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Limburg-Weilburg
Limburg
  • Hospitalstraße 2
  • Diezer Straße 5
Wilhelmitenkloster und Klosterkirche St. Wilhelm, später Hospital und Hospitalkirche St. Anna
Flur: 36
Flurstück: 72/6, 73/2

Die Wilhelmiten, ein auf den hl. Wilhelm von Malaval zurückgehender Eremitenorden, waren wahrscheinlich von Gerlach I. von Limburg (1232-89) in die Stadt geholt und zuerst auf dem Werth südlich der Lahnbrücke angesiedelt worden. Das Kloster war über eine Holzbrücke mit dem alten Hospital in der Brückenvorstadt verbunden. 1317 wurde das Kloster aus dieser ständig von Überschwemmungen bedrohten Lage an die heutige Stelle vor dem damaligen Diezer Tor verlegt, wo ihnen das Kloster Eberbach gegen Bezahlung einen Hof zur Verfügung stellte. Im Lauf zweier Jahrhunderte entstand ein geschlossenes Areal mit Klostergebäuden, Scheunen und Friedhof. Während der Reformationszeit verlor der Konvent, der sich vor allem seelsorgerlichen Aufgaben gewidmet hatte, immer mehr an Zulauf. Nachdem 1568 der letzte Mönch gestorben war, fiel das Kloster an den Trierer Erzbischof zurück. Daraufhin bat der Stadtrat den Kurfürsten, die Gebäude für das städtische Hospital nutzen zu dürfen, welches seit seiner Gründung im frühen 14. Jahrhundert in der Brückenvorstadt lag und der Unterstützung und dem Unterhalt armer und alter städtischer Bürger diente. Nach dem Umzug erlitt das Hospital vor allem während des Dreißigjährigen Kriegs große materielle Verluste durch häufige Einquartierungen. Ab 1650 konnte die Kirche wieder hergestellt werden, während die mittelalterlichen Klostergebäude erst im 18. Jahrhundert durch den heutigen Hospitalbau ersetzt wurden. Es folgten turbulente Jahre mit Einquartierungen, wirtschaftlichen Einbußen durch unzureichende Finanzverwaltung. Zeitweilig Einrichtung einer Irrenanstalt für weibliche Kranke (1785- ca. 1795). 1803 unterhielt das Hospital 18 Männer über sechzig Jahre, die zum Teil auch in dem Gebäude Unterkunft erhielten. Zudem gab es eine Wohnung für den Lehrer der seit ca. 1734 eingerichteten Hospitalschule. Eine drohende Profanierung der Hospitalkirche durch die Landesregierung konnte 1820 abgewendet werden.

Hospitalgebäude

Im Zusammenspiel mit der Chorpartie der Annenkirche prägt der zweistöckige verputzte Massivbau mit verschiefertem Walmdach den Beginn der Hospitalstraße. Die Grundsteinlegung fand im April 1721 statt, jedoch kam es 1729 zu umfassenden Planänderungen durch den Baumeister Johannes Müller von Diez und den Geometer Martin Ulrich, da sich der Erstentwurf, dessen Planverfasser unbekannt ist, als unzureichend erwiesen hatte. Dadurch verzögerte sich die Fertigstellung auf das Jahr 1734. Das Gebäude erhebt sich über einem L-förmigen Grundriss, wobei der längere Schenkel seine gleichmäßig durch zwölf Fensterachsen gegliederte Frontseite mit zwei einfachen Eingängen zur Hospitalstraße weist. Das Dach wird durch zwei Reihen axial angeordneter Gauben belichtet. Die Rückseite besitzt ein Portal mit Dreiecksgiebel, das in den kürzeren Flügel führt. Im Inneren blieb die stattliche Haupttreppe mit einem Geländer aus der Erbauungszeit sowie im Nordbereich des Erdgeschosses einige barocke Türen mit geohrten Türstöcken und schmiedeeisernen Beschlägen erhalten. Die kleine Sakristei mit zweiteiligem Kreuzgratgewölbe besitzt einen eingebauten Sakristeischrank in den Formen des frühen Rokoko.

Das schlichte, aber harmonisch proportionierte Gebäude gehört zusammen mit dem "Neuen Schloss" und dem ehem. kurtrierischen Amtshaus zu den wenigen Barockbauten Limburgs.

Katholische Kirche St. Anna

Von der ursprünglich gotischen Klosterkirche, die nach 1317 begonnen worden war, blieb nur die um 1320-50 entstandene Chorpartie mit 5/8-Schluss, einmal abgetreppten Strebepfeilern und drei hohen Maßwerkfenstern in ihrem äußeren Erscheinungsbild bewahrt. 1650/52 wurde das ursprüngliche Langhaus vollständig überformt: es entstand ein schlichter Saalraum mit kräftigem, barockem Haubendachreiter, der im Inneren mit einer sparsam stuckierten Spiegeldecke und einer Westempore mit Brüstungsbildern (Maler: Johann Georg Jameau) versehen wurde. Die Südwand wird durch vier große nachgotische Spitzbogenfenster mit durchgesteckten Profilen geöffnet, auf der Nordseite finden sich nur eine Lichtöffnung sowie ein Blendfenster.

Zweimal wurde die Innenraumgestaltung wenig rücksichtsvoll ausgewechselt: nach der umfassenden Barockisierung erfolgte eine neogotische Rückführung im 19. Jahrhundert Bei der Renovierung von 1917/18 unter Pater Ludgerus Rincklake OSB (Maria-Laach) und Stadtbaumeister Gollhofer wurden einige der älteren Ausstattungsstücke neu gefasst sowie eine nach dem Zweiten Weltkrieg wieder entfernte marmorne Wandverkleidung geschaffen.

Das älteste und wertvollste Ausstattungsstück ist das um 1380 von vier Limburger Patrizierfamilien (Holzhausen, von Nauheim, Eschenau und Mulich) gestiftete Glasgemälde im Ostfenster, welches Leben und Passion Christi zeigt. Die Szenen von der Verkündigung bis zum Pfingstwunder werden von Vierpässen gerahmt und stehen vor einem bunten Teppichgrund.

Aus der mittelalterlichen Ausstattungsphase haben sich zwei spätgotische Skulpturen (mit späteren Fassungen) bewahrt. Eine qualitätvolle stehende Marienfigur, die dem Jesuskind einen Apfel reicht, ist in das frühe 16. Jahrhundert zu datieren. Qualitativ und zeitlich nahe, jedoch von anderer Hand ist die Sitzgruppe der hl. Anna Selbdritt (Meister mit dem Brustlatz?). Sie zeugt von der Verehrung der hl. Anna, die in Limburg vor allem im 15. und 16. Jahrhundert belegt ist (eine dem Wilhelmitenkloster angeschlossene St.Anna-Bruderschaft ist im zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts in den Quellen fassbar). Diese führte dann auch zur Patroziniumsänderung der Kirche nach der Übernahme durch das Hospital. Die Kanzel mit hochwertigen Reliefs der vier Evangelisten schuf 1753 der Bildhauer Martin Volck aus Hadamar und der Schreiner Johann Baptist Mayer, der Schalldeckel des Vorgängers von 1699 blieb nach der Überarbeitung durch Volck an alter Stelle. Das an der Nordwand hängende große Reliefbild mit der Aufnahme Mariens in den Himmel stammt vom ehemaligen barocken Hochaltar von 1734 (Bildschnitzer Johann Düringer und Martin Volck, Hadamar). Hervorragender Orgelprospekt mit hl. Cäcilia und zwei Engeln, ursprüngliches Werk von Joh. Christian Köhler aus Frankfurt (1749), Umbau und Erweiterung 1951/52 (Fa. Kemper/ Wagenbach). Die qualitätvolle, mit Ohrmuschelornamenten geschmückte Westportaltür entstammt der Mitte des 17. Jahrhunderts.

Im Zweiten Weltkrieg wurde vor allem der Chorbereich der Kirche stark beschädigt, die Wiederherstellungsarbeiten waren erst 1952 abgeschlossen; jüngste Sanierungsmaßnahmen der Kirche 1998/99 und 2003-05.

Die beiden Bauten des ehemaligen Hospitals und der St. Annakirche bilden ein ebenso kirchen- wie stadtgeschichtlich bedeutsames Ensemble, das den Bereich südwestlich des ehemaligen Diezer Tors stadträumlich prägt. Vor allem die Kirche setzt mit ihrer kompakten Baumasse und dem schön gegliederten Dachreiter einen unverzichtbaren Akzent im Stadtbild, ihre kunsthistorische Bedeutung erwächst jedoch hauptsächlich aus der hohen Qualität ihrer mittelalterlichen und barocken Ausstattungsstücke.


Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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