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Limburg-Weilburg
Limburg
  • In der Erbach 2
  • In der Erbach 3
  • In der Erbach
Ehem. Erbacher Hof
Flur: 28
Flurstück: 10/2, 1/1, 5/1

Das Gelände des ehem. Stadthofs des Klosters Eberbach umfasst ein großzügiges Areal zwischen der Lahn, der ehemaligen Tränkgasse (In der Erbach) und den Bauten des zum Domberg führenden Römers. Nur durch einen Fußweg von der Lahn getrennt erhebt sich das 1776-78 errichtete ehemalige Kellereigebäude – ein stattlicher Spätbarockbau mit hohem Dach. Südlich davon liegt der kleine Kapellenbau des Klosterhofes von 1322/24. Ursprünglich gehörten zur Hofanlage Scheunen, Stallungen und Wirtschaftsgärten (u. a. auf dem Gelände des heutigen Parkplatzes) sowie ein ummauerter herrschaftlicher (Zier-)Garten, der sich dem Haus nach Osten hin anschloss.

Das Zisterzienserkloster Eberbach im Rheingau besaß bereits seit 1211 Besitz in der Stadt, der jedoch von Hadamar aus verwaltet wurde. Erst um 1310 gründeten die Mönche eine Niederlassung als Limburger Stadthof. Solche Höfe dienten den nach der strengen Ordensregel einsam gelegenen Klöstern vor allem zum wirtschaftlichen Austausch. So dürften beispielsweise die im 13. und 14. Jahrhundert vom Kloster produzierten tönernen Bodenfliesen, die bei Ausgrabungen in Limburg gefunden wurden, über diesen Hof verhandelt worden sein. In unmittelbarer Nähe der Klosterniederlassung – etwa auf dem Gelände des heutigen Spielplatzes – befand sich im Mittelalter ein "Kaltes Bad" (Mikwe) der Juden mit einem angrenzenden Garten, der erstmals 1334 erwähnt wird.

Im 14. Jahrhundert befand sich nördlich der Kapelle das Klosterhaus, welches den hier lebenden Brüdern Unterkunft bot, sowie ein Privathaus, welches 1329 als "neues Haus" des Nikolaus Eschenauer bezeichnet wird. Ihm wurde es zur Auflage gemacht, keinen Wein auf der Gasse vor seinem Haus auszuschenken, um die Brüder nicht zu stören. 1369 verkauften Lucze Oleymacher und seine Söhne diesen Bau an das Kloster. Bei Erdarbeiten 2000/01 wurde unter dem Hof ein annähernd quadratisches Kellergewölbe einer dieser Vorgängerbauten gefunden, der durch einen (später zugemauerten) Verbindungsgang vom Kellereigebäude zu erreichen war. Der Keller war ursprünglich länger und führte unter die Johanneskapelle, war jedoch bei deren Bau verkleinert worden (heute verfüllt).

St. Johanniskapelle

Die Kapelle der Niederlassung erbauten die Mönchen 1322-24 als dem Ordensideal entsprechend schmucklosen zweijochigen Saalbau aus unverputztem Bruchsteinmauern über dem Grundriss eines verschobenen Parallelogramms. Spitzbogeneingang und -fenster kennzeichnen die Vorderseite, zwei der ursprünglichen, kleinen Rundbogenfenster sowie der alte Zugang sind am Mauerwerk der Nordseite abzulesen. Während der ursprüngliche, hofseitige Eingang zugemauert wurde, sind die alten Lichtöffnungen wohl im Lauf des 19. Jahrhunderts durch drei sehr hohe Rundbogenfenster ersetzt worden. Im Inneren zwei schlichte, durch einen breiten Gurt getrennte Kreuzgratgewölbe. Die dreiseitige Holzempore entstand wahrscheinlich 1831, als der Raum zum evangelischen Gottesdienst hergerichtet wurde.

Der Bau wird erstmals 1783 als Kapelle St. Johannes des Täufers bezeichnet, eine ältere Überlieferung des Patroziniums ist nicht bekannt. Nach der Säkularisation diente er als Salzmagazin und Getreidespeicher – zur besseren Nutzung des Dachbodens wurde 1807 ein hölzerner Treppenturm auf der Ostseite angebaut. 1822 Lagerplatz für Selterswasser, 1831 schenkte der Herzog Wilhelm von Nassau die Kapelle der evangelischen Gemeinde Limburg. Nach Fertigstellung der ev. Pfarrkirche 1867 Verkauf an die jüdische Gemeinde, die den Raum bis 1903 als Synagoge nutzt. Danach Aktengelass des Landratsamts, seit 1948 Gottesdienstraum der selbständigen ev.-luth. Gemeinde. 1958 Sanierung mit Rekonstruktion der ursprünglichen Raumfassung mit rot abgesetzten Baugliedern.

Kellereigebäude

Zwischen 1776 und 1778 ließ der Erbacher Keller Peter Wilhelm Weilburger im Auftrag des Abtes Adolph II. Werner von Saalmünster (1750-1795) die mittelalterliche Vorgängerbebauung durch einen Neubau unter Erhalt der beiden älteren Kellerräume ersetzen. Ausführende Handwerker waren u. a. der Maurermeister Wilhelm Heun von Werschau, der Steinhauer Johann Adam Becker sowie der Zimmerer Johann Peter Schmitt. Das Gebäude diente als Verwaltungsbau und Wohnhaus des Klosterverwalters.

Der zweigeschossige verputzte Massivbau wird einzig durch die gleichmäßigen Fensterachsen – drei auf der Schmalseite, sieben auf den beiden Längsseiten – gegliedert, nur die Gebäudeecken sind durch Quaderlisenen betont. Die hochrechteckigen Fenster besitzen schlichte Gewände aus rotem Sandstein, die erneuerten Schlagläden der obergeschossigen Fenster sind wichtig für das Erscheinungsbild. Das zeittypische, hohe Halbwalmdach ist mit einer doppelten Reihe Standgauben versehen. In der dritten Achse der Südseite das durch eine kleine Freitreppe zu erreichende Portal mit reich profiliertem Rahmen und Oberlicht, darüber das Abtswappen Adolphs II. Direkt daneben liegt der rundbogige Kellereingang. Im Inneren klare Binnengliederung durch einen L-förmig abknickenden Flur. Der barocke Treppenaufgang sowie einige der bauzeitlichen Türstöcke und -blätter blieben erhalten. Zwei tonnengewölbte sowie spätere, flachgedeckte Kellerräume. Um 1870 wurde der Ostseite des Gebäudes ein zweiachsiger Anbau beigefügt, der an der anderen Dachneigung ablesbar ist. Der Erbacher Hof zählt zu den wenigen (Spät-)Barockbauten Limburgs und zeigt in seinem schlichten, etwas behäbig wirkenden Erscheinungsbild zeittypische Charakteristika eines repräsentativen Wohnhauses.

Nachdem die Klosterniederlassung durch die Säkularisation 1803 an die nassauischen Fürstentümer Weilburg-Usingen gefallen war, wurde sie Sitz des fürstlichen Rezeptors, der von dort die Vermögen des ehem. St. Georgenstifts und des aufgelösten Klosters Eberbach in Limburg verwaltete. 1816 Sitz des herzoglichen Rentamts, 1822 Amtshaus, 1896 Königlich-Preußisches Landratsamt. Verkauf 1999, danach durchgreifender Umbau mit Einrichtung von Mietwohnungen sowie Dachgeschossausbau.

Der Erbacher Hof ist ein bedeutendes Relikt aus der Geschichte der religiösen Institutionen der Stadt und des Landes, welches zudem mit Kapellenbau und Kellereigebäude die Platzanlage `In der Erbach'' sowie die Uferansicht der Stadt entscheidend prägt. Beide Bauten besitzen zudem eigene architekturhistorische Qualitäten.


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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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