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Das Gießener Stadttheater wurde 1905-07 von dem Architekturbüro Fellner & Helmer (Entwurfsplanung) und Hans Meyer (Bauausführung) in dem gründerzeitlichen Park der Südanlage errichtet.
Bereits 1890 gründete sich ein Theaterverein, um das Theaterwesen in Gießen allgemein zu fördern und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nachdem auswärtige Ensembles zu Gastspielen eingeladen wurden, baute der Verein ein eigenes Ensemble auf und initiierte eine Theater-Union mit Marburg und Bad Nauheim. Somit entstand das erste Städtebundtheater Deutschlands, wodurch das Gießener Theaterwesen einen Aufschwung erlebte. Die beengten und veralteten Bühnenverhältnisse führten daraufhin zu dem Wunsch nach einem eigenständigen, modernen Theaterbau - was auch von der Presse und Öffentlichkeit befürwortet wurde. Erste Planungen sahen einen Theater- und Konzertsaal in einem Gebäude vor, aufgrund der hohen Kosten war dieser Entwurf jedoch nicht realisierbar. Der Bau des Theaters wurde schließlich zu zwei Dritteln aus Spenden finanziert, die im Sinne einer Abstimmung dezidiert für den Theaterbau ausgestellt wurden. Bemerkenswert ist nicht nur die Anzahl von 600 Stiftern, sondern auch die breite soziale Streuung über alle Klassen hinweg, was schließlich auch die Stadt dazu bewog, sich an dem Bauvorhaben zu beteiligen. Die Stadt stellte dafür kostenlos ein Grundstück in der Südanlage zu Verfügung, die dortige Villa (im Schülerschen Garten) wurde zwischen 1903-05 zugunsten des Theaterbaus abgebrochen. Eine Theaterbau-Kommission koordinierte das Bauvorhaben, welches wie geplant 1907 zum 300-jährigen Jubiläum der Gießener Universität abgeschlossen werden konnte und das Theater für seine imposante Wirkung und moderne Bühnentechnik breites Lob erhielt.
Das europaweit tätige Architekturbüro Fellner & Helmer aus Wien war auf Theaterbauten spezialisiert (dabei insbesondere auf Brandschutzkonzepte und Raumakustik) und war bekannt für seine verlässliche, effiziente Abwicklung. Der Großteil der Theater- und Konzertbauten des Büros entsprach den vielfältigen Stilformen des 19. Jahrhunderts, während das Gießener Stadttheater deutliche Einflüsse des Jugendstils erkennen lässt. Bemerkenswert ist, dass der Gießener Theaterbau nahezu baugleich in Klagenfurt (Österreich) und Gablonz (Tschechien) errichtet wurde.
Der symmetrische Theaterbau in den Formen des Jugendstils und Neoklassizismus besteht aus Vestibül bzw. Foyer mit seitlichen Windfängen und doppelten Treppenhäusern, Zuschauerhaus mit Wandelgängen, Bühnenhaus sowie Hinterbühne und Kulissenräumen. Die Materialien, dunkler Lungstein (Sockel), heller Putz (Wände), heller Sandstein (Quaderung und Lisenen usw.) und französischer Kalkstein für Reliefs und Skulpturen, sind farblich harmonisch aufeinander abgestimmt. An der Hauptseite zur Südanlage findet sich aufwendiger programmatischer Skulpturen- und Reliefschmuck nach Entwürfen von Bildhauer Jäger aus Berlin (die Bronzegruppe "Apoll auf dem Streitwagen" ist nicht erhalten).
Das Stadttheater wurde in den seit Mitte des 19. Jahrhunderts angelegten gründerzeitlichen Park im Süden des Anlagenrings eingebettet. Geschwungene Wege, ovale Schmuckbeete und eine Freitreppe führten direkt auf den Haupteingang des Theaters zu, bildeten jedoch auch gleichzeitig den Übergang zu dem westlich anschließenden Park der Südanlage. 1940 wurde die Freitreppe verbreitert und die davor liegenden Schmuckbeete durch einen gepflasterten Aufgang ersetzt. Um 1900 war die städtische Bebauung zwar schon über die Grenzen der ehemaligen Stadtbefestigung hinausgewachsen, die Ausrichtung des Theaters nach außen, Richtung Ringstraße – direkt neben einem der ehemaligen Stadttore – scheint dennoch bemerkenswert und bezeugt den repräsentativen und modernen Anspruch des Theaters. Gleichzeitig schließt der Bau sich damit den städtebaulichen Planungen der 1850er Jahre mit nach ‚außen gekehrten Fassaden‘ an der Ringstraße an.
Von den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs war auch das Stadttheater betroffen und wurde (nach einer ersten Notsicherung des Dachs) 1951 im Bereich des Foyers, des Zuschauerraums und der Kassenhalle umfassend renoviert. Für die Werkstätten und das Kulissenmagazin wurde 1975-76 ein rückwärtiger Anbau errichtet, der als niedriger, eingeschossiger Baukörper mit Flachdach und einer umfassenden Begrünung die Erscheinung des historischen Gebäudes möglichst wenig stören sollte. Ende der 1970er Jahre erfolgte der Umbau des Zuschauerraums sowie in den 1990er Jahren der Einbau einer Akkustikdecke und die Erneuerung der Bestuhlung.
Das Stadttheater Gießen ist aufgrund seiner Entstehungsgeschichte als bürgerliche Stiftung von besonderer sozialgeschichtlicher Bedeutung. Der Entwurf des erfolgreichen Wiener Architekturbüros ist mit dem aufwendigen Figuren- und Raumprogramm von künstlerischer Bedeutung. Beachtenswert ist zudem die bauzeitlich moderne technische Ausstattung sowie der Vorbildcharakter des Gießener Theaterbaus für die nahezu baugleiche Ausführung in zwei anderen europäischen Städten. Die gestalterische Einbindung in den Park sowie die repräsentative Ausrichtung der Hauptfassade zur Ringstraße ist von besonderer städtebaulicher Bedeutung.
Das Stadttheater ist Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen.
Als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.
| Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Grünfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG | |
| Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG |
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