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Wetterau
Bad Nauheim
  • Ernst-Ludwig-Ring 1
Trinkkuranlage
Flur: 2
Flurstück: 84

Die neue Trinkkur von 1910-11 ersetzte eine eiserne Wandelhalle zwischen Kur- und Salzbrunnen, die aus den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts stammte. Der alte Bau erstreckte sich in Ost-West-Richtung ungefähr in der Verlängerung der Hauptstraße, er war eine Grenzlinie zwischen dem nördlich gelegenen Kur-und Badebetrieb und der Saline weiter südlich.

Die städtebauliche Situation änderte sich unmittelbar nach 1900 durch den neugeschaffenen Ernst-Ludwig-Ring. Er tangierte zunächst den südlichen Rand des alten Dorfkerns von Nauheim und führte an dem kleinen Park beim Karlsbrunnen vorbei zur Usa. Auf deren linker Seite erfuhr er seine Fortsetzung als Eleonorenring bis zur Frankfurter Straße. Die Geländearrondierung nutzte der Architekt Wilhelm Jost zu einer weitläufigen neuen Trinkkuranlage, die zugleich die Reihe seiner Entwürfe für Bad Nauheim beendete.

Im Grundriß gebogte Wandelgänge umschließen einen annähernd hufeisenförmigen Bezirk. Er ist von der Umgebung abgeschlossen, öffnet sich ihr aber zugleich auf vielfältige Weise.

Ein Torbau im Süden in der Art eines antiken Propylon und eine im Norden gegenüber gelegene Musikmuschel bestimmen eine Mittelachse, die im Innern der Trinkkur durch ein Wasserbassin vor der Konzertstätte unterstrichen wurde. In der Außenanlage wurde sie ursprünglich als breiter Weg durch einen kleinen geometrischen Garten nördlich des Baukomplexes fortgesetzt. Daneben erfahren die Eckpunkte mehr oder minder gewichtige Akzentuierungen, dominierend im Nordwesten der an ein Baptisterium erinnernde überkuppelte Kurbrunnen mit der sich anschließenden und ebenfalls sakral wirkenden Trinkhalle. Kurbrunnen und Milchkur gegenüber im Nordosten sind durch eine Pergola verbunden, die nur durch die Rückfront der genannten Musikmuschel unterbrochen wird. Um die Eindeutigkeit der hufeisenförmigen Grundfigur nicht zu stören und um eine städtebaulich wichtige Raumkante entlang der Kurstraße zu erhalten, wird der westliche Wandelgang um einen zusätzlichen Binnenhof verdopppelt.

Sicher nicht ohne Absicht sind die beim Besucher der Trinkkuranlage evozierten Stimmungen und architektonischen Assoziationen vielschichtig. Das Gleichmaß und die Weite der von Säulen getragenen Wandelhallen ruft den Eindruck eines antiken Forums hervor, der sakrale Charakter von Kurbrunnen und Trinkhalle in romanischen Formen wurde schon angesprochen. Der Ruhe und Offenheit im Innern kontrastiert von außen die Abgeschlossenheit und bewegte Linienführung in Grund- und Aufriß. Es drängt sich bei allem der Gedanke an kulissenhafte Versatzstücke auf, die zu einem insgesamt harmonischen Ganzen arrangiert werden. Eine nicht unwichtige Rolle spielen dabei Spaliere und Pergolen als abgrenzende und durchlässige Elemente zugleich. Sie haben etwas Ländliches an sich, waren im Jugendstil wie im Klassizismus gleichermaßen beliebt.

Der aktuelle Zustand der Trinkkur gibt zur Sorge Anlaß. Ein bezeichnendes Beispiel ist die aus den 1920er Jahren stammende Schließung der Rückfront der Musikmuschel, die sich mit einem Palladio-Motiv zu dem geometrischen Park zwischen Park-Hotel und Usa öffnete. Fast unnötig darauf hinzuweisen, daß auch dieser Park nicht in seiner alten Form erhalten ist, auch das Park-Hotel wurde - erst kürzlich - abgebrochen, soll aber in modifizierter Form neu entstehen. Der Umbau der Südwest-Wandelhalle 1954 zu einem Konzertsaal oder die Einrichtung eines Cafes im östlichen Wandelgang 1976 mögen zwar aus veränderten Nutzungswünschen erklärbar sein, unterhöhlen den beabsichtigten Charakter der Trinkkur als Stätte von Kontemplation und unbestimmter Begegnung aber immer mehr. Unter den Verlusten der ganz dem Jugendstil verpflichteten Bauornamentik sei auf die Keramiktrommeln verwiesen, die die hölzerne Pergola zwischen Kurbrunnen und Milchkur einstmals trugen. Auf der Grundlage eines Bauforschungsprojektes von Prof. Johannes Cramer (Frankfurt, Bamberg) wurden in jüngster Zeit Teilrekonstruktionen vorgenommen, die dem herausragenden Beispiel von Kurbadarchitektur wieder stärker seinen ursprünglichen Charakter verleihen.


Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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