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Teil der Gesamtanlage:
Gesamtanlage
Der Hanauer Kammer- und Regierungspräsident Johann Georg Seiffert von Edelsheim bekam für die Anerkennung seiner Dienste 1674 von Friedrich Casimir von Hanau-Lichtenberg Rumpenheim als Lehen. Dort baute er sich 1680 ein Herrenhaus am Main, nachdem er einige der umliegenden Güter erworben und die Häuser auf der Mainterrasse abgerissen hatte. Die ehemalige Ausdehnung des Hauses, von dem es weder Abbildung noch Beschreibung gibt, waren am lange Zeit als Ruine stehenden Mittelteil des Schlosses gut zu erkennen: während das Schloss aus rotem Sandstein erbaut wurde, hatte von Edelsheim sein Haus aus grauem Basalt errichtet. Das Haus hatte sechs Fensterachsen und war zwei Stockwerke hoch.
Als Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel zum katholischen Glauben übertrat, verzichtete er auf die Grafschaft und die Verwaltung ging an seine Gemahlin, Landgräfin Marie. Ihr Sohn Prinz Karl von Hessen-Kassel kaufte 1768 den Besitz derer von Edelsheim für 140.000 Gulden. Neben Rumpenheim gehörte dazu auch Nieder-Dorfelden, Nieder-Eschbach und der Hof Eich. Es ist nicht sicher, ob Landgräfin Marie die ganze Zeit über in Rumpenheim wohnte, zumindest verbrachte sie die Sommermonate hier. In dieser Zeit - nach 1770 - wurde das Herrenhaus erweitert. Unter Beibehaltung des bestehenden Gebäudes baute man rechts und links drei Achsen an, so dass das Gebäude jetzt bis an die flankierenden Gassen reichte. Eine Federzeichnung um 1780 zeigt die zweigeschossige Mainseite mit Terrassenausgang, leicht vorspringendem Mittelteil und Mansarddach. Der zugehörige Garten lag auf der Ostseite. Die zum Grafenbesitz gehörenden Stall- und Wirtschaftsgebäude auf der main-abgewandten Seite bildeten mit dem Herrenhaus einen geschlossenen Hof.
Der älteste Sohn der Landgräfin,
Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, übernimmt mit seiner Volljährigkeit die Regierung in Hanau. 1803 erhält er die Kurwürde und wird Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel. Nachdem Prinz Karl Prinzessin Louise von Dänemark geheiratet hatte, wählte der jüngste der Brüder, Landgraf Friedrich, Rumpenheim zu seinem Wohnsitz und erwarb es 1781 von Karl für 70.000 Gulden. Schon in seiner Zeit als Gouverneur von Maastricht (1784-1794) begann er 1787 mit dem Um- und Ausbau des Herrenhauses zum Schloss. Ein 1811 errichteter Gedenkstein neben der Schlosskirche erinnert an den in diesem Jahr verstorbenen Baurat Friedrich Adam Francke, der mit den Bauarbeiten beauftragt worden war. Zunächst erwarb Friedrich mehrere Hofreiten und ließ sie einreißen, andere wurden abgetragen und westlich im Bereich der Neugasse wieder aufgebaut. So schuf er Platz um die Eckpavillons und Seitenflügel zu errichten und das Schloss zu einer Dreiflügelanlage auszubauen. Dabei wurde mit dem Bau der beiden Pavillons an den Enden der Seitenflügel begonnen, dann erst die Seitenflügel errichtet und zuletzt - um 1804/05 - die Eckpavillons am Mittelbau angebaut. Diese komplizierte Bauabfolge war wohl durch den erst langsam fortschreitenden Kauf und Abriss der dort stehenden Häuser bedingt. Zeitgleich mit der Errichtung der Eckpavillons wurde das Mansarddach zum Main hin zu einem Vollgeschoss ausgebaut.
Um seine Familie - Landgraf Friedrich und seine Frau Caroline Polyxene, Prinzessin von Nassau-Usingen, hatten acht Kinder, die durch Heirat in ganz Europa verstreut lebten - zu versammeln, lud Friedrich alle zwei Jahre zu großen Familientreffen auf Schloss Rumpenheim ein. Diese Tradition hielt auch nach seinem Tode 1837 an. Da die Familie ab 1814 auch in Kassel ein Anwesen hatte, ist nicht sicher, wer das Rumpenheimer Schloss in dieser Zeit bewohnte. Als es 1821 zum Bruch innerhalb der Familie kam, zog die Familie Friedrichs wieder zurück nach Rumpenheim. Nach dem Tode Friedrichs ging das Schloss in den gemeinsamen Besitz seiner Kinder über.
Um die Güter zu verwalten, wird zunächst der ehemalige Pachthof an der Breiten Straße zum Verwaltungssitz ausgebaut und später an der heutigen Marstallstraße - neben einem weiteren Pferdestall - vier Beamtenhäuser errichtet. Prinz Friedrich Wilhelm und sein Bruder Georg wohnten unverheiratet bis zu ihrem Tode 1876 bzw. 1881 in Rumpenheim. Danach stand das Schloss erneut leer. 1893 zieht Prinz Friedrich Karl, Urenkel des Landgrafen Friedrich, im Schloss ein. Er bewohnt es mit seiner Familie bis die Erbschaft des Schlosses Friedrichshof bei Kronberg im Taunus ihn 1902 nach dort übersiedeln lässt.
Im Anschluss wird das Schloss weiter gepflegt, aber nicht mehr bewohnt. 1921 werden Schloss und Park unter Denkmalschutz gestellt. Die Kurhessische Hausstiftung übernimmt 1925 die Verwaltung in Rumpenheim. Während des Zweiten Weltkrieges ist eine Einheit der Heimatflak im Schloss untergebracht und die Gebäude werden 1943 durch Brandbomben schwer beschädigt.
Nach dem Krieg ziehen Flüchtlinge und Obdachlose in die noch bewohnbaren Teile des Schlosses. Die Stadt Offenbach kauft Schloss und Park 1965 von der Hessischen Hausstiftung und macht 1968 den Park für die Öffentlichkeit zugänglich. Der 1972/73 projektierte Abriss des Schlosses und der Bau eines Hochhauses an seiner Stelle kann durch eine Bürgerinitiative verhindert werden und führt zum Wiederaufbau der beiden Flügelbauten 1985/87. Die Gebäude wurden in einzelne Eigentumswohnungen aufgeteilt, so wie sie auch im ab Dezember 2000 begonnenen Wiederaufbau des Mittelteils entstanden, der 2002/03 fertig gestellt wurde.
Der Ausbau zur heute sichtbaren Dreiflügelanlage geschah unter Friedrich von Hessen-Kassel: der Hauptbau - Corps de Logis - zum Main gelegen und zwei flachere Flügelbauten an den Hofseiten mit je einem Pavillonbau als Abschluss. Der Zugang erfolgte durch das an der damaligen Pfortengasse (heute Marstallstraße) gelegene Tor über die Breite Straße und somit von Westen, also nicht, wie sonst bei barocken Schlossanlagen üblich, von vorne. Eine frontal auf das Schloss führende Allee ist auf Plänen belegt, aber nie verwirklicht worden.
Der Mainflügel - der so genannte Corps de Logis - enthielt die Repräsentations- und Wohnräume des Landgrafen. Die Mainfront ist in fünf Bauteile unterteilt: der siebenachsige Mittelteil springt leicht vor, im Erdgeschoss befindet sich der Gartenausgang mit einer flachen Treppenanlage, darüber ein schmiedeeiserner Balkon. Die rechts und links anschließenden, dreiachsigen Anbauten zeigen die gleichen Geschossaufteilungen wie der Mittelrisalit mit einem geringfügig niedrigeren Obergeschoss. Die Geschosse sind durch ein Gurtgesims voneinander abgesetzt und zum Dach hin mit einer Balustrade abgeschlossen. Aus dem Dachfirst erhebt sich in der Mitte ein kleiner, zweigeschossiger Uhrturm mit einem Kuppeldach. An den Mittelbau schließen sich im Osten
und Westen vierachsige Eckrisalite an. Die drei Geschosse der Risalite sind höher als die des Mittelbaus, wobei das mittlere Geschoss nahezu zwei Geschosse des Mittelbaus umfasst. Auch hier sind die Stockwerke durch Gurtgesimse getrennt und die Ecke mit Hausteinen betont. Wie schon beim Mittelteil zeigt das Walmdach der Eckbauten kleine Gauben mit runden Fenstern und baldachinbekrönte Kamine. Zur Hofseite hin springt der Mittelteil zurück. Eine flache Freitreppe führt zu einer über die ganze Breite des Mittelbaus reichenden Terrasse von der aus sowohl der Haupteingang wie auch die zu den Seitenteilen führenden Nebeneingänge zu erreichen sind. Je ein bogenförmiger Eingang im unteren Bereich der Anbauteile führt in den gesamte Bereich des Corps de Logis einnehmenden Gewölbekeller. Im Gegensatz zur Mainseite zeigt der Mittelteil der Hofseite nur zwei Geschosse mit darüber liegendem Masarddach, unterbrochen von Dacherkern mit Dreieckgiebeln. Die beiden langgestreckten Seitenflügel des Schlosses sind eingeschossig mit Mansarddach. Zum Hof hin ist die Mitte durch einen leicht vorspringenden Risalit mit Dreieckgiebel betont. Zum Mitteltrakt hin werden die Seitenflügel durch eine Kutschendurchfahrt unterbrochen. An den Außenseiten bleiben die Seitenflügel schlicht mit einfachen Fensterreihen, nur zum Marstall hin gab es früher eine Tür. Den Abschluss der Seitenflügel bilden quadratische Eckpavillons. Nach allen Seiten dreiachsig und zweigeschossig mit Mansarddach, schaffen sie einen Gegenpol zu den Eckbauten des Hauptteils.
Im Erdgeschoss des Corps de Logis befand sich neben kleineren Wohn- und Empfangszimmern auch ein Gartensaal mit Ausgang zur Mainterrasse. Das Schloss hatte kein großes repräsentatives Treppenhaus, die oberen Räume waren über zwei kleinere Treppenhäuser an der Hofseite zu erreichen. Über der Eingangshalle gab es eine kleine Galerie mit Fenstern zum Hof, zur Mainseite erstreckte sich im ersten Stock der "Grüne Salon" mit Blick über den Fluss. Einige Ausstattungsstücke, Möbel, Öfen, Bilder und Tapeten befinden sich heute in den Räumen von Schloss Fasanerie bei Fulda, wo sie vor dem Zweiten Weltkrieg hingebracht wurden, um einer möglichen Kriegszerstörung zu entgehen. Der größte Raum des Schlosses war mit 11 x 14 Metern der Gouverneurssaal im ersten Stock des nördlichen Eckpavillons. Im östlichen Seitenflügel befand sich der Küchentrakt, die Speisen konnten von hier aus durch die Kutschendurchfahrt ins Schloss gebracht werden. Die gegenüber liegende Durchfahrt ermöglichte den mit der Kutsche Eintreffenden, auch bei Regenwetter das Schloss trockenen Fußes zu erreichen. Ob der nördliche Seitenflügel ursprünglich als Stall genutzt wurde, ist nicht eindeutig zu klären; sicher ist, dass der nördliche Eckpavillon einst mit drei großen Toren nach Süden hin als Remise gedient hat.
Der zum Schloss gehörende Park erstreckt sich auf der Ostseite, zunächst über eine kleine Brücke, erreichbar, später - nachdem die dort vorbeilaufende Gasse zugeschüttet worden war - direkt von der Mainterrasse oder den Gasträumen des Ostflügels aus. Während die Terrasse zum Main hin eine strengere Gestaltung in der Formensprache des Rokoko zeigte, wurde der große Ostteil unter Landgraf Friedrich erweitert und zum Landschaftsgarten nach englischem Vorbild umgestaltet. Noch heute sind einige Versatzstücke zu finden: ein Monopteros, ein so genannter türkischer Pavillon, der in jüngster Zeit rekonstruiert wurde, eine kleine künstliche Felsanlage mit Sitznischen, die ursprünglich der Unterbau einer Voliere war. Ein weiterer Rundtempel steht auf einem künstlich errichteten Hügel am Ende einer ehemaligen Obstbaumallee, die jetzt Teil der Clara-Grein-Straße ist. Der Monopteros stand vor dem so genannten Horizontwald, der wohl 1827/28 angelegt und in einem Plan von 1839 als bestehend eingetragen wurde. Der Grundriss der einstigen Waldanlage ist heute noch vorhanden, von der ursprünglichen Bepflanzung ist nach Robinienwuchs und Umnutzung durch einen Reitanlage nichts mehr erhalten. Die Reste eines weiteren Teehauses, ein kleines Gartenhaus, Teile der Mauer und des Grabens wurden 1976 beim Bau der Abwasser-Hebestation abgerissen. Ein 1995 entwickeltes Parkpflegewerk liefert die Grundlage für die Sanierung der Parkbauten, für die Entfernung und Pflanzung von Gehölzen, usw. Mit diesem langfristigen Projekt wird der Park Zug um Zug näher an den ursprünglichen Zustand geführt.
Begrenzt wurden Schloss und Gartenbereich im Osten und Süden durch eine in großen Teilen noch heute erhaltene Mauer. Zum Main hin bildet die Stützmauer der Terrasse und nach Westen der Seitenflügel des Schlosses die Grenze. Das schmiedeeiserne Tor, durch das man heute den Schlossbereich betritt, wurde wohl erst nach 1839 errichtet.
Als Kulturdenkmal nach § 2 Absatz 1 Hessisches Denkmalschutzgesetz aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen in das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen eingetragen.
Kulturdenkmal nach § 2 Abs. 1 HDSchG | |
Kulturdenkmal (Gesamtanlage) nach § 2 Abs. 3 HDSchG | |
Kulturdenkmal (Grünfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG | |
Kulturdenkmal (Wasserfläche) nach §2 Abs. 1 oder § 2 Abs. 3 HDSchG |
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Wege-, Flur- und Friedhofskreuz, Grabstein |
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