomplex des ehemaligen Futterspeichers (s. Schloßstraße 10,12,14) mit angebautem Gärtnerwohnhaus (s. Lindenstraße 2), südwestlich das markante Gebäude der Hauptwache (s. Bonifatiusplatz 2).
Eine erste Burganlage war bereits unter dem Abt Heinrich von Weilnau (1288-1313) entstanden, der - wohl in Folge der Aufteilung der Klostergüter zwischen Konvent und Abt - seine Residenz aus dem engeren Bereich des Benediktinerklosters weg auf das erhöht liegende, wohl bislang weitgehend unbebaut gebliebene Gelände am nordöstlichen Abschnitt der Stadtmauer verlegte. Die sogenannte „Neue Burg" muss am Ende seiner Regierungszeit benutzbar gewesen sein, unter dem Nachfolger Heinrich von Hohenberg (1315-53) wurde allerdings noch gebaut. Bei einem Bürgeraufstand im Jahr 1331 wurden Ringmauer und Bergfried zerstört, der den Bürgern auferlegte Wiederaufbau erfolgte bis 1335. Die Anlage setzte sich aus heterogenen Stein- und Fachwerkbauten zusammen und war mit Mauer und Graben gesichert. Südwestlich bestand eine ummauerte Vorburg, an der Nordostseite lagen Weinberge und ein Wildgehege. In dieser Form blieb die Abtsburg bis ins 17.Jh. bestehen.
Im Zuge der Gegenreformation und nach Rückgewinnung der kurzzeitig verlorenen Landesherrschaft unter Balthasar von Dernbach wurde unter dessen Nachfolger, Fürstabt Johann Friedrich von Schwalbach, zwischen 1607 und 1612 ein Neubau in den zeitgemäßen Formen der Renaissance errichtet. Als Baumeister wird Martin Winter genannt, der unter Verwendung alter Bausubstanz (Bergfried u.a.) eine dreigeschossige, unregelmäßige Vierflügelanlage um einen geschlossenen Innenhof schuf. Die zwischen zwei Türmen eingespannte Hauptfront dieser neuen Residenz war südwestlich orientiert und enthielt über der zentralen, in einem Risalit gelegenen Durchfahrt die Schloßkapelle. Der alte Burgturm erhielt einen oktogonalen Aufbau mit geschwungener Haube und Laterne. In Verbindung mit dieser repräsentativen Baumaßnahme muß auch die zwischen 1611 und 1614 erfolgte Anlage eines Lustgartens außerhalb der Stadtmauer gesehen werden (beim ehemaligen Judenfriedhof in der Rabanusstraße), der von einer hohen Mauer rechteckig umfriedet war und runde Ecktürmchen mit geschweiften Hauben besaß. 1659 entstand unter Joachim von Gravenegg noch ein kleiner „giardino segreto" nordwestlich der Residenz. Dieser mußte 1671/72 einem kleinen Flügelbau weichen, den Fürstabt Bernhard Gustav Markgraf von Baden-Durlach veranlaßt hatte. Bereits vier Jahre später wurde erneut an dem neuen Flügel gearbeitet - der Steinmetz Valentin Schellenberger lieferte Fenster- und Türgewände sowie ein Portal -, die endgültige Fertigstellung erfolgte jedoch erst 1681-85 unter Placidus von Droste durch Baumeister Matthias Hutter. Unmittelbar danach wurde auf der Nordseite des neuen Flügels das Gelände für die Anlage eines Terrassengartens aufgeschüttet, dessen Ausstattung mit Wasserspielen bis 1696 abgeschlossen war.
Nur zehn Jahre später beauftragte Fürstabt Adalbert von Schleiffras den Baumeister der Stiftskirche, Johann Dientzenhofer, mit der Planung zur durchgreifenden Erneuerung seiner Residenz. Bis 1714 entstand nun der weitaus größte Teil des heutigen Barockschlosses inklusive der Innenausstattung, wobei zunächst mit dem östlichen Marstallflügel und einem Teil des Nordtrakts (Remisen) begonnen wurde. Unter Verwendung alter Bausubstanz - besonders beim Mitteltrakt (Corps de Logis) - wurden dann in rascher Folge die anderen Flügel einschließlich des südlichen Ehrenhofflügels mit der den Hof abschließenden Pfeiler-Gitter-Mauer errichtet. Integriert wurde der mittelalterliche Bergfried, auch der nördliche Vorhofflügel von 1671-85 blieb zunächst noch erhalten. Nach dem Wechsel Dientzenhofers von Fulda nach Bamberg im Jahr 1712 übernahmen zwei Hofbeamte die Bauleitung. Zu den abschließenden, von Johann Georg Mainwolf ausgeführten Arbeiten gehörten der Einbau des Haupttreppenhauses in den nördlichen Abschnitt des Mitteltraktes und der Bau der Treppenanlagen im Ehrenhof. Der von Dientzenhofer aus ästhetischen Gründen beibehaltene Burggraben vor dem Mitteltrakt wurde verfüllt.
Obwohl Adalbert von Schleiffras den nördlichen Garten keineswegs vernachlässigt hatte, ihn mit Figuren und Gewächsen sogar reich ausgestalten ließ, schuf erst sein Nachfolger, Constantin von Buttlar, mit der 1715/16 durch Peter Schwager erfolgten Überwölbung des Waidesbaches und der anschließenden Geländeaufschüttung die Voraussetzungen für die großzügige Anlage des barocken Parks. Die Pläne dazu lieferte der kurmainzische Baudirektor Maximilian von Welsch, der im axialen Bezug zu der Dientzenhoferschen Sala terrena im Sockelgeschoß der Residenz auch die Orangerie mit den rahmenden Pavillons entwarf.
Bevor jedoch mit der neuen Gartenanlage begonnen wurde, errichtete man, nach Abriß des alten Flügels, in den Jahren 1718-20 den nördlichen Ehrenhofflügel in Entsprechung zum südlichen. Die Bauaufsicht hatte Johann Georg Mainwolf, die Innenausstattung war bis 1725/26 abgeschlossen. Zwischen 1721 und 1724 erfolgte unter Leitung des seit 1720 als fürstlich-fuldischer Bauinspektor tätigen Andreas Gallasini der Bau der Orangerie durch Maurermeister Peter Schwager. Gleichzeitig wurde am Park gearbeitet. Die von v. Welsch gefertigten Pläne waren zuvor von dem Hofgärtner Johann Caspar Dietmann und dem Baumeister Caspar Herwartel, beide aus Mainz, sowie von dem Baumeister Allesandro Rossini, Kassel, ausführlich diskutiert und begutachtet worden. Vermutlich hat man spätestens bei der Ausführung in schwierigen Fragen auch noch Johann Dientzenhofer herangezogen.
Bis 1726 war die Orangerieterrasse mit der Treppenanlage und den flankierenden Pavillons bzw. Grotten fertiggestellt, die vollständige Ausgestaltung der Orangerie-Innenräume zog sich unter der Regierung Adolph von Dalbergs bis 1737 hin. Dieser Fürstabt beeinflußte noch stark die Gestaltung der Parkanlage, die erst 1738 unter seinem Nachfolger, Amand von Buseck, in ihrer Gesamtheit vollendet werden konnte. Zwischen 1727 und 1730 erfolgte unter Beteiligung namhafter Künstler die bereits von v. Welsch vorgesehene Umgestaltung der Sala terrena zu einem prächtigen Kaisersaal. Bauinspektor in Fulda war zu dieser Zeit Friedrich Joachim Stengel, nach dessen Fortgang im Jahr 1730 wurde wieder Gallasini in dieses Amt berufen.
1733/34 entstand als Wohnung für Fürstabt Adolph von Dalberg die noch heute erhaltene barocke Raumfolge im Obergeschoß des südlichen Ehrenhofflügels, unter Adalbert von Walderdorff (1757-59) wurden einige dieser Räume im Stil des Rokoko modernisiert, zusätzlich wurde ein Spiegelkabinett eingerichtet. 1741 wurde nach Plänen Gallasinis noch die fürstliche Winterreitbahn mit den angrenzenden Ställen und Wagenremisen errichtet.
Als das Schloß zusammen mit dem Fürstentum Fulda an die Kurfürsten von Hessen gelangte, ließen diese zwischen 1817 und 1831 große Bereiche im Mitteltrakt und in den nördlichen Flügeln im klassizistischen Stil umgestalten, der Fürstensaal wurde in kleine Räume unterteilt und als kurfürstliche Wohnung genutzt. Verantwortlicher Architekt dieser Maßnahmen war Johann Konrad Bromeis aus Kassel. Auch die barocke Gartenanlage sollte im Sinne eines englischen Landschaftsparks total verändert werden, ein Plan, der jedoch nur ansatzweise realisiert werden konnte.
Nach der Annexion Fuldas durch Preußen im Jahr 1866 richtete man zunächst Mietwohnungen im Schloß ein, nach Ankauf durch die Stadt im Jahr 1894 wird es bis heute als Rathaus bzw. für museale Zwecke verwendet. 1944 wurden Teile der Residenz, hauptsächlich der ehemalige Marstall, der Südflügel und die als Turnhalle genutzte Reithalle durch Bomben schwer beschädigt, ihre Wiederherstellung erfolgte bis 1954. Von 1962 bis 1976 wurden Restaurierungen in den historischen Räumen durchgeführt, wobei u. a. der Fürstensaal neu entstehen und auch das zwischenzeitlich nach Hanau ausgelagerte Spiegelkabinett wieder installiert werden konnte. Zwischen 1976 und 1978 wurde das Gebäude der Reitbahn, das seit den fünfziger Jahren das Schloßtheater enthält, völlig entkernt und modernisiert; an der Westseite wurde eine neue, zweiläufige Treppenanlage im barocken Stil angebaut. 1986 erfolgte eine Restaurierung der Innenhoffronten des Schlosses.
Zentraler Baukörper des Residenzschlosses ist der nordsüdlich ausgerichtete, dreigeschossige Corps de Logis von sechzehn zu fünf Fensterachsen, dem nach Osten zwei weitgehend symmetrische, ebenfalls dreigeschossige Trakte von je dreizehn Achsen und der U-förmig den Hof abschließende, zweigeschossige Marstalltrakt angegliedert sind. Weiter östlich schließen noch Reitbahngebäude und Remisen an, nach Westen sind die beiden zweigeschossigen, 21- bzw. 19achsigen Ehrenhofflügel vorgelagert. Während die später errichtete Reithalle ein hohes Mansarddach erhielt, tragen Mittelbau und angrenzende Trakte mächtige, gaupenbesetzte Walmdächer. Diese Kernbauten zeigen auch im Sockel- und Erdgeschoß Quadermauerwerk, alle anderen Teile sind in verputztem Bruchsteinmauerwerk errichtet. Die Trakte sind durch schmale Gesimse und teilweise gefugte Lisenen gegliedert, hofseitig auch durch Kolossalpilaster kompositer Ordnung. Die hochrechteckigen Fenster sind von mehrfach profilierten Gewänden - jeweils mit Schlußstein - gerahmt, in den Obergeschossen besitzen sie zusätzlich Putzschürzen. Die zentrale Durchfahrt im Mittelbau liegt in einem vertikal dreiteilig gegliederten Risalit, der - ähnlich wie am Dom - in der Mitte eingetieft und von einem Dreiecksgiebel bekrönt ist. Elemente des Risalits sind im Erdgeschoß schräggestellte ionische Pilaster und Säulen, die einen den gesamten Risalit überspannenden Balkon mit Balusterbrüstung tragen, in den Obergeschossen ebenfalls schräg gestellte Kolossalpilaster korinthischer Ordnung, in deren Mitte ein kleiner Balkon mit schönem, schmiedeeisernem Geländer sitzt. Im Giebel das von zwei Engeln gehaltene Wappen des Adalbert von Schleiffras (Abguß), als Bekrönung die Figur der Abundantia oder Fortuna. Das von Andreas Balthasar Weber geschaffene Original befindet sich im Städtischen Vonderau-Museum.
Die kreuzgratgewölbte Durchfahrt führt in den wegen des einspringenden Marstalltraktes unregelmäßigen Binnenhof, dessen seitliche Hauptflügel sich im Erdgeschoß in jeweils fünf Rundbögen öffnen. Über der Durchfahrt steht die Figur der hl. Katharina, die bereits 1619 vermutlich von Johann Attering für das Renaissanceschloß geschaffen wurde. Ihr gegenüber, in der Mitte des Marstalltraktes, befindet sich der von Dientzenhofer, vermutlich in Zusammenarbeit mit Giovanni Battista Artari entworfene und von Weber 1710 ausgeführte Dianabrunnen, dessen Ikonographie Hinweis gibt auf die Abhängigkeit der Landwirtschaft vom lebenswichtigen Wasser. Der nördliche Flügel des im Erdgeschoß mit Ovalfenstern versehenen Marstalls öffnet sich in drei großen Toren zum Hof, im südlichen Flügel liegt eine weitere Durchfahrt. Während die stadtseitige Außenfront des Schlosses nur durch Fenster und schlichte Eingänge gegliedert ist, weist die Parkseite am Ehrenhofflügel ein reich gestaltetes Portal mit Buttlar-Wappen auf; darüber staffeln sich ein Fenster mit Korbvergitterung und ein auf Volutenkonsolen ruhender Balkon mit schmiedeeisernem Geländer. Der Mitteltrakt tritt leicht aus der Bauflucht vor, er öffnet sich vom Kaisersaal aus mit fünf überhöhten Rundbogentüren zum Park, über den Bögen sitzen quadratische Fenster. Teil der Nordfront ist auch der alte Bergfried mit den hohen Rechteckfenstern, dessen oktogonaler Aufbau bei der Umnutzung zu einer Sternwarte 1770 eine offene Plattform mit Balustrade erhielt. Einen weithin sichtbaren Akzent setzt auch der kleine Dachreiter mit Laterne und geschweifter Haube über dem Corps de Logis.
Die Ehrenhofflügel, jeweils mit zwei zweiläufigen Treppenanlagen und wappenbekrönten Portalen versehen, werden westlich durch die Pfeiler-Gitter-Mauer miteinander verbunden, die mit Vasen und Götterfiguren Johann Neudeckers d.Ä. (von 1710) besetzt ist. Der östlich zwischen Marstall und Winterreitbahn entstandene Hof enthält in seiner Mitte eine monolithe Brunnenschale von 1696; sie gehörte zum alten Terassengarten und zeigt das Wappen des Placidus von Droste. Die ehemalige Reitbahn ist ein schlichter, zweigeschossiger Bau mit gefügten Kantenlisenen, die anschließende Wagenremise weist acht, weitgehend erneuerte Bogenöffnungen auf, auf der neuen, den Vorplatz nach Osten abschließenden Pfeiler-Gitter-Mauer ruhen barocke Doppelbüsten.
Das Innere des Schlosses, dessen originale Ausstattung nur teilweise noch vorhanden ist, erschließt sich hauptsächlich durch das untere Vestibül des Haupttreppenhauses im Mitteltrakt. Es enthält mehrere barocke Gartenplastiken und Rührt auch in die tiefer liegende Sala terrena. Diese, zum Kaisersaal umgebaut, weist ein Tonnengewölbe mit Stichkappen auf, an den Wänden wechseln Nischen und Hermenpilaster, letztere von Johann Friedrich Humbach als Atlanten ausgebildet. Die reichen Stuckaturen stammen von Andreas Schwarzmann, die Darstellungen in den Medaillons schuf Emanuel Wohlhaubter, es handelt sich um Freskenbilder, in denen das habsburgische Kaisertum verherrlicht wird, wobei speziell die Person des zur Zeit der Entstehung regierenden Kaisers Karl Vl. in den Mittelpunkt gestellt ist. Über die Steintreppe mit Balustergeländer gelangt man vom unteren in das mittlere Vestibül, dessen runde Holzstützen erst im 19.Jh. entstanden. Hier, im 1.Obergeschoß, befindet sich u.a. das Kurfürstenzimmer mit einer klassizistischen Ausstattung, auf gleicher Höhe zum Hof gelegen die ehemalige Schloßkapelle St. Katharina mit Deckenfresken von Melchior Steidl. Der holzgeschnitzte Barockaltar wurde von Andreas Balthasar Weber gefertigt, das Ovalbild stammt von Johann Ignaz Albin. In einer Wandnische der Kapelle steht eine barocke Maria Immaculata, ursprünglich als Hausmadonna am Alten Rathaus aufgestellt. Im Vorraum hängt neben mehreren Ölportraits auch ein Gemälde der hl. Katharina von Alexandrien, 1623 für den alten Altar der Schloßkapelle von Michael Heppe gemalt. Der lange Flur des Südtrakts dient heute als Bildergalerie, er stößt auf die Enfilade des südlichen Ehrenhofflügels, der - museal ergänzt - noch die als Spiegelsäle bezeichneten Privat- und Repräsentationsräume enthält, die von den Fürstäbten Adolf von Dalberg, Amand von Buseck und Adalbert von Walderdorff eingerichtet wurden. Von den reich mit Gemälden, Möbeln, Porzellan und sonstigem Inventar ausgestatteten Räumen seien besonders hervorgehoben der als Speisezimmer genutzte Dalbergsaal, dessen feingliedriger Stuck nach Entwürfen Carlo Maria Pozzis von Andreas Schwarzmann geschaffen wurde und dessen großes Deckengemälde mit dem Sujet des Göttermahles von Emanuel Wohlhaubter stammt sowie das Spiegelkabinett in der Nordwestecke, das mit 420 Einzelspiegeln, 46 Ölbildern von Johann Andreas Herrlein und Rokokorahmen von Johann Valentin Schaum ausgestattet ist. Der nördliche Ehrenhofflügel, heute Sitz des Landgerichts, zeigt in seinem Obergeschoß noch klassizistische Ausstattungsreste der kurhessischen Zeit, besonders schön in der kleinen Bibliothek am westlichen Ende.
Im 2.Obergeschoß des Mitteltraktes befinden sich die eigentlichen Repräsentationsräume des Schlosses. Die Decken des Treppenhauses und des Vestibüls sind hier mit erneuerten Fresken von Melchior Steidl geschmückt (Genius des Ruhmes und Sturz Phaetons). An der Nordseite liegen zwei klassizistisch umgestaltete Räume, der Grüne Vorsaal mit einer Wandgliederung durch ionische Pilaster und das Rote Zimmer mit der noch originalen rotbraunen Tapete. Durch den Gobelinsaal gelangt man in den südlich gelegenen Fürstensaal, der sich heute in weitgehend rekonstruiertem Zustand präsentiert. Das Spiegelgewölbe ist nach Entwürfen Artaris durch Andreas Schwarzmann reich stuckiert, das große Deckenfresko stammt von Melchior Steidl und zeigt die Versammlung der Götter auf dem Olymp. Um dieses Hauptbild sind kleinere Darstellungen mit Szenen aus der griechischen Sagenwelt geordnet. An den Wänden hängen jeweils über den Fenstern die Portraits der seit 1606 regierenden Fuldaer Fürstäbte bzw. -bischöfe. Gemalt wurden sie von den Hofmalern Wohlhaubter und Herrlein, die barocken Rahmen wurden von Valentin Schaum gefertigt. Zwischen Fürsten- und Gobelinsaal liegt noch ein kleiner Nebenraum, der eine interessante Bildtapete der Pariser Manufaktur Jourdan-Villar aus dem Jahr 1814 enthält; dargestellt ist die Schlacht bei Austerlitz 1805. Auch die weiteren Räume des Mitteltraktes sowie der Innenhofflügel enthalten noch Reste historischer Ausstattung, außerdem sind hier zahlreiche Gemälde und Kunstgegenstände museal untergebracht.
Der weitläufige, von Mauern und Gittern umfriedete Schloßgarten setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, den beiden Terrassen vor der Nordfront der Residenz und vor der Orangerie, dem dazwischen liegenden Parterre und dem sich nach Osten erstreckenden ehemaligen Boskettgarten. Die Schloßterrasse wird teilweise von Balustraden begrenzt. Sie ist mit mehreren Plastiken bestückt, und zwar mit zwei Figuren von Johann Neudecker d.Ä. (Herkules und Flora von 1711) sowie - vor den Rundbogenöffnungen des Kaisersaales - mit zwei Figuren von Johann Neudecker d.J. (Personifikationen der Bau- und der Gartenkunst, um 1720) und mit zwei Jahreszeitenfiguren (Kopien). Eine geschwungene Freitreppe mit zwei Doppelbüsten, die einen Brunnen umschließt, führt in das Parterre, das zur Pauluspromenade durch eine Pfeiler-Gitter-Mauer mit bekrönenden Vasen und Pinienzapfen abgeriegelt ist. Das schöne, schmiedeeiserne Tor in der Mitte der Einfriedung wurde 1731 von Hofschlosser Gottfried Spansaal gefertigt. Unter dem Parterre, das heute aus einer Rasenfläche besteht, befindet sich noch das barocke Gewölbe des Waidesbaches. Dieser wird vom östlich anschließenden ehemaligen Boskettgarten durch eine hohe Sandsteinmauer abgegrenzt. Auf der anderen Seite wird der Garten von einer zweireihigen Kastanienallee in Höhe der Schloßterrasse gerahmt, östlich schneidet die Kurfürstenstraße den Gartenbereich ab. In der vorderen Hälfte des Gartens wurde ein Weiher angelegt, in dessen Bereich eine ionische Säule mit Vase sowie zwei Vasenpostamente mit Widderköpfen stehen. Im hinteren Bereich reihen sich entlang der Mauer Doppelbüsten und klassizistische Vasen, weiter im Gelände stehen ein runder Brunnentrog aus der Zeit vor 1700 und ein geschweiftes Brunnenbecken, auf der verlängerten Schloßterrasse (Kastanienallee) noch zwei kleine Pyramiden auf hohen Postamenten.
Vom Parterre führt eine zweiteilig entgegengesetzt geschwungene Freitreppe (Sanduhrtreppe) zur Orangerieterrasse. Auf dem ovalen Podest der Treppe steht die von dem Bamberger Bildhauer Daniel Friedrich Humbach 1728 geschaffene Floravase, die vermutlich auf eine Idee des Fürstabts Dalberg oder des Bauinspektors Stengel zurückgeht. Auf einem Postament mit Eckvoluten staffeln sich zwei mit Blütengirlanden behängte Vasen, aus der oberen erhebt sich die Göttin Flora, in ihrer Hand eine schmiedeeiserne, vergoldete Dalberg-Lilie. Vier spielende Putten beleben das imposante Bildwerk. Die Terrasse wird - ähnlich wie bei der Schloßterrasse - von einer Futtermauer mit Balustrade gestützt, an den Seiten wurden Rampen angeschüttet. In die beiden Ecken zwischen Rampen und Mauer sind rundbogige Grotten mit Brunnenbecken installiert. Auf der Terrasse befinden sich in Symmetrie zu Treppe und Orangerie zwei weitere Becken, die beiden in Höhe der Rampen befindlichen Pavillons (Treibhäuser), die 1826 abgebrochen wurden, entstanden in jüngster Zeit als historisch getreue Rekonstruktionen.. Nach Westen ist die Terrasse durch eine hohe Mauer mit rundbogigem Tor zur Pauluspromenade abgegrenzt.
Die Orangerie, ruhend auf einem fünf Stufen hohen Unterbau, gliedert sich in einen eineinhalbgeschossigen Mittelpavillon, zwei eingeschossige, symmetrische Seitenflügel und einen niedrigen, rückwärtigen Annexbau. An den westlichen Flügel wurde 1898-1900 in nördlicher Richtung der Stadtsaal angebaut; planender Baumeister dieser Anpassungsarchitektur war B. Roß aus Hannover.
Die Trakte der Orangerie sind von großer Einheitlichkeit. Sie weisen eine Pilastergliederung kompositer Ordnung auf, sind durch Arkaden geöffnet und tragen hohe Mansarddächer mit Satteldachgaupen. Die drei mittleren Achsen des zentralen, insgesamt fünfachsigen Pavillons sind von einem Dreiecksgiebel mit einem von zwei Famae gehaltenen fürstäbtlichen Wappen überspannt. Dieses wurde von A.B. Weber geschaffen wie auch die vier Vasen auf der Attika und die große Giebelvase, die von zwei Putten gehalten wird. Letztere sind Arbeiten von Johann Heinrich Ernst Mockstatt. Die siebenachsigen Seitenflügel sind an den Kanten abgefast, die jeweils äußeren Bögen der Flügel sind als Nischen ausgebildet. Der Stadtsaalflügel tritt mit seiner Arkadenwand leicht hinter die Schmalseite des westlichen Seitenflügels zurück, an seinem Nordende wird er durch einen vortretenden Pavillon abgeschlossen. Auf den Firstenden der Bauten sitzen schmückende Feuervasen (pot-à-feu).
Das Innere der Orangerie wird durch den großen Festsaal (Weißer Saal, Apollosaal) im Mittelpavillon dominiert, dessen Wände von kannelierten Kolossalpilastern kompositer Ordnung gegliedert werden. Auch hier tritt an allen vier Wänden zu der Pilasterordnung das Arkaden- bzw. Nischenmotiv, die obere Zone wird durch flachbogige Mezzaninfenster (vgl. Kaisersaal) bestimmt. Die feingliedrigen Stukkaturen des Raumes (Bandelwerk, Blüten, Kraniche usw.) wurden nach Vorlagen Carlo Maria Pozzis von Andreas Schwarzmann angetragen, das imposante Fresko des Spiegelgewölbes stammt von Emanuel Wohlhaubter. Es wurde nach einem Kupferstich aus Paul Deckers Jürstlichern Baumeister" (Nürnberg 1711) geschaffen und stellt im Zentrum Phoebus Apoll in seinem Sonnenwagen dar. Um ihn herum und innerhalb der gemalten Randarchitektur gruppieren sich zahlreiche Personen, darunter weitere Götter und allegorische Figuren. Der noch original erhaltene Fußboden des Saales besteht aus weiß-gelben und blau-grauen Solnhofener Platten, die ein Schlingenmuster mit zentralem Stern bilden. Die beiden Nebensäle in den Flügeln sind ähnlich gestaltet, ihre Voutendecken wurden 1725 von Schwarzmann stukkiert. An den Hauptsaal gliedern sich in nördlicher Richtung drei Kabinette an. Das westliche weist eine von Andreas Schwarzmann 1737 stuckierte Flachdecke auf, das mittlere wurde gleichzeitig von Emanuel Wohlhaubter mit einem Deckengemälde in Öl geschmückt (Personifikationen der vier Jahreszeiten) und das östliche zeigt wieder Deckenstuck von Schwarzmann, der Stuckfries des Rahmens wurde jedoch bereits 1730 von Sebastian Binkart geschaffen. Die Wände des nordwestlich angrenzenden Stadtsaales sind mit toskanischen Pilastern gegliedert, ansonsten ist dieser Raum weitgehend modernisiert. Die Kellerräume der Orangerie, die einer Restaurantnutzung unterliegen, enthalten Inventarstücke aus dem Vonderaumuseum, darunter Gemälde und Gobelins.
Die weitläufige barocke Schloßanlage in Fulda bildet mit ihren verschiedenen Bestandteilen eine Sachgesamtheit von hoher architektonischer Qualität. In dem Residenzschloß ist das erste gesicherte profane Bauwerk des Johann Dientzenhofer zu sehen, das er unmittelbar nach seiner dem römischen Barock verpflichteten Stiftskirche plante und das zwei Grundtypen herrschaftlichen Bauens in sich vereinigt: das einen Innenhof umschließende Stadtpalais und das freistehende Landschloß mit dem repräsentativen Ehrenhof. Obwohl Dientzenhofer durch die Zwänge der zu übernehmenden Bausubstanz und die Wünsche des Bauherrn stark eingeengt war, gelangte er zu einer eigenständigen architektonischen Lösung, die Einflüsse der aktuellen französischen Architekturtheorie verrät, sich aber auch an gerade erbauten deutschen Residenzen (vgl. die Neue Hofhaltung des Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn in Bamberg) anlehnt. Der Portikus hat mit den schräg gestellten Pilasterpaaren und den konvex ausgeformten Balkonen außerdem römisch-borromineske Züge.
Der weitgehend durch das 19.Jh. überformte Residenzgarten mit der Orangerie ist dagegen das letzte gesicherte profane Architekturwerk des Maximilian von Welsch. Auch hier lassen sich Bezüge zu einer baulichen Anlage des Bamberger Kurfürsten Lothar Franz von Schönborn herstellen, und zwar zu dessen Gaibacher Privatgarten, in dem der ähnlich gestalteten Orangerie eine vergleichbare Riegelfunktion zukommt wie im Fuldaer Garten. Vorbildhaft könnte jedoch auch die Anlage des Schlosses Balleroy in der Normandie gewirkt haben, das François Mansart zugeschrieben wird. In Details der Fuldaer Gartenanlage - zumindest in ihrer ursprünglichen Form - lassen sich auch Beziehungen zu Schloß Weißenstein bei Pommersfelden und zu anderen Parkanlagen entdecken. Eindeutige formale Abhängigkeiten im engeren Sinne lassen sich an der Anlage des M.v. Welsch jedoch nicht festmachen. Dies gilt auch für das Orangeriegebäude selbst, das zwar sowohl italienisch-österreichische als auch französisch-klassische Elemente aufweist, letztendlich aber ein eigenständiges, originelles Kunstwerk darstellt. Einzigartig im Fuldaer Land ist auch das monumentale Deckenfresko im Festsaal der Orangerie, das u.a. eine im Barock häufig vorkommende illusionistische Architekturmalerei bietet und dessen zentrales Sujet Teil eines ikonologischen Programms ist, das von den Fresken des Kaisersaales ausgehend ursprünglich wohl den gesamten Garten umfaßte.
Als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.
| Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Grünfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG |
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Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein |
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Jüdischer Friedhof |
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Kleindenkmal, Bildstock |
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Grenzstein |
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Keller bzw. unterirdisches Objekt |
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Baum |