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JudenbadFlur: 2; Flurstück: 527 Friedberg Wetteraukreis Bestandteil der Gesamtanlage Burgareal |
Rituelles Frauenbad, das bauinschriftlich 1260 datiert ist; es gab zu dieser Zeit bereits eine große jüdische Gemeinde in
Friedberg, die unter dem Schutz der Burg stand. Den Bau des Bades ermöglichte die Stiftung eines wohlhabenden, aus
Koblenz zugezogenen Gemeindemitglieds (Isaac Coblenz). Um das nach den religiösen Vorschriften erforderliche reine
Grundwasser für das Frauenbad zu erreichen, war es notwendig, einen 25 Meter tiefen Schacht in den Höhenrücken zu
treiben, auf dem Burg und Stadt Friedberg errichtet waren. Der Schachtgrundriß ist quadratisch und schließt eine Treppe
mit sieben Läufen ein, die Seitenlänge des Schachtquadrates beträgt 5,50 Meter. Die Treppenläufe werden von
steigenden Bögen überspannt, die auf der geschlossenen Außenseite auf Konsolsteinen, auf der zum Schacht geöffneten
Innenseite auf freistehenden Säulen mit Blattkapitellen liegen. Das Kapitell der untersten Säule sowie die Kämpferprofile
aller Säulen sind in identischer Form am Ciborienaltar der Friedberger Stadtkirche anzutreffen. Ebenfalls gleichartige
Steinmetzzeichen im Judenbad und im 1260 begonnenen Chor der Stadtkirche machen es wahrscheinlich, daß an
beiden Bauwerken dieselben Handwerker gearbeitet haben. Das Friedberger Judenbad ist ein monumental angelegter
Raum, die großen spitzbogigen Nischen unter den Treppenläufen unterstreichen dessen anspruchsvollen Gestus. In
Deutschland gibt es mit Speyer, Worms, Andernach, Köln und Offenburg nur wenige vergleichbare jüdische Ritualbäder.
Das Judenbad ist über den Hof des Anwesens Judengasse 20 zu erreichen. Das Vorderhaus geht auf einen Entwurf des
Stadtbaumeisters Zörb aus dem Jahre 1902 zurück und ist aufgrund seiner Verbindung zum Ritualbad ebenfalls
erhaltenswert. Mit seinen gotisierenden Detailformen (Treppengiebel, Fenstergewände) nimmt es Bezug auf die
Entstehungszeit des Bades, in seinem Erdgeschoß ist eine Ausstellung über den Werdegang des religiösen Bauwerkes
und die Lebensbedingungen der jüdischen Gemeinde in Friedberg eingerichtet.
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