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Alte Lahnbrücke mit BrückenturmFlur: 11; Flurstück: 5 Limburg Limburg-Weilburg |
Der erste feste Lahnübergang bestand aus einer Holzbrücke, die um 1160-80 vermutlich auf Betreiben des Priesters Gottfried von Beselich (urk. 1156-
1179) errichtet wurde. Sie verlief von der Tränkgasse in der Erbach bis zu einer heute nicht mehr vorhandenen Gasse gleichen Namens in der
Brückenvorstadt und war nachweislich 1286 mit einem Zoll versehen. Nach ihrer Zerstörung bei einem schweren Eisgang im Winter 1305/06 ließ die
Stadt ab 1315 die heutige steinerne Brücke mit acht Bögen (hiervon zwei Landbögen) und zwei Brückentürmen errichten. Vor dem äußeren
Brückenturm lag ursprünglich eine hölzerne Zugbrücke, die zu unbekannter Zeit durch einen Brückenbogen ersetzt wurde.
Die bei ihrer Errichtung 6,90 m breite Brücke wurde durch mehrere päpstliche Ablässe, Spenden und Erhebung eines Brückenzolls (ein Zollhaus
befand sich am äußeren Brückenturm) finanziert, trotzdem schritt der Bau wohl nur langsam voran. Sie wird um 1345 fertig gestellt worden sein,
jedoch wird noch 1373 die alte Holzbrücke erwähnt. Im Jahr 1555 Ausbesserungsarbeiten nach einem Hochwasser sowie 1657 allgemeine
Instandsetzung. 1945 wurde die Brücke gesprengt, um den Vormarsch der Amerikaner zu behindern, dabei stürzten zwei Bogen ein. Wiederher
stellung mit Verbreiterung bis August 1948. Jüngste Sanierung 1982/83.
Im heutigen Zustand besitzt die 107 m lange und acht Meter breite Brücke sechs weit gespannte Bögen aus Bruchsteinmauerwerk (Dietkirchener
Massenkalk) mit Verstärkung der Bogenläufe sowie der keilförmigen Eisbrecher durch große Werksteine aus Trachyt. Der nördlichste Bogen wurde
wahrscheinlich bei Anlage des Schleusenkanals ab 1837 mit hellem Lahnmarmor verkleidet. Zwischen den beiden mittleren der Bögen sind zwei
Skulpturen aufgestellt (die ursprüngliche Anordnung war genau umgekehrt): Das steinerne Kruzifix wurde bei der Brückenrenovierung 1657
gestiftet, es finden sich die Wappen, Initialen und Hausmarken des damaligen Bürgermeisters Johann Melbaum (um 1600-1672) und seiner Frau
Margarethe Stroh. Die Skulptur des Brückenheiligen Nepomuk mitsamt seinem hohen Postament war 1714 von dem kaiserlichen Postverwalter zu
Heilbronn Johann Philipp Scheurer (1681-1737), Sohn des Limburger Bürgermeisters Johann Theodor Scheurer (1632-1711) gestiftet worden, die
heutige Figur ist eine Neuschöpfung von 1965 (Bildhauer Karl M. Winter; Original im Stadtarchiv Limburg).-
Der Brückenturm ruht über dem sechsten Brückenpfeiler stadtauswärts und ist der einzige vollständig erhaltene Turm der ehemaligen Limburger
Stadtbefestigung (der innere Brückenturm wurde gleich den meisten anderen Wehrtürmen der Stadt 1818 abgerissen). Sein unterer Teil ist so alt wie
die Brücke selbst. Die beiden hohen Spitzbögen der Durchfahrt besitzen gestufte Werksteingewände. Die Führungsschienen des einstigen
Fallgitters sind noch im Mauerwerk der nördlichen Öffnung erhalten. In der südöstlichen Ecke der inneren Kreuzgratwölbung Fratzenmaske. An der
Nordseite vergitterte Nische mit der farbig gefassten Skulptur einer Maria mit Kind, die vielleicht aus der einstigen Brückenkapelle stammt. Die drei
Turmobergeschosse wurden laut Inschrift 1543 erneuert. Früher trug das Bauwerk eine hohe Dachhaube, das heutige flache Walmdach mit kleinem
Dreiecksgiebel entstand wahrscheinlich 1835, als die Stadt in dem Bauwerk das Amtsgefängnis und eine Wohnung für den Amtsdiener einrichtete.
Auf der östlichen Seite des Brückenturms befand sich ursprünglich eine ab 1490 von der Stadtgemeinde errichtete kleine Brückenkapelle
(Zimmermeister Gerlach Becht), die 1496 durch den Trierer Weihbischof dem hl. Antonius geweiht wurde. 1818 wurde die Kapelle als Gottesdienst
raum aufgegeben, im selben Jahr war der Abbruch des gesamten Turms geplant, was jedoch aus Furcht vor einer Destabilisierung der Brücke
unterblieb. 1827 erfolgte der Abriss der Kapelle wegen Baufälligkeit.
Die Limburger Brücke des 14. Jahrhundert ist ein bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Bautechnik und besitzt als einziges Brückenbauwerk
Deutschlands dieser Zeit noch einen zumindest im Kern erhaltenen Brückenturm (einzig bei der ab 1357 von Peter Parler errichteten Karlsbrücke in
Prag blieb der bauzeitliche Brückenturm der Altstädter Seite erhalten). Als Teil des überregionalen Verkehrswegenetzes wie auch als
innerstädtisches Verbindungsglied zur Brückenvorstadt ist sie ein Wahrzeichen Limburgs und prägt bis heute die lahnseitige Stadtansicht in
höchstem Maße. Nicht zuletzt war sie über Jahrhunderte hinweg von großer Wichtigkeit für die städtische Kasse, da der Brückenzoll zu den
Haupteinnahmen des städtischen Haushaltes zählte.
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