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Bergstraße
Bensheim
  • Marktplatz 11
Kath. Pfarrkirche St. Georg
Flur: 1
Flurstück: 1/3

Eine erste, dem hl. Michael geweihte Kirche in Bensheim ist für das Jahr 771 belegt, ein dem hl. Georg geweihter Neubau erfolgte möglicherweise noch im 12. Jh., als eine flachgedeckte Pfeilerbasilika mit einem fast quadratischen Langhaus von fünf Arkaden entstand. Vor dem Westgiebel befand sich ein im Grundriss quadratischer, fünfgeschossiger Turm mit zwei- und dreiteiligen Fensterarkaden, der 1528 ein weiteres Geschoss und 1535 einen spitzen Helm durch den Heidelberger Baumeister Lenhard erhielt. In der Zeit der Spätgotik wurde dem Kirchenschiff ein neuer, breiterer Chor mit 5/8-Schluss angefügt. Die Belichtung erfolgte hier durch hohe Maßwerkfenster. Nördlich des Chores lag eine zweigeschossige Sakristei mit halbrundem Treppenturm, auf der Südseite gegenüber war eine kleine Nebenkapelle angefügt. Im 17. Jh. wurden wegen erhöhtem Raumbedarf Emporen eingebaut. Wegen Platzmangel und wegen des maroden Zustandes der Kirche drängte man bereits im frühen 18. Jh. auf einen Neubau, der jedoch nach zähen Verhandlungen mit der Darmstädter Kirchenbehörde erst ab 1826 erfolgte. 1823 war Oberbaurat Georg Moller aus Darmstadt mit der Aufgabe des Neubaues betraut worden, zu dem er wenig später die Pläne lieferte, die den Erhalt des romanischen Westturmes vorsahen. Nach Abbruch der alten Kirche und umfangreichen Gründungsarbeiten vor allem im östlichen Bereich des abfallenden Geländes wurde am 15. Juli 1826 der Grundstein gelegt und unter Leitung des Landbaumeisters Ignaz Opfermann sowie des jungen Architekten Karl Balthasar Harres entstand bis zur Weihe am 13. September 1830 der Kirchenneubau. Beratend hatten auch die Baumeister Paul Arnold/Mainz und Franz Heger/Darmstadt mitgewirkt, ein Dachstuhlmodell fertigte 1826 Ernst Böhm/ Darmstadt. Die Ausführung wurde dem Bensheimer Stadtzimmermann Süßbeck sowie dem Pfungstädter Zimmermeister Valentin Grünig als Unternehmer anvertraut. Für schwierige bildhauerische Arbeiten wurde der Darmstädter Hofbildhauer Johann Baptist Scholl d. Ä. herangezogen.

Die streng klassizistische, nach dem Vorbild von San Paolo fuori le mura in Rom errichtete Kirche war als dreischiffige Psyeudobasilika mit halbrunder Chorapsis konzipiert, die Schiffe wurden durch eine eng gestellte Reihe korinthischer Säulen voneinander getrennt, die - über Arkaden - das kassettierte Tonnengewölbe des Mittelschiffes trugen. Die Belichtung erfolgte durch die hohen Rundbogenfenster der Seitenschiffe.

40 Jahre nach der Grundsteinlegung fand ein erster gravierender Eingriff durch die beiden Mainzer Dombaumeister Petrus J. H. Cuypers und Lucas statt, die u.a. das Langhaus um ein Säulenpaar verlängerten und die Tonne durch eine kassettierte Holzdecke in einer gestelzten, dreiseitig gebrochenen Konstruktion ersetzten. Damit war das Moller''sche Raumbild mit dem charakteristischen Bewegungsfluss zur Apsis zerstört. 1939-42 wurde eine erneute Restaurierung durchgeführt.

Verursacht durch Brandbomben wurde die Kirche am 26. März 1945 bis auf wenige Mauerreste zerstört. Der mittelalterliche Westturm war in großen Teilen noch erhalten, die bereits ab 1946 einsetzende Wiederaufbauplanung des Mainzer Architekten Hugo Becker, Sohn des Dombaumeisters Ludwig Becker, sah jedoch letztendlich seinen Abbruch vor. In zwei Bauabschnitten errichtete man in weitgehender Annäherung an den Moller''schen Vorgängerbau 1949/50 zunächst Altarraum und Kirchenschiff mit den beiden östlichen Chorflankentürmen(Weihe am 13. August 1950), um dann 1952/53 ein neues, zweitürmiges Westwerk zu ergänzen. Die beiden Westtürme hatte bereits Moller in seinem ersten Entwurf vorgesehen. Damit erfuhr der am 4.10.1953 endgültig wiederhergestellte Kirchenbau im Äußeren eine Umdeutung im Sinne der Romanik mit den regelmäßig angeordneten Turmgruppen, während im Innern, verstärkt durch den Einbau von Schaumstoffkassetten im Jahr 1963, das klassizistische Erscheinungsbild weitgehend wiedergewonnen wurde.

Am Außenbau vermauert sind zwei Spolien der mittelalterlichen Vorgängerkirche, so eine Reliefplatte mit einer Löwendarstellung sowie ein Lamm mit Nimbus und Kreuzfahne. Im Innern ist ein von Moller entworfenes und von Scholl ausgeführtes Weihwasserbecken erhalten und in der Südwand ist das Epitaph des Pfarrers Walter eingelassen, der von 1636-1658 in Bensheim tätig war. Außerdem ist hier ein barocker Steinkruzifixus angebracht und im nördlichen Seitenschiff steht die Figur einer weiblichen Heiligen mit Krone und Zepter ( frühes 16. Jh.). Im westlichen Bereich sind mit dem hl. Nepomuk und dem hl. Franz Xaver die beiden Originalfiguren samt Sockel von der Mittelbrücke aufgestellt.

Zwei künstlerisch besonders wertvolle Altarbilder befinden sich in den Seitenkapellen. Sie wurden 1832/33 geschaffen und kamen auf Initiative des Darmstädter Kirchenrats Wilhelm von Harnier nach Bensheim. In der Nordkapelle befindet sich die Darstellung eines hl. Georg von Philipp Veit, in der Südkapelle steht das Gemälde einer Muttergottes mit Lilie, geschaffen von Johann Schraudolph. Beide Künstler zählen zu den Nazarenern, eine Künstlergruppe, die sich im frühen 19. Jh. in Rom zusammenfand und in der religiösen Kunst des Mittelalters ihr Vorbild sah.

Zwei historische Glocken hängen in den Türmen, beide wurden 1778 in der Heidelberger Gießerei von Anselm Speck geschaffen. Die große Orgel auf der Westempore wurde 1963 von der Fa. Johannes Klais/Bonn gebaut, das bemerkenswerte runde Glasfenster der Westfassade hat die Fa. Binsfeld/Trier 1953 geliefert.

Neben der genannten künstlerischen Ausstattung ist ein reicher Bestand an vasa sacra sowie Paramenten im Besitz der Kirchengemeinde.

Die St. Georgskirche ist von zentraler städtebaulicher und historischer Bedeutung für Bensheim. Errichtet an dem überkommenen Standort der ersten Pfarrkirche des Ortes steht sie in der südhessischen Region neben der Ludwigskirche in Darmstadt beispielhaft für den Klassizismus der ersten Hälfte des 19. Jhs., gleichzeitig ist sie zeittypisches Zeugnis der ersten Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg. In dieser Synthese ist der Bensheimer Kirchenbau über den Landkreis hinaus einzigartig.


Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen und wissenschaftlichen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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