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Teil der Gesamtanlage:
Gesamtanlage
Wohnhaus, Garten, Pavillon
Bauherr: Frank’sche Eisenwerke AG Dillenburg, Architekt: Wils Ebert (1909-1979)
Das Wohnhaus Rehgartenstraße 18 wurde 1950 von dem Architekten Wils Ebert im Auftrag der Frank’schen Eisenwerke für den Firmendirektor Bernhard Rolfes erbaut.
Geschichte:
Die Frank’schen Eisenwerke gehen auf die 1607 von Georg Graf von Nassau-Katzenelnbogen gegründete Adolfshütte zurück. Nach dem Verkauf an die Brüder Frank 1839 expandierte das Unternehmen und entwickelte sich zu einem der wichtigsten metallverarbeitenden Betriebe der Region. Anfang des 20. Jahrhunderts trugen insbesondere die sog. Oranier-Heizöfen zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens bei. Diese wurden von Walter Gropius und von Wils Ebert entworfen. Bernhard Rolfes war von 1921 bis 1972 technischer Leiter bzw. Direktor der Adolfshütte.
Ebert absolvierte 1929-1933 ein Architekturstudium am Bauhaus in Dessau und Berlin unter Ludwig Hilbersheimer und Ludwig Mies van der Rohe. Im Anschluss arbeitete er für Walter Gropius und übernahm schließlich dessen Tätigkeit für die Frank’schen Eisenwerke als Produktdesigner und Architekt. Neben dieser Arbeit war Ebert hauptsächlich in Berlin tätig. Von 1945-1949 war er Leiter des Hauptamtes für Planung beim Magistrat der Stadt Berlin und parallel als Assistent von Hans Scharoun am Institut für Städtebau der TU Berlin angestellt. Ab 1947 hatte er eine Professur an der Hochschule der Bildenden Künste Berlin inne. Nachdem Ebert bis Ende des Zweiten Weltkriegs kaum als Architekt tätig sein konnte, knüpfte er bereits in der unmittelbaren Nachkriegszeit an die Prinzipien des Neuen Bauens an. Ebert trat als Architekt großer Siedlungsprojekte in Berlin sowie als Produkt- und Möbeldesigner hervor und war bis Ende der 1960er Jahre Kontaktarchitekt für die in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg realisierten Entwürfe von Gropius. Sein erster größerer Bauauftrag war 1949 das Wohnhaus für Bernhard Rolfes in Dillenburg.
Haus Rolfes - Lage:
Das Grundstück Rehgartenstraße 18 war ehemals Teil der barocken Gartenanlage, die sich rückwärtig an die Bauten der Wilhelmstraße anschloss. Der Barockgarten wurde aufgrund der Hanglage durch Terrassierungen erschlossen und von einer steinernen Einfriedung begrenzt. Der historische Mauerverlauf ist entlang der heutigen Rehgartenstraße erhalten. Erst in den 1950er Jahren wurde dieser Bereich baulich erschlossen.
Wohnhaus:
Eberts Entwurfsskizzen dokumentieren eine Vorstudie, in der die räumliche Situation des Grundstücks untersucht wurde. Demnach wurde die Ausrichtung des Gebäudes an die Besonnung, die Ausblicke sowie Zuwegungsmöglichkeiten angepasst, woraufhin im nächsten Schritt die Raumverteilung erfolgte. Daraus entwickelte Ebert ein Gebäude, das aus ineinander geschobenen Kuben besteht und über drei Geschossebenen das Hanggrundstück erschließt. Nach Westen erscheinen die Gebäudeteile eingeschossig, zu den anderen Richtungen tritt das Untergeschoss aus dem Hang als weitere Geschossebene hervor. Alle Gebäudeteile besitzen ein flaches, schiefergedecktes Walmdach mit großem Dachüberstand. Die Wohnräume treten durch einen hellen Fassadenputz sowie große Fensterflächen hervor und sind nach Süden bzw. Südosten ausgerichtet. Die Funktionsräume (Garage, Keller) treten mit einer natursteinverkleideten Fassade zurück. Sie fügen sich dem historischen Mauerverlauf und der Grundstücksbegrenzung in Nord-West-Richtung an. Straßenseitig grenzt sich das Gebäude somit vom öffentlichen Raum ab und öffnet sich über das weitläufige Gartengrundstück vielmehr in den privaten Raum.
Straßenseitig befinden sich die Garage, der Hauseingang sowie der Zugang zum Garten. Über eine Treppe wird das darunter liegende Hauptgeschoss erschlossen. Die Hauptwohnräume (Wohn-, Schlaf-, Arbeitszimmer) sind nach Süden ausgerichtet und haben jeweils einen Zugang zur Terrasse sowie große Fensterflächen. Die Funktionsräume (Küche, Bad, Flur) sind auf der Nordseite angeordnet und mit schmalen, horizontalen Fensterbändern ausgestattet. Im Kellergeschoss liegen zum Garten hin ein Gäste- und Bedienstetenzimmer. Die restlichen, im Hang liegenden Räume bieten neben Technikräumen verschiedene Lagermöglichkeiten sowie eine Waschküche.
Ebert entwarf eine individuell auf die Bedürfnisse des Bauherrn ausgerichtete Innenausstattung, die weitgehend erhalten ist. Hierzu zählen zahlreiche Einbauschränke und die lamellenverkleideten Heizkörper, die im gesamten Gebäude wiederzufinden sind. Detailskizzen zur Ausrichtung des Kaminplatzes im Wohnzimmer, des Arbeitsplatzes sowie der Schlafbereiche zeigen wie umfassend sich Ebert mit der Einrichtung und idealtypischen Anordnung der Hauptwohnräume befasste. Großen Wert legte der Architekt auf eine Separierung der Hauptwohnräume von der im Norden angeordneten Küche, der eine Diele mit anschließender Garderobe vorgelagert sind. Mit dem mit Marmor verkleideten Bad, den Natursteinböden, den Einbauschränken, einem Schreibtisch und den beiden Bettnischen haben sich bedeutende Reste der Innenausstattung erhalten. Einzig die gusseisernen Ofenplatten aus dem 18. Jahrhundert nehmen Bezug auf die Tradition der Frank’schen Eisenwerke und wurden vermutlich nachträglich mit dem Baujahr 1950 versehen.
Garten:
Der Hanggarten wird durch Terrassenebenen gegliedert und über eine seitliche Steintreppe erschlossen. Über einen Privatweg besteht ein direkter Zugang zur Wilhelmstraße. In der nordöstlichen Grundstücksgrenze befindet sich ein Gartenpavillon. Die Rückwand ist Teil der Grundstücksmauer, in der sich eine kleine Ofenstelle befindet. Die Seitenwände sind durch transparente und milchverglaste Scheiben ausgebildet und ermöglichen einen Panoramablick über die Stadt.
Begründung:
Eberts Entwürfe waren deutlich geprägt von seiner Ausbildung am Bauhaus und dem langjährigen Austausch mit seinem Lehrer und Mentor Walter Gropius. Unabhängig des Bautyps (Siedlungs-, Wohnungs- oder Industriebau) legte Ebert großen Wert auf ein stimmiges Gesamtkonzept, welches bis in kleinste bauliche und gestalterische Details in der Entwurfsplanung ausgearbeitet wurde.
Dementsprechend entwarf Ebert Haus Rolfes auf Grundlage einer vorausgehenden Untersuchung der räumlichen Grundbedingungen (Topographie, Besonnung, Ausblicke). Die Einbindung der Topographie unter Berücksichtigung der Hanglage sowie des historischen Mauerzugs führte zu einer gelungenen Integration in das Gelände sowie einer ausgewogenen Verbindung von Wohnhaus und Garten. Der klar strukturierte Grundriss differenziert in der Anordnung, Proportionierung und Materialauswahl deutlich zwischen repräsentativen Wohnräumen und funktionalen Raumeinheiten. Ebert schuf durch zahlreiche Einbaumöbel freie, große Räume die durch gestalterische Details charakterisiert sind.
Haus Rolfes zählt zu den ersten Einfamilienhäusern der frühen Nachkriegszeit in Hessen, die gestalterisch wieder an das Neue Bauen der 1920er Jahre anknüpfen. Eine klare, funktional durchdachte Grundrissdisposition sowie handwerklich und gestalterisch hochwertige Ausstattungsdetails aus der Bauzeit belegen eindrucksvoll die entwerferischen Fähigkeiten des ehemaligen Bauhausschülers, der nur wenige Einfamilienhäuser realisiert hat. Das Haus Rolfes ist gemäß § 2 Abs. 1 HDSchG aus künstlerischen und architekturgeschichtlichen Gründen Kulturdenkmal.
Als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen und künstlerischen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.
| Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Grünfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG |
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Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein |
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Jüdischer Friedhof |
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Kleindenkmal, Bildstock |
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Grenzstein |
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Keller bzw. unterirdisches Objekt |
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Baum |