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Sachgesamtheit Schloss Laubach
Flur: 1, 5
Flurstück: 1, 10, 11/1, 12/1, 12/2, 12/3, 12/4, 13/1, 1599/8, 16/2, 2/1, 2/2, 2/5, 3/1, 4/1, 4/2, 4/3, 43/2, 4/4, 4/5, 4/6, 4/7, 488/2, 4/9, 496, 501/2, 501/4, 501/5, 502, 503/1, 503/2, 507/1, 5/1, 60/2, 7/13, 159/2

Keimzelle des heutigen Schlosses war eine Burg, wahrscheinlich eine Wasserburg. Mit ihrer Errichtung wurde 1278 unter der Herrschaft der Hanauer, die vom Kloster Hersfeld mit Laubach belehnt worden waren, begonnen. Ihr Weiterbau wurde jedoch schon zehn Jahre später nach einem Einspruch des Landgrafen Heinrich I. von Hessen, der sich wegen der Nähe zur Burg Grünberg in seinen Interessen beeinträchtigt sah, vom Kaiser verboten. So kam es, dass auch nach dem Verkauf Laubachs an die Falkensteiner 1341 an der Befestigung zunächst nicht weitergebaut werden konnte. Erst nachdem das inzwischen von den Hersfeldern verkaufte, seit 1405 als „Stadt" bezeichnete Laubach durch das Aussterben der Falkensteiner 1418 an die Johanneslinie der Grafen von Solms gefallen war, veränderte sich die Lage. Graf Kuno von Solms-Lich erhielt 1475 von Kaiser Friedrich III. die Erlaubnis, die Burg und auch die Stadt weiter zu befestigen. Dieser Ausbau zur Festung wurde erst 1559 von Friedrich Magnus, der als erster Solmser seinen ständigen Wohnsitz in Laubach genommen hatte, abgeschlossen. Noch unter seiner Herrschaft wurde Laubach zur gräflichen Residenz, und es begann die sukzessive Umgestaltung der Burg zum Schloss, ein Prozess, der erst im 18. Jahrhundert weitgehend abgeschlossen war.

Der größte und wichtigste Gebäudekomplex der ausgedehnten Schlossanlage, der so genannte Hauptbau östlich der Laubacher Kirche, besteht aus drei ineinander verzahnten Teilbauten, die eine hufeisenförmige, nach Norden geöffnete Anlage bilden. Sie entstand aus der mittelalterlichen Burg, die nach Norden hin durch eine in Resten erhaltene Wehrmauer geschützt war, und enthält als älteste, im Kern noch auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Teilbauten den Ost- und Westflügel sowie den ehemals freistehenden, später in die Hauptfront eingebundenen runden Bergfried von 1288. Auch die ehemals wehrhaften, später mit barocken Hauben versehenen, starken Rundtürme an den Nordecken der beiden Flügelbauten gehören noch zum Bestand der ehemaligen Burg. Sie, wie auch der bereits im 15. Jahrhundert erneuerte, mit einem östlichen Treppenturm versehene Ostflügel (Kemenatenbau), wurden nach 1533 durch den Licher Baumeister Wolff Werner umgebaut, wobei die zeittypischen Vorhangfenster mit doppelten Eselsrücken und der von mächtigen Konsolen gestützte Erker am Nordgiebel entstanden.

Einige Räumlichkeiten im Inneren dieses Gebäudes zeigen noch den Bestand des 15. Jahrhunderts. Erwähnenswert sind der mächtige gewölbte Keller mit Rundpfeilern, die alte, mit einem gewaltigen Rauchfang ausgestattete, gewölbte Küche, die tonnengewölbte Gesindestube sowie die Hofstube, die mit Kreuzgratgewölben, gotischem Fliesenboden und Wandmalereien von 1556/57 (Michael Sommerstein) ausgestattet ist.

Die übrige Erscheinung des Hauptbaus wird im wesentlichen durch die Veränderungen der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts und des 19. Jahrhunderts geprägt. In dieser Zeitspanne entstanden zunächst der verbindende, dreigeschossige Mittelflügel, der mit seinen gleichförmig gereihten Fenstern und dem flachbogigen Gewändeportal die Südfront bestimmt, sodann die zweigeschossige Pfeilergalerie zum Innenhof sowie das dort aufgestellte Standbild des Grafen Friedrich Ludwig Christian (1769-1822).

Der sich nach Süden anschließende weite, allseitig von Gebäuden gerahmte Hof, dessen Mitte von einem Röhrenbrunnen des 18. Jahrhunderts mit oktogonalem Brunnenbecken, Brunnenstock mit Löwe und Solmser Wappen, eingenommen wird, entstand durch Aufschüttung des Geländes der ehemaligen Vorburg.

Das wohl wichtigste Gebäude ist hier der so genannte Nassauer Bau, der im Nordosten direkt an das Schlossgebäude anbindet, ein im Kern noch auf das 15. Jahrhundert zu datierendes Gebäude, das aber erst im 18. Jahrhundert sein heutiges Aussehen und seine wertvolle Ausstattung, so das schmiedeeiserne Treppengeländer, ein Werk des Hofschlossers Brohler, die Stuckdecke sowie die Vertäfelung und die Musikempore von Hofschreiner Joh. Martin Reineck, erhielt.

Die weiteren Bauten der Ostseite sind der langgezogene, ehemalige Marstall, 1556-57 von Wolff Werner erbaut, 1860-70 von Hugo von Ritgen umgestaltet, und ein angrenzender, im 19. Jahrhundert auf älteren Mauerresten errichteter, dreigeschossiger Kubus mit pyramidalem Mansarddach, der so genannte Neue Bau, der die wertvolle Bibliothek enthält.

An der gegenüber liegenden Westseite dient als Abschluss eine hohe Mauer, vor der ein schlichtes eingeschossiges Wachgebäude, die im 18. Jahrhundert entstandene sogenannte Alte Wache, liegt. Im äußersten Nordwesten ist weiterhin eine komplexe Gebäudegruppe bemerkenswert. Es handelt sich um den so genannten Hedderichsbau, an den der brückenartige Übergang zur Kirche anbindet und um die sogenannte Friedrichsburg, einen zweigeschossigen Barockbau mit strenger Fensterreihung, Mansarddach und Freitreppe von 1735/39, der zusammen mit der ebenfalls im 18. Jahrhundert entstandenen Tordurchfahrt, einem von Säulen flankierten Rundbogen den Zugang zur Stadt bildet.

Die beiden zweigeschossigen, mit Mansarddächern ausgestatteten Beamtenhäuser, die seit dem 18. Jahrhundert den Schlosshof nach Süden abriegeln, leiten gleichzeitig zum weiter südlich gelegenen Wirtschaftshof und zum Areal des Armenhauses (Stiftstraße 2) über. Bemerkenswert sind hier vor allem die 1751 bis 1753 erbaute Herrenscheuer, ein L-förmiger, aus zwei Teilen bestehender, voluminöser Massivbau mit hohem Mansarddach auf der Westseite, mehrere Wirtschaftsgebäude nördlich des Armenhauses und das langgestreckte, nach Süden verglaste, nach Norden geschlossene Gewächshaus (19. Jahrhundert) mit seinem polygonalen, Vorbau.

Außer den genannten Gebäuden gehört auch der ausgedehnte Schlossgarten zum schützenswerten Bestand. Es handelt sich um eine ehemals barocke, später im englischen Stil erneuerte Parkanlage mit zwei Teichen, Forellenbach und altem Baumbestand. Wichtige Relikte der ursprünglichen Gestaltung sind ein achteckiger, orientalisierender Gartentempel in Holzkonstruktion auf einem Sandsteinsockel, dessen innere Stützen mit Kompositkapitellen ausgeführt sind, und von einem verschieferten gestuften Dach mit Halbmondaufsatz abgeschlossen werden sowie eine rudimentär erhaltene Treppenanlage mit Eingang zum Eiskeller.

Die durch ihre Turmsilhouette das Stadtbild weithin prägende Schlossanlage, die aus dem eigentlichen Schloss, dem Schlossinnenhof, zahlreichen Nebengebäuden, dem südlichen Vorhof mit Wirtschaftsgebäuden, dem ausgedehnten Schlossgarten und verschiedenen Mauerzügen (hierin enthalten der Schlussstein der 1865 abgebrochenen Oberpforte) gebildet wird, schließt östlich und nördlich direkt an die Gesamtanlage der Altstadt an und bildet mit dieser eine historisch gewachsene Einheit. Einschließlich der in ihm aufbewahrten wertvollen Sammlungen (u.a. zahlreiche Familienbildnisse ab dem 16. Jahrhundert, Möbel ab dem 14. Jahrhundert, Erzeugnisse der Laubacher Eisen- und Glashütte aus dem 16. und 17. Jahrhundert) sowie einschließlich der seit 1555 bestehenden umfangreichen Bibliothek, die auch Teile der Arnsburger Klosterbibliothek enthält, ist das Schloss im Sinne einer Sachgesamtheit aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen Kulturdenkmal.

Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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