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Bergstraße
Bensheim
  • Arnauer Straße, Bismarckstraße, Blütenweg, Darmstädter Straße...
Gesamtanlage nördliches Villengebiet

Arnauer Straße

Bismarckstraße 1 - 15 (Ostseite), 2 - 12 (Westseite)

Blütenweg

Darmstädter Straße 2 - 104 (Westseite), 5 (Rodensteiner Hof) - 79 (Ostseite)

Dürerstraße

Ernst-Ludwig-Straße 1 - 35 (Ostseite), 2 - 40 (Westseite)

Fehlheimer Straße 9 - 35, 43 (Ostseite)

Friedrichstraße

Hochstraße

Karlstraße 1 - 3 (Nordseite), 2 - 8 (Südseite)

Kirchberg

Kirchbergstraße 10 - 32 (Nordseite), 23 - 31 (Südseite)

Lindenstraße 2

Moltkestraße

Pestalozzistraße 3 - 5 (Ostseite), 4 (Westseite)

Postgasse

Richard-Wagner-Straße 3

Roonstraße 1 -17, 8 - 20

Seminarstraße 2 - 10 (Südseite), 7 - 19 (Nordseite)

Weiherstraße 4 - 12 (Südseite)

Wilhelmstraße 17-73 bzw. 10-62 (Altes Kurfürstliches Gymnasium) (Wilhelmstraße 52, Altes Finanzamt)

Ziegelhüttenweg

Nördlich der Bensheimer Altstadt erstreckt sich ab dem Ritterplatz das große Villengebiet entlang der Darmstädter Straße. Zu beiden Seiten dieser eigentlichen "Bergstraße" (B 3), in einem langgestreckten Bereich zwischen dem Bensheimer Hausberg, dem Kirchberg, und dem Winkelbach reihen sich wie an einer Perlenkette, an parallel verlaufenden Straßen und regelmäßigen Querverbindungen, kleine und größere bürgerliche Landhäuser, partiell unterbrochen von einzelnen, gewichtigen Verwaltungsgebäuden. Der 221 m hohe Kirchberg mit seinen seit Jahrhunderten bestehenden Weinbergslagen und dem bekrönenden, biedermeierlichen Kirchberghäuschen bietet für dieses recht homogene Wohngebiet eine wichtige, charakteristische Hintergrundkulisse.

Entstanden sind die flächenmäßig größten Bestandteile dieses Siedlungsgebietes in den Jahren vom letzten Jahrzehnt des 19. Jhs. bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges. Die Stadt Bensheim verfolgte damals eine Politik, die bewusst die Ansiedlung und Neugründung von Gewerbe- und Industriebetrieben verhinderte, um die exponierte geographisch-klimatische Situation attraktiv für wohlhabende "Rentiers" und "Finanziers" zu halten, die sich hier ihre Land- und Ruhesitze schaffen sollten. In zahlreichen Zeitungsanzeigen und Werbebroschüren warben Stadt und der 1860 gegründete Verkehrs- und Verschönerungsverein mit dem malerischen, mittelalterlichen Stadtbild, dem milden Klima der Bergstraße und auch mit den "schönen modernen Villenvierteln nach Prof. Metzendorf". Heinrich Metzendorf war der junge, ehrgeizige Baumeister, der von dem einflussreichen Kommerzienrat Wilhelm Euler nach Bensheim geholt worden war, um die städtische Planungspolitik in die Tat umzusetzen. Von ihm stammen auch die bedeutendsten Bauten, er war der Architekt, der die meisten Bauten des Viertels realisieren konnte. Von seinen über 400 Bauprojekten, die er insgesamt in ungefähr zwei Jahrzehnten erstellte, stehen allein in Bensheim 130, davon die meisten und imposantesten entlang der Ernst-Ludwig-Straße. Dieser Bereich der Gesamtanlage ist allgemein auch als Metzendorf-Viertel bekannt. Es zeichnet sich durch individuell gestaltete Landhäuser von großer handwerklicher Qualität aus, die stilistisch den Historismus der neunziger Jahre überwunden bzw. weiterentwickelt haben, wobei der Einfluss des benachbarten Darmstädter Jugendstils in gemilderter Form spürbar wird.

Den südlichen Auftakt der Gesamtanlage aber bildet am Ritterplatz zunächst das historisch gewachsene Kulturdenkmälerensemble von barockem Rodensteiner Hof mit der Anlage des Stadtparks, ehemaligem Gasthaus "Zum weißen Roß" und "Altem Postamt". An Stelle der Wirtschaftsflügel des alten Adelshofes wurden in jüngster Zeit drei moderne Pavillonbauten errichtet, denen u.a. zwei bedeutende Metzendorf-Villen folgen, die für die bekannte Bensheimer Familie Guntrum errichtet wurden (Nr. 15, 17). Auch das Haus Nr. 19, unmittelbar vor der ev. Kirche, geht auf Metzendorf zurück, ist jedoch stark vereinfacht. Die leicht erhöht liegende, eingeschossige Kleinvilla mit den charakteristischen Satteldachzwerchhäusern und der gusseisernen Veranda (Nr. 13) dürfte noch in den neunziger Jahren entstanden sein. Sie ist typisch für das Villengebiet und wiederholt sich in leicht abgewandelter Form weiter nördlich und vor allem entlang Wilhelmstraße und Fehlheimer Straße.

Nach der spätklassizistischen Michaelskirche Mittermayers setzen vor allem die beiden mächtigen Villenbauten Metzendorfs an der Einmündung der Hochstraße einen starken Akzent, aber auch die dazwischen liegenden historistischen Wohnhäuser (Nr. 27, 29) sind keineswegs bedeutungslos. Eine Störung bildet allerdings das ev. Gemeindezentrum. Auch die Häuser an der Westseite der Darmstädter Straße sind nicht uninteressant. Hervorzuheben sind das traufständige Wohnhaus Nr.12 mit dem zentralen Zwerchhaus, das folgende Anwesen mit dem ehemaligen Biergarten und dem steinsichtigen Nebengebäude sowie das eingeschossige Traufenhaus Nr. 26. Der markante Ziegelbau der Neorenaissance (Nr. 20) an der Ecke zur Friedrichstraße ist als Einzeldenkmal ausgewiesen.

Bis zur Kirchbergstraße reihen sich vor allem entlang der Ostseite der Darmstädter Straße beeindruckende Villenbauten, nur unterbrochen vom mächtigen Sandsteinkubus des ehemaligen Kurfürstlichen Gymnasiums. Danach werden die Häuser teilweise etwas anspruchsloser, um sich dann im Bereich Moltkestraße bis Roonstraße in einer ununterbrochenen Reihe teilweise von Metzendorf geplanter, kunsthistorisch interessanter Villen fortzusetzen. Die Westseite ist mehr von Neubauten durchsetzt, hervorzuheben ist natürlich die für die Entwicklungsgeschichte der Bergstraße wichtige Villa Irene (Nr. 38), die bereits in der 1. Hälfte des 19. Jhs. errichtet wurde. Nach dem spätklassizistischen Bau der ehem. Taubstummenanstalt (Nr. 52) und dem heutigen Staatsbauamt (Nr. 56) wird auch auf dieser Seite die Reihe qualitätvoller Villen dichter, um schließlich in dem Bau der repräsentativ in einem weitläufigen Gartengelände gelegenen Villa Nr. 104 zu kulminieren, die mit dem Baudatum 1914 auch zeitlich einen Endpunkt setzt.

Hinter der Ev. Michaelskirche verläuft bis zur Kirchbergstraße die Arnauer Straße (bis 1956 Ludwigstraße) parallel zur Darmstädter Straße. Sie bietet sowohl topographisch als auch zeitlich den Eingang zum Metzendorfviertel, da mit dem Haus Nr. 7 wohl die erste, von H. Metzendorf konzipierte Villa in diesem Bereich entstand. 1895 erbaut, ist sie noch ganz dem romantischen Historismus verpflichtet und hat kaum noch etwas mit dem mächtigen, repräsentativen Wohnhaus Nr. 15 zu tun, das - nur wenige Schritte weiter - zwei Jahre später ebenfalls durch Metzendorf errichtet wurde.

Mit diesem Gebäude ist die beeindruckende Reihe der Metzendorf-Häuser eröffnet, die sich hangseitig entlang der Ernst-Ludwig-Straße zieht und die im wesentlichen nur durch den hässlichen, völlig unpassenden Neubau in der Achse der Kirchbergstraße (Nr. 11) gestört wird. Neben einem stark veränderten Haus des Architekten Wilhelm Nahrgang (Nr. 17) stehen hier, vor allem konzentriert um die Einmündung der Dürerstraße, einige von Metzendorfs meisterlichsten Schöpfungen, sein eigenes Wohnhaus (Nr. 25) sowie die beiden Eulerschen Wohnhäuser Euleneck (Nr. 21) und Dürerstr. 2. Zusammen mit der imposanten, von seinem Bruder Georg entworfenen Villa Dürerstr. 5 bildet dieses begrenzte Gebäudeensemble vor dem Hintergrund der sanften Hügelkuppen das Bild einer einzigartigen, anspruchsvollen Wohnlandschaft aus dem Anfang des 20. Jhs.

Zu diesen, durch den gelben Sandstein, die differenzierten Dachgestaltungen und die aufwändigen Einfriedungsmäuerchen charakterisierten Landhäusern treten weitere wichtige Bauten hinzu, wie beispielsweise die Doppelhausgruppe 30/32 sowie die beiden ehemals Weylschen Häuser Nrr. 31 und 33, wovon besonders letzteres wegen seiner für Metzendorf untypischen Grundrissform auffällt. Es scheint sich an der auch im Vorderen Odenwald häufiger vorkommenden Form des Hakenhofes zu orientieren.

Wichtig in diesem qualitätvollen Siedlungsbereich ist auch die Durchgrünung mit kleinen Parkanlagen (Bismarckbrunnen), Gärten und dem Wald als Hintergrundkulisse. Schließlich ist die enge Anbindung an die Natur ein wesentliches Charakteristikum des Bautypus Landhaus. Die Gesamtanlage wird hier durch die Roonstraße nach Norden abgegrenzt, wobei auf zwei Wohnhäuser besonders hingewiesen sei, die von Schülern Heinrich Metzendorfs konzipiert wurden und neben anderen als Einzeldenkmäler herausgehoben werden: Haus Roonstr. 8 stammt von Joseph Winter und Nr. 20 von Georg Fehleisen, der darüber hinaus auch das Haus für den Lehrer Georg Desaga, Bismarckstr. 1, geplant hat. 1936 errichtet, steht es ganz in der Tradition der von Metzendorf noch vor dem Ersten Weltkrieg entwickelten Kleinvillen.

An dieser Stelle sei auch noch auf den Mauerzug zwischen Roon- und Eichendorffstraße verwiesen, der ursprünglich das weitläufige Gartengelände der Villa Bahner (Gerhart-Hauptmann-Str. 6) umfriedete.

Die siedlungsgeschichtlich interessanten Wohn- und Landhäuser westlich der Darmstädter Straße, hauptsächlich entlang der lang sich hinziehenden Wilhelmstraße und auch entlang der Fehlheimer Straße (Ostseite) sind insgesamt bescheidener und wurden wohl auch schon etwas früher gebaut. Dies gilt vor allem für die sehr einheitliche Zeile Fehlheimer Straße 9 - 23 mit meist ein- oder eineinhalbgeschossige historistischen Wohnhäusern, aber auch für den vorderen Bereich der Wilhelmstraße. Hier mündet heute auch der alte Ziegelhüttenweg, dessen Name auf die ehemals hier stehende, bereits im 16. Jh. erwähnte Ziegelei verweist. Die kleinteiligere Baustruktur im alten Einmündungsbereich gibt Hinweis auf ältere, gewachsene Substanz.

Mitten im weitgehend homogenen Siedlungsbereich befinden sich, gruppiert um die Einmündung Friedrichstraße/Wilhelmstraße, drei wichtige öffentliche Baulichkeiten: das architektonisch herausragende Amtsgericht mit seiner vorgelagerten Grünanlage, das ehem. Gebäude der Reichsbank und die ehemalige ev. Schule, letztere bereits 1892 errichtet. Diese stadtgeschichtlich wichtigen Gebäude bilden mit den beiden rahmenden, städtebaulich hervorgehobenen Villen Wilhelmstraße 24 und 28 einen architektonischen Kern des westlichen Bereichs der Gesamtanlage. Gestalterisch interessante Wohnhäuser finden sich neben den ausgewiesenen Kulturdenkmälern auch entlang Karl-, Weiher- und Kirchbergstraße (z. B. Karlstr. 2, Kirchbergstr. 10 - 14 etc.).

Das nördliche Ende der Gesamtanlage ist durch den mächtigen Schulbau der ehemaligen Lehrerbildungsanstalt Wilhelmstr. 62 bestimmt, aber auch durch das heute als Rathaus genutzte ehemalige Bischöfliche Konvikt an der Ecke Kirchbergstraße/Wilhelmstraße. Zusammen mit dem sachlich-nüchternen Bau des ehemaligen Finanzamts - 1930-32 entstanden und typisch für seine Zeit - liegt hier ein weiteres Zentrum öffentlichen Lebens. Mit den interessanten Wohnhäusern entlang der Seminar- und Pestalozzistraße schließt hier die Gesamtanlage im wesentlichen nach Norden ab.

Die Gesamtanlage nördliches Villengebiet präsentiert sich somit als weitgehend einheitlich zwischen 1890 und 1914 entstandenes Wohngebiet, dessen Bereich östlich der Darmstädter Straße als architektonisch hochwertiger zu bezeichnen ist. Hier befinden sich die meisten Bauten Heinrich Metzendorfs, hier hat sich der Architekt seinen auszeichnenden Titel "Baumeister der Bergstraße" verdient. Westlich der Darmstädter Straße zeigt schon die kleinteiligere Parzellenstruktur die bescheideneren Maßstäbe an, hier sind eher konventionelle Wohnhäuser für eine kleinbürgerliche Schicht entstanden. Durchsetzt ist die Gesamtanlage von einzelnen Verwaltungs- und vor allem Schulbauten. Insofern repräsentiert die ausgewiesene Gesamtanlage ein stadttypisches Merkmal, das politisch um 1900 angestrebt war und bis heute das Erscheinungsbild der Stadt geprägt hat: Bensheim als Stadt der Rentner und der Schulen.

Die Gesamtanlage ist somit von besonderem stadtgeschichtlichem, in einigen Bereichen auch von künstlerischem Interesse.


Kulturdenkmal aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen.

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Kartenmaterial Datengrundlage (ALKIS): Hessische Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation

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