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1880-1883 errichtete Ölfabrik, bestehend aus Fabrikgebäude, Remise und einem Wohn- und Bürohaus.
Historischer Überblick
Im bis dahin ländlich geprägten Südteil Sachsenhausens siedelten sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe an. Zugleich entstanden entlang der Ausfallstraßen erste Wohnhäuser für mehrheitlich einkommensschwache Bevölkerungsschichten der damals rasant wachsenden Großstadt. In dieser frühen Entwicklungsphase erwarb 1879 auch die P.P. Heinz Ölfabrik unweit der Bahnunterführung in Verlängerung der Schweizer Straße ein sehr schmales, langgezogenes Grundstück, das aufgrund des ungünstigen Zuschnitts nicht einfach zu bebauen war. Philipp Peter Heinz hatte 1839 in der Innenstadt, unweit des Römers, eine Handlung für Wein- und Speiseöl gegründet und sich zunehmend auf die Herstellung und den Vertrieb von Maschinen- und Motorölen spezialisiert, deren Produktion erweitert und in einem neu zu errichteten Fabrikgebäude zusammengefasst werden sollte. Zudem wurde auch Platz für Pferdefuhrwerke und Büroräume benötigt und für die Familie des Fabrikinhabers sollte ein repräsentatives, mehrgeschossiges Wohn- und Bürogebäude entstehen.
Gebäudedisposition
Für diese Nutzungsanforderungen wurden drei Einzelbauten konzipiert, deren geschickte Platzierung eine optimale Grundstücksausnutzung ermöglichte: Das zweigeschossige Fabrikgebäude erhielt einen längsrechteckigen Grundriss und wurde weitmöglichst ins Innere des Grundstücks gesetzt, sodass die fensterlosen Rück- und Seitenwände direkt an der Grenze zu den Nachbarn liegen. Die neun Achsen der nach Westen ausgerichteten Schaufassade erstrecken sich über die gesamte Grundstücksbreite. Zusammen mit der Remise und einem dazwischenliegenden Unterstand (nicht erhalten) entstand so eine winkelförmige Anlage, der ein Fabrikhof vorgeschaltet ist. Das repräsentative, viergeschossige Wohn- und Verwaltungsgebäude wurde dagegen direkt an der Straße platziert, sodass der große, dazwischenliegende Grundstücksteil von der Unternehmerfamilie als parkartig angelegter Garten genutzt werden konnte, von dem sich Teile des alten Baumbestandes sowie der Einfriedung erhalten haben.
Alle drei Gebäude sind in Backstein ausgeführt und zeigen, ihren unterschiedlichen Funktionen entsprechend, eine stark differenzierte Gestaltung.
Wohn- und Verwaltungsgebäude
Das repräsentative Etagenwohnhaus des Fabrikdirektors ist viergeschossig, ein voll ausgebautes, schiefergedecktes Mansarddach mitgezählt. Es zeigt eine bildhauerisch sehr differenziert ausgearbeitete Sandsteingliederung in Formen der deutschen und französischen Renaissance. Nach leichter Kriegszerstörung wurde das Dachgeschoss vereinfacht wiederaufgebaut und bei der jüngsten Renovierung teilweise rekonstruiert. Der an die Südseite angefügte, höhere Neubau beeinträchtigt das ursprüngliche Erscheinungsbild.
Remise
Auch die Remise ist für ein Lagergebäude ungewöhnlich aufwendig gegliedert mit Zierfachwerk im Obergeschoss und einem verbretterten Zwerchhaus darüber, das ein reich geschnitzter Schwebegiebel bekrönt. Ihre geringere Höhe und Breite weist die Remise zugleich klar als Nebengebäude aus. Die Fenster und Türen in diesem Gebäude wurden ausgetausch und rückwärtig ein Neubau angefügt. An Stelle des ursprünglichen Unterstandes zwischen der Remise und dem Fabrikgebäude wurde ein in etwa gleichhoher, eingeschossiger Neubau mit Holzfassade ergänzt.
Fabrikgebäude
Das zum Innenhof hin orientierte, neunachsige Fabrikgebäudes zitiert mit seiner zweigeschossigen bzw. im Mittelrisalit dreigeschossigen Schaufassade aus Backstein in etwas vereinfachter Form ebenfalls Renaissancemotive. Am aufwendigsten gestaltet ist der dreiachsige Mittelrisalit mit prominent hervortretender Attika und einer ädikulaartigen Fensterverdachung im Zentrum des ersten Obergeschosses, die, wie alle Fenstergewände, in Sandstein ausgeführt ist. Das abschließende Pultdach war an Stelle der heutigen Teerpappe ursprünglich mit Schiefer gedeckt und zeigte zu beiden Seiten des Mittelrisalits jeweils drei Dachgauben, die nach leichter Kriegszerstörung nicht wiederhergestellt wurden. Auch die drei großen, ursprünglich quadratischen Dachfenster unterhalb des Firstes wurden wohl schon beim Wiederaufbau verkleinert.
Ein leicht aus der Mittelachse nach links versetzter Schornstein (heute etwas verkürzt), die filigranen Stahlfenster und das von einem weit ausladenden Vordach überfangene Erdgeschoss mit massivem Konsolgesims aus Sandstein sowie hohen Durchgängen für die Anlieferung und den Abtransport von Ölfässern lassen die ursprüngliche Funktion des Gebäudes bis heute erkennen. Nach der Stilllegung in den 1970er Jahren wurde ein Großteil der Maschinen und der technischen Ausstattung zur Raffinierung, Verfüllung und Lagerung der Öle ausgebaut. Einige Relikte wie Transmissionswellen, eine Ölpumpe und der nicht mehr funktionsfähige Lastenaufzug erinnern noch direkt an die ursprüngliche Nutzung.
Im Inneren, das im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss in drei Haupträume unterteilt ist, hat sich die bauzeitliche Gebäudestruktur weitgehend erhalten. Die Flachtonne des Untergeschosses wird von Gurtbögen und kreuzförmigen Pfeilern getragen, die allesamt in Backstein ausgeführt sind. Primäres Tragwerk ist ab dem Erdgeschoss eine Balkenkonstruktion für die Decken und im ersten Obergeschoss auch die Wände. Im Erdgeschoss sind zudem fünf gusseiserne Säulen angebracht, auf denen Doppel-T-Träger aufliegen, die ursprünglich schwere, hier auflagernde, Ölbehälter trugen. Bauzeitlich sind u.a. auch die Metallfenster, das Treppenhaus mit Steinstufe, der hölzerne Dachstuhl, ein Großteil der Sandstein- und Dielenböden sowie eventuell auch die Wellblechtore- und Türen (noch nicht abschließend geklärt). Bemerkenswert gelöst und in dieser Form wohl einzigartig ist die Belichtung sämtlicher Geschosse über drei bis ins Erdgeschoss heruntergeführte Licht- bzw. Transportschächte im hinteren Gebäudeteil, dessen unmittelbar ans Nachbargrundstück angrenzende Außenwände keine Fenster besitzen. Bauzeitlich ist auch das Basaltpflaster der Zufahrt und des Fabrikhofs sowie das eiserne Schwenktor mit Sandsteinpfeilern in Flucht der östlichen Garteneinfriedung.
Denkmalwert
Die ehemalige Heinz Ölfabrik zählt zu den besterhaltenen Fabrikanlagen in Frankfurt. Alle drei Hauptgebäude der malerisch gruppierten Anlage sind außen sowie die Fabrikanlage auch im Inneren weitgehend unverändert erhalten und heute das letzte bedeutende Zeugnis der industriellen Vergangenheit Süd-Sachsenhausens.
Als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.
| Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Grünfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG |
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Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein |
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Jüdischer Friedhof |
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Kleindenkmal, Bildstock |
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Grenzstein |
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Keller bzw. unterirdisches Objekt |
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Baum |